Biogasanlagen-Betreiber müssen auf Logistikkosten achten
DÜSSELDORF (Dow Jones)--Die Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen hängt
wesentlich von den Logistikkosten für den Transport der Biomasse zur Anlage
ab. Dies machte Helmut Döhler vom Kuratorium für Technik und Bauwesen
(KTBL), Darmstadt, bei der euroforum-Fachkonferenz Biogas am Mittwoch in
Düsseldorf deutlich. Nach seinen Worten liegt die Gewinnschwelle für eine
500-KW-Anlage bei etwa 10 km. Bei Entfernungen über 10 km müsse eine sehr
genaue Wirtschaftlichkeitsberechnung vorgenommen werden, warnte der Experte.
Denn ab einer Transportentfernung von 5 bis 6 km werden demnach die
Aufwendungen für die Logistik zum größten Kostenblock bei einer
Biogasanlage. Bis 5 km seien die Transportkosten grundsätzlich kein Problem,
sagte Döhler.
Vor diesem Hintergrund hält er zukünftige Biomasse-Importe in größerem
Umfang, etwa aus Osteuropa, für heimische Biogasanlagen für nicht
realistisch. Denkbar erscheint ihm hingegen, dass angesichts der begrenzten
Agrarfläche hierzulande in Zukunft Biogas aus Anlagen in osteuropäischen
Nachbarstaaten nach Deutschland eingeführt wird. In der Bundesrepublik
jedoch werde die landwirtschaftliche Nutzfläche auch weiterhin überwiegend
für die Nahrungsmittelerzeugung genutzt werden, ist der Experte überzeugt.
Dies ergibt sich nach seiner Rechnung allein daraus, dass laut aktuellen
Zahlen für die Lebensmittelproduktion eine Fläche von 0,2 ha je Einwohner
benötigt wird. Bei rund 80 Mio Bundesbürgern ergibt dies einen Flächenbedarf
von rund 16 Mio ha. Dem steht hierzulande eine landwirtschaftliche
Nutzfläche von 17 Mio ha gegenüber, verdeutlichte Döhler. Insofern bleibe
für die Biomasseproduktion lediglich ein Areal von rund 1 Mio ha. Darüber
hinaus sei die Bundesrepublik aufgrund ihrer Voraussetzungen bei Klima und
Böden ein begünstigter Standort für die landwirtschaftliche Erzeugung,
betonte er. Deshalb werde Deutschland auf seiner Agrarfläche auch zukünftig
weit überwiegend Nahrungsmittel erzeugen. Größere Biomasse-Importe kann sich
Döhler lediglich bei holzartiger Biomasse für den Wärmebereich vorstellen.
Die Logistikkosten bei heimischen Biogasanlagen, also für die Bereitstellung
der Substrate und die Verwertung der Gärreste, lassen sich nach Auskunft des
Experten abgesehen von der Entfernung auch wesentlich durch die
Mechanisierung der so genannten Arbeitserledigung beeinflussen. Letztere
umfasst sämtliche Arbeitsleistungen von Mensch und Maschinen. So kann der
Einsatz größerer und leistungsfähigerer Maschinen die Kosten der
Arbeitserledigung um bis zu 50% senken. Dies ist allerdings mit deutlich
höheren Investitionen verbunden, weshalb sich ein größerer Maschinepark auch
nur für die Versorgung mehrerer Biogas-Anlagen rechnet, so der Experte.
DJG/jc/kko/22.8.2007 (23.08.2007)
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