DLG: Optimismus in der deutschen Landwirtschaft ungebrochen
(DLG). Der Optimismus unter den deutschen Landwirten ist ungebrochen. Gleiches gilt für die Berufskollegen in West- und Mitteleuropa. Die Bereitschaft zu investieren ist auf hohem Niveau und nimmt weiter zu. Dies ist das Ergebnis des aktuellen Trendmonitors der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) vom Frühjahr 2008 für vier Länder West- und Zentraleuropas. Mit einem Mittelwert von 2,5 verzeichnet er für Deutschland die bisher besten Stimmungswerte über die Einschätzung der Konjunkturlage und des eigenen Betriebes seit der Einführung des Trendmonitors Europa im Herbst 2003. „Die Stimmung könnte nicht besser sein“, beschrieb der Chefökonom der DLG, Dr. Andreas Quiring, die Lage für die deutschen Landwirte jetzt bei der Vorstellung der Ergebnisse im Rahmen des DLG-Aussteller-Workshops in Osnabrück. Dies gilt nicht für die Schweinehalter, die ihre Lage gegenwärtig eher schlecht einschätzen. Mit diesem Wirtschafts- und Trendindex bietet die DLG zweimal jährlich im Frühjahr und nach der Ernte ein Instrument für die Agrarwirtschaft, das Auskunft gibt über die Stimmung und das Geschäftsklima sowie die wichtigsten Trends und die Zukunftserwartungen führender Landwirte in Europa.
Auch für die kommenden zwölf Monate erwarten die deutschen Landwirte weiterhin eine gute Geschäftsentwicklung. Die Erwartungen bezeichnete Dr. Quiring als „optimistisch, aber nicht als übertrieben euphorisch“. Wie sehr sich die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren verbessert hat, macht auch der Trendmonitor der DLG deutlich. Seit Frühjahr 2006 stiegen die Werte für die Einschätzung des Konjunkturklimas von damals 3,5 auf nunmehr 2,5 (bei einer Werteskala von 1: sehr gut, 2: gut, 3: normal, 4: schlecht, 5: sehr schlecht).
Insgesamt hat sich die wirtschaftliche Lage innerhalb der europäischen Landwirtschaft in den letzten Jahren deutlich verbessert. Auch für die Landwirtschaft in Frankreich und Tschechien ergibt der Trendmonitor Höchstwerte hinsichtlich der Konjunktur und der Lage des eigenen Betriebes. Die allgemeine Stimmungslage verbesserte sich dort seit dem letzten Herbst von jeweils 3,2 auf 2,9 (Frankreich) sowie 2,8 (Tschechien), und die Investitionsbereitschaft hat in beiden Ländern deutlich zugenommen. Eingetrübt hat sich dagegen die Stimmung in Polen, was der DLG-Experte mit der Krise der Schweinehaltung in diesem Land erklärt. 91 Prozent der dortigen Schweinehalter beurteilen die aktuelle Geschäftslage und das ökonomische Umfeld als sehr schlecht.
Große Unterschiede zwischen den Produktionsschwerpunkten
Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage des eigenen Betriebes weist der Trendmoni-tor nach den Angaben von Dr. Quiring große Unterschiede zwischen den verschiedenen Produktionsschwerpunkten aus. So halten zwei Drittel der Ackerbauern in Deutschland wie in Tschechien ihre aktuelle Geschäftslage für gut oder sehr gut (Note 2,3). Auch die Acker-bauern in Frankreich (Wert 2,4) und in Polen (2,6) beurteilen ihre Lage als gut. Aber auch für die Milchviehbetriebe bestätigt der DLG-Trendmonitor mit dem Indexwert 2,5 in Deutschland das seit dem Vorjahr deutlich verbesserte ökonomische Umfeld. Ihre Geschäftslage bezeichnet die Hälfte der befragten deutschen Milchviehhalter als gut. Auch für Polen und Tschechien (2,6) sowie für Frankreich (2,9) weisen die Ergebnisse deutlich verbesserte Werte aus. Demgegenüber beurteilen die Schweinehalter in allen befragten Ländern die Konjunkturlage deutlich schlechter als in den Vorjahren. Mit dem bisher niedrigs-ten Wert von 4,2 schätzen 80 Prozent der Schweinehalter in Deutschland ihre Geschäftslage als „schlecht“ oder sogar „sehr schlecht“ ein. Neben der schon erwähnten Schweinekri-se in Polen halten auch die Berufskollegen in Frankreich (Wert 4,6) ihre Situation als „schlecht“ bzw. „sehr schlecht“. Lediglich die Betriebe in Tschechien mit einem Schwerpunkt Schweineproduktion bewerten die Konjunkturlage leicht besser (3,4). Dies erklärt Dr. Quiring als ein Ergebnis der Konsolidierung der meist vielfältig organisierten Großbetriebe in Tschechien. Die Schweinehalter in allen befragten Ländern erwarten jedoch für die kommenden zwölf Monate eine merkliche Verbesserung bei den Erlösen und damit eine Entspannung ihrer wirtschaftlichen Lage.
Investitionsniveau bleibt auf hohem Niveau
Aufschlussreich ist die „Zwölfmonatsfrage“ über die Investitionsabsichten in den kommenden Monaten. Die Antworten von führenden Landwirten in Europa signalisieren, dass wei-terhin mit Investitionen auf hohem Niveau zu rechnen ist. In Frankreich und Tschechien nimmt die Investitionsbereitschaft nochmals zu. Investitionen in der Landtechnik und im Pflanzenbau bilden weiterhin einen Schwerpunkt, doch zeigt sich eine deutlich steigende Bereitschaft zu Investitionen in der Viehhaltung sowohl in Deutschland als auch in Tschechien. Im Mittelpunkt stehen bei den Investitionen die Traktoren und Erntemaschinen sowie Maschinen und Geräte für die Bodenbearbeitung, Saat und Pflanzenschutz. Ein verstärktes Interesse liegt bei Grünland- und Futtererntetechnik. Angesichts der Marktpreise für Getreide erhalten verständlicherweise die Bereiche Lagerkapazitäten, Transport und Logistik ebenfalls eine steigende Bedeutung. Bei den Tierhaltern stehen Investitionen in Kuhställe, in die Modernisierung von Betriebsgebäuden sowie in Melktechnik im Vordergrund.
Der Trendmonitor weist auf ein nachlassendes Interesse an erneuerbaren Energien in Deutschland hin. Groß ist weiterhin die Nachfrage bei deutschen Landwirten an Solarenergie, aber auch in Biogas wird weiter investiert, wenn auch auf niedrigerem Niveau als in den Vorjahren. Auch in den anderen europäischen Ländern geraten die erneuerbaren Energien immer mehr in den Fokus der Landwirte. Dies gilt für Frankreich ebenso wie für Polen und Tschechien mit einem deutlich gestiegenen Wert für Solarenergie (Frankreich) sowie für Windenergie (Polen) und für Biomasseheizung (Polen). Besonders ausgeprägt ist derzeit das Interesse an Biogasanlagen in Tschechien.
Verändertes Investitionsverhalten zu erwarten
Das Investitionsverhalten führender Landwirte wird sich in den kommenden Jahren verän-dern. Dies prognostiziert Dr. Quiring mit Blick auf die Märkte und die Antworten der Befragten im Vergleich der letzten Jahre. Die aktuellen Marktpreise für die erzeugten Produkte werden zunehmend zum „entscheidenden Determinator“ und werden die Investitionen der Landwirte immer stärker beeinflussen. „Hohe Erzeugerpreise werden zu einer hohen Nachfrage führen und umgekehrt“, so die Einschätzung von Dr. Quiring. Dies bedeutet, dass eine Abkehr von der Stetigkeit bei den Investitionen wie in den vergangenen Jahren erfolgen wird. „In guten Zeiten wird investiert und in schlechteren Zeiten wird knallhart nicht investiert“, so Dr. Quiring. Es zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung wie beim Investitionsverhalten amerikanischer Landwirte ab.
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