China bei Nahrungsgütern meist Selbstversorger
Die Trendwende an den Agrarmärkten mit weltweit gestiegenen Preisen für Agrarrohstoffen und
Nahrungsgütern wird derzeit stark diskutiert. Neben der global wachsenden Nachfrage nach Rohstoffen
und Lebensmitteln, dem zunehmenden Einsatz von Agrarrohstoffen für Bioenergie, dem
Bevölkerungswachstum und dem Klimawandel, wird häufig die schnell wachsende Nachfrage Chinas als
eine Hauptursache für die Verknappung und Verteuerung von Nahrungsgütern genannt. Dabei wird
argumentiert, dass mit wachsendem Wohlstand der chinesischen Bevölkerung mehr Fleisch und
Milchprodukte konsumiert werden, was unmittelbare Auswirkungen auf den Weltagrarmarkt habe. Zwar
ist die Rolle Chinas im Weltagrarhandel bedeutend und wächst weiter, der Effekt auf den weltweiten
Agrarhandel wird jedoch häufig überschätzt.
China tritt in vielen agrarischen Teilmärkten nicht oder nur in begrenztem Umfang als Importeur in
Erscheinung. Beispielsweise erzeugt China bislang durchaus genügend Weizen, Mais und auch Reis um
sich selbst zu versorgen und teilweise sogar in andere Länder zu exportieren. Allerdings sind die
chinesischen Getreidebestände wegen der gewachsenen Binnennachfrage seit der Jahrtausendwende um
beinahe zwei Drittel geschrumpft. Ähnlich wie bei Getreide ist die Versorgungslage bei Schweinefleisch.
Hier gab es zwar im letzten Jahr seuchenbedingt einen Produktionseinbruch. Mittel- und langfristig dürfte
China jedoch wie bereits in der Vergangenheit Selbstversorger und möglicherweise sogar Exporteur
bleiben. Bei Milch und Milchprodukten hat der chinesische Inlandsverbrauch in letzten 10 Jahren um
mehr als das fünffache zugenommen. Der allergrößte Teil dieses Mehrbedarfs wurde durch die
gleichzeitige Ausweitung der eigenen Produktion gedeckt. Erheblichen Einfluss auf den Weltmarkt hat
China indessen bei Soja. Hier haben sich die Einfuhren zur Versorgung der wachsenden Tierbestände bei
relativ stabiler Inlandsproduktion innerhalb von sieben Jahren mehr als verdreifacht. Zuletzt flossen rund
40 Prozent des Welthandels (weltweiter Export) mit Soja in das Reich der Mitte. Auch andere
Agrarrohstoffe zur Weiterverarbeitung wie Baumwolle, pflanzliche Öle, Gummi, Holz, Tierhäute und
Wolle werden in beträchtlichem Umfang importiert. Exportiert werden in erster Linie Holzprodukte,
Erzeugnisse der Fischverarbeitung, Obst und Gemüse sowie Schweinefleisch. Insgesamt ist China im
Agrarbereich wegen der sehr umfangreichen Ölsaatenimporte zwar Nettoimporteur, bei den meisten
landwirtschaftlichen Hauptprodukten deckt das Land seinen steigenden Bedarf jedoch selbst.
Deutschland gehörte zuletzt nach Japan, den USA, Südkorea und noch vor Russland zu den wichtigsten
Abnehmern chinesischer Agrarprodukte. Als Lieferant von Agrargütern nach China kommt Deutschland
auch wegen der spezifischen Struktur der chinesischen Agrarimporte bisher nicht unter die TOP 10. Hier
dominieren vor allem die Lieferanten von Sojaprodukten wie die USA, Brasilien und Argentinien sowie
ein ganze Reihe asiatischer Länder.
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