Das neue Phänomen "Spekulanten" an den Agrarmärkten
Mitverantwortlich für die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise weltweit seien die Spekulanten, die inzwischen auf den Agrarmärkten wilderten. „Das verstärkt die Schwankungen an den weltweiten Märkten", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, vor der Bundespressekonferenz in Berlin. Er führte aus, dass in jüngster Zeit Agrarrohstoffe wegen der höheren Volatilität der Agrarmärkte für Spekulanten interessant geworden seien. Diese hätten jedoch kein wirkliches Interesse am Reis oder Weizen, sondern möchten nur an den Kursschwankungen verdienen. „Das verstärkt die Marktausschläge und ist deshalb so überflüssig wie ein Kropf“, sagte Sonnleitner. Er sieht die Gefahr, dass „ganze Herden solcher Zocker von einem Spekulationsspiel zum anderen wandern, absahnen und am Ende Scherbenhaufen hinterlassen“. Dies sei unverantwortlich, da Agrarkrisen fatale Folgen für viele Menschen weltweit haben könnten.
Auch in der Deutschen Bauern Korrespondenz dbk, der Mitgliedszeitschrift des DBV, hat Sonnleitner auf dieses neue Phänomen der Spekulation hingewiesen. „Ich bezweifle die Notwendigkeit von internationalen Finanzmärkten und den Sinn von Termingeschäften überhaupt nicht“, so Sonnleitner. Er frage sich jedoch, ob Freiheit denn vollkommen grenzenlos sein könne. Zwar würde Spekulation allein sicherlich keinen Preistrend auslösen. „Mein Problem aber ist, dass jeder Fachmann bestätigt, dass die Spekulation die Preisausschläge - nach oben wie nach unten - massiv verstärken kann“, betonte der DBV-Präsident. Den Terminhandel mit Agrargütern einfach zu verbieten, wie dies jüngst Indien gemacht hat, reicht nach Einschätzung Sonnleitners als Antwort nicht aus. Diese Fragen dürfte auch das Bundeskabinett nicht ausblenden, wenn dort eine abgestimmte Meinung zur Nahrungsmittelversorgung und Entwicklungspolitik erarbeitet wird, forderte Sonnleitner.
Immer häufiger weisen nun auch Medien auf die fatalen Folgen durch Spekulation auf die Agrarpreise hin. So betonte beispielsweise Thomas Hanke im Handelsblatt, dass die rasch zunehmenden Investments in rohstoffbezogene Finanzinstrumente mitschuldig am Preisauftrieb und an der starken Zunahme der Volatilität seien. Die durchschnittliche Volatilität der Weizen- und Maispreise beispielsweise habe sich in nur zehn Jahren fast verdoppelt. Auch würden immer häufiger die Marktteilnehmer in die Irre laufen, weil sie sich in ihren Erwartungen grob täuschten. Die Agrarpreise seien „außer Rand und Band“, so Hanke. Das Beunruhigende an Preisschwankungen sei, dass sie sich selbst immer stärker in die Höhe jubeln. Dies sei gerade für risikoliebende Investoren wie Hedge-Fonds interessant, die Produkte mit heftigen Ausschlägen suchen würden, weil dort in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen sei. Experten würden daher mittlerweile vom „Druck der Spekulation“ und „Plage, die die Agrarmärkte befallen hat“, sprechen.
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