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FAO rechnet mit Erholung der Weltmarktpreise für Milchprodukte

AgE. ROM. Angesichts einer stagnierenden Milchproduktion in wichtigen Exportländern hält die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) eine Erholung der Weltmarktpreise für Milchprodukte in den nächsten Monaten für möglich. Auch wenn viele Unsicherheiten bestünden, gebe es hierfür Anzeichen, erklärt die FAO in ihrem aktuellen Bericht zum Weltmarkt für Milch und Milcherzeugnisse. Laut Angaben der römischen Fachleute hat sich der von ihnen berechnete "Dairy Price Index", dessen Basiswert 100 dem mittleren Preisniveau der Jahre 2002 bis 2004 entspricht, nach dem Absturz um 58 % vom Hoch im November 2007 auf das Tief von 114 im Februar 2009 bis zum Mai wieder auf einen Wert von 124 leicht erholt. Im Zeitraum Januar bis Mai 2009 erreichte der Index allerdings im Schnitt lediglich einen Wert von 119, womit er um 52 % unter dem Niveau der Vorjahresperiode lag. Für das laufende Kalenderjahr geht die FAO davon aus, dass die globale Exportmenge an Milcherzeugnissen umgerechnet in Milchäquivalente gegenüber 2008 zwar nur um 300 000 t auf 39,4 Mio t zurückgehen wird; regional soll es aber zu erheblichen Verschiebungen der Handelsströme kommen. Erwartet wird, dass die Ausfuhren der Europäischen Union wie auch die der USA um jeweils rund 800 000 t sinken werden und entsprechend der Anteil der Gemeinschaft am Weltmarkt für Milchprodukte auf 22 % fallen wird. Hingegen sollen die Exportlieferungen Australiens und Neuseelands, die 2008 noch unter den Nachwirkungen des Dürrejahrs 2007 gelitten hatten, um zusammen 1,2 Mio t ansteigen. Auch Brasilien wird gemäß der FAO-Prognose seine Ausfuhren an Milchprodukten steigern, während der Handel zwischen den asiatischen Staaten untereinander nicht zunehmen dürfte. Vieles wird nach Darstellung der Fachleute in Rom auch davon abhängen, wie sich der Milchmarkt in China nach dem Melamin-Skandal weiter entwickeln wird.

Mehr Butter aus Neuseeland
Im Einzelnen rechnet die FAO ohne Berücksichtigung des EU-Binnenhandels mit einem Rückgang der weltweiten Butterexporte um gut 1 % auf 798 000 t in diesem Jahr. Während die Butterausfuhren der EU erneut lediglich rund 150 000 t erreichen dürften, wird für Neuseeland ein Anstieg um 4 % auf 338 000 t vorausgesagt. Allerdings hänge dies davon ab, wie die neuseeländische Milchwirtschaft auf die niedrigen Preise reagiere, schränkt die FAO ihre Vorhersage ein. Weißrussland dürfte seine Butterlieferungen nach Russland, dem weltweit größten Importeur von Milchprodukten, ausweiten. Aber auch hier sehen die Marktexperten in Rom große Unsicherheiten, denn die Höhe der diesjährigen Einfuhrmengen Russlands an Milcherzeugnissen ist nach ihrer Darstellung angesichts der globalen Wirtschaftskrise nur schwer abzuschätzen. Russlands Bruttosozialprodukt wird 2009 nach jüngsten Prognosen um 6 % schrumpfen. Deshalb schließt die FAO nicht aus, dass die Importe auch niedriger als derzeit geschätzt ausfallen könnten. Hinsichtlich der weltweiten Exporte von Magermilchpulver erwartet die Organisation aktuell eine Abnahme im Vergleich zu 2008 um 2 % auf knapp 1,19 Mio t. Dabei sollen die Ausfuhren der USA um 12,5 % auf 350 000 t zurückgehen. In die Bresche soll insbesondere Neuseeland springen, dessen Auslandsvermarktung an Magermilchpulver laut FAO-Prog-nose um 15 % auf 278 000 t steigen soll. Die Lieferungen der EU nach Drittländern werden für 2009 nahezu unverändert zur Menge des Vorjahres auf 180 000 t geschätzt.

Käseexport der EU weiter rückläufig
Dagegen werden die Vollmilchpulverexporte der Gemeinschaft in diesem Jahr gegenüber 2008 der FAO zufolge voraussichtlich um 100 000 t auf 386 000 t schrumpfen. Auch auf diesem Markt wird mit einem Anstieg der neuseeländischen Exporte gerechnet, und zwar um 13 % auf die Rekordmenge von 686 000 t. Vollmilchpulver bleibt nach Angaben der Organisation in Rom das Schlüsselmilchprodukt der Exportanbieter für den Absatz in Entwicklungsländern. Für Argentinien prognostiziert die FAO eine Abnahme der betreffenden Ausfuhren um fast 11 % auf 107 000 t. Auf der anderen Seite dürften die Vollmilchpulverbezüge Algeriens und Venezuelas, der beiden größten Importmärkte für dieses Milchprodukt, mengenmäßig stabil bleiben. Der internationale Käsehandel wird nach Darstellung der FAO im Wesentlichen vom Einkaufverhalten Russlands und der asiatischen Schwellenländer abhängen. Nach dem spürbaren Rückgang der globalen Käsexporte um 67 000 t oder 4 % im vergangenen Jahr erwartet die FAO für 2009 eine leichte Zunahme der Ausfuhren um gut 1 % auf knapp 1,78 Mio t. Die Lieferungen der EU, des weltweit größten Käseproduzenten und -exporteurs, sollen jedoch weiter abnehmen, und zwar um rund 2 % auf 536 000 t. Auch die Käseausfuhren der USA, die sich in den vergangenen sechs Jahren verdoppelt haben, sollen zurückgehen.

Unterdurchschnittliches Produktionswachstum
Die Vorhersagen der FAO zur Entwicklung der Exporte von Milcherzeugnissen basieren auf ihrer nun revidierten Erwartung, dass die globale Milchproduktion im laufenden Kalenderjahr unterdurchschnittlich wachsen wird. Die Experten in Rom rechnen für 2009 jetzt mit einer weltweiten Milcherzeugung in Höhe von 699 Mio t; das wären 11,3 Mio t oder 1,6 % mehr als im vorigen Jahr. Der relative Zuwachs läge damit spürbar unter der Wachstumsrate von 2 %, die in den vergangenen zehn Jahren verzeichnet wurde. Die zusätzlichen Milchmengen werden gemäß der FAO-Prognose in den Entwicklungsländern anfallen, deren Produktion insgesamt auf 337 Mio t steigen soll. Dabei wird für die asiatischen
Staaten eine Zunahme um 3,5 % auf 256 Mio t vorausgesagt. In China, wo die Effekte des Melamin-Skandals abebben, wird mit einem Anstieg der Milcherzeugung um 6 % gerechnet. Für Südamerika erwartet die FAO eine Steigerung des Aufkommens um 3,4 % auf 58 Mio t. In Afrika sollen 2009 rund 36 Mio t erzeugt werden; das wäre 1 % mehr als 2008. Demgegenüber dürfte sich das Milchaufkommen in den Industriestaaten in der Summe kaum verändern. Im Ergebnis wird der Anteil der Entwicklungsländer an der globalen Milcherzeugung auf mehr als 48 % anwachsen, verglichen mit erst 40 % vor zehn Jahren. Die diesjährige Milchproduktion der führenden fünf Exporteure von Milcherzeugnissen veranschlagt die FAO auf zusammen 273 Mio t, was dem Niveau von 2008 entsprechen würde. Während das Aufkommen in Ozeanien zunehmen dürfte, wird es in der Europäischen Union und den USA sinken. Dabei wird für die Gemeinschaft eine Produktion von 150,1 Mio t und für die USA von 85,5 Mio t vorausgesagt. Aufgrund der Angebotsdrosselung wird der für den Export verfügbare Überschuss an Rohmilch in der EU-27 nach Schätzung der FAO dieses Jahr um 1 Mio t niedriger ausfallen als 2008. (18.06.2009)

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