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IGC sieht Aussichten für die globale Getreideerzeugung kaum verändert

AgE. LONDON. Während die Ernteaussichten für Weizen im Juni weltweit stabil geblieben sind, haben sich die Produktionserwartungen für Mais etwas verschlechtert. Wie der Internationale Getreiderat (IGC) in seinem jüngsten Bericht zum Welt-Getreidemarkt berichtet, dürften sich vor allem in Argentinien, in der Europäischen Union und in Nordamerika die bisherigen Ertragserwartungen nicht erfüllen. Dagegen zeichnen sich in Russland, Kasachstan und China aktuell höhere Erntemengen ab als noch Ende Mai. In der Summe sagen die Londoner Getreidemarktexperten nach wie vor die zweitgrößte jemals eingebrachte Ernte voraus, auch wenn sie ihre Prognose um 6 Mio t reduzierten. Erwartet wird jetzt mit Blick auf das Wirtschaftsjahr 2009/10 ein globales Getreideaufkommen ohne Reis von 1,715 Mrd t; das wären 65 Mio t weniger als die Rekordmenge, die in der Saison 2008/09 geerntet wurde. Dabei geht der Getreiderat unverändert von einer Weizenproduktion in Höhe von 652,3 Mio t aus, was im Vergleich zum Vorjahr einer Abnahme um 34,5 Mio t entsprechen würde. Die Prognose für die globale Maiserzeugung senkten die Londoner Fachleute um gut 3 Mio t auf 767,8 Mio t; in der noch laufenden Kampagne waren 14,4 Mio t Mais mehr erzeugt worden. In den USA, wo rund 40 % der weltweiten Maisernten heranwachsen, waren die Aussaatbedingungen dieses Jahr eher schlecht; die Maispflanzen befinden sich dort gegenwärtig dennoch in einem besseren Zustand als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Der IGC rechnet damit, dass die US-Farmer 302 Mio t Mais einbringen werden; das wären nur 5 Mio t weniger als 2008. Die Landwirte in der EU-27 werden in diesem Sommer gemäß der Vorhersage des Rates in London insgesamt 285,3 Mio t Getreide dreschen; 2008 war EU-weit die außergewöhnliche Rekordmenge von 313,1 Mio t geerntet worden.

Unterschiedliche Schätzungen für China

Dabei gibt sich der IGC bezüglich der Weizenernte in der Europäischen Union aufgrund der regional aufgetretenen Trockenheit mittlerweile etwas pessimistischer als bei seiner Mai-Schätzung. In der Gemeinschaft sollen dieses Jahr 136,0 Mio t Weizen eingefahren werden; vor einem Monat waren noch 137,4 Mio t für möglich gehalten worden. Die Prognose für Deutschland senkten die Londoner Fachleute dabei um 0,2 Mio t auf 25,3 Mio t; vor einem Jahr waren hierzulande 26 Mio t Weizen gedroschen worden, EU-weit insgesamt mehr als 151 Mio t. Auch in der Ukraine hat der Weizen unter Niederschlagsmangel gelitten; der IGC reduzierte die Ernteerwartung von 19 Mio t auf 18 Mio t. Deutlich verbessert haben sich dagegen die Ertragsaussichten in Russland, wo jetzt mit einer Weizenproduktion von 57 Mio t gerechnet wird gegenüber 55 Mio t im Mai und einer Ernte von 63,7 Mio t im Vorjahr. Für die USA sagt der Getreiderat weiterhin ein Aufkommen von 56 Mio t Weizen voraus; das wären 12 Mio t weniger als im vorigen Jahr. Maßgeblich hierfür sind die Ertragseinbußen in Texas und Oklahoma, wo ausgeprägte Trockenheit und Fröste den Weizen schädigten. Der Drusch des Winterweizens in den USA verlief im Juni schleppend. In Kanada zeichnet sich mit 24,5 Mio t eine um gut 4 Mio t kleinere Weizenerzeugung als 2008 ab. Für China, wo die Ernte wie in den USA ebenfalls gerade in vollem Gang ist, hob der IGC seine Produktionsvorhersage um 2 Mio t auf 110 Mio t an; das wären 2,5 Mio t weniger als im Vorjahr. Ein Marktforschungsunternehmen in China veranschlagte die Ernte kürzlich auf gut 113 Mio t, das Land-wirtschaftsministerium in Peking dagegen auf mehr als 122 Mio t. In Indien sollen die Bauern 77,6 Mio t Weizen eingebracht haben, was im Vergleich zu 2008 eine Abnahme um 1 Mio t bedeuten würde.

Weniger Weizen in den Futtertrog

Der globale Weizenverbrauch wird im Wirtschaftsjahr 2009/10 nach jetziger Einschätzung des Internationalen Getreiderates marginal steigen, nämlich um 700 000 t auf 644,2 Mio t. Ein deutlich niedrigerer Bedarf wird von den Londoner Marktexperten in der Tierfütterung gesehen. Laut ihrer aktuellen Vorhersage wird die Verfütterung von Weizen weltweit um rund 4 Mio t auf 105,3 Mio t abnehmen. Sowohl in der EU als auch in den USA dürfte weniger Weizen in die Futtertröge fließen. Weiter steigen wird aber der Verbrauch von Brotweizen, und zwar um voraussichtlich etwa 5 Mio t auf die Rekordmenge von 451,5 Mio t. Den Bedarf der Industrie veranschlagt der IGC weltweit auf 18,4 Mio t; das wären 2,0 Mio t mehr als 2008/09. Der zusätzliche Bedarf geht ausschließlich auf das Konto der Ethanolhersteller. Eine deutliche Abschwächung erwartet der Getreiderat im Hinblick auf den internationalen Weizenhandel: Das Handelsvolumen soll gegenüber der Rekordmenge in der jetzt zu Ende gehenden Kampagne um 13 Mio t auf 112,1 Mio t sinken. Vor allem für die Länder Nordafrikas und den Iran zeichnet sich ein niedrigerer Importbedarf ab. Die Ausfuhrmenge der fünf traditionell wichtigsten Exporteure - Argentinien, Australien, Kanada, EU und USA - wird für 2009/10 auf 76,5 Mio t veranschlagt; das wären 8,6 Mio t weniger als für 2008/09 geschätzt. Zu den Verlierern werden laut IGC die EU und Argentinien gehören, deren Weizenexport von 23 Mio t auf 16,5 Mio t beziehungsweise von 7,3 Mio t auf nur mehr 4 Mio t zurückgehen soll. Erheblich zurückstecken wird auch der Handel in der Ukraine müssen, deren Auslandsvermarktung sich auf 5,5 Mio t nahezu halbieren soll. Die USA werden dagegen mit voraussichtlich 25,5 Mio t die gleiche Menge Weizen exportieren wie 2008/09, Kanada und Russland jeweils 17,0 Mio t, was eine Steigerung um 1 Mio t sowie eine Abnahme um 0,5 Mio t bedeuten würde.

Kräftiger Abbau der Maisbestände

Erfüllen sich die Vorhersagen des Getreiderates, wäre eine weitere Zunahme der globalen Weizenbestände um gut 8 Mio t auf 167,9 Mio t am Ende der Saison 2009/10 möglich. Zu Beginn der neuen Kampagne befinden sich laut IGC-Schätzung 43,4 Mio t mehr Weizen auf Lager als Anfang 2008/09. Der Maismarkt geht ebenfalls mit weltweit höheren Beständen in das neue Wirtschaftsjahr: Der Getreiderat geht hier von 137,1 Mio t aus; das wären etwa 5 Mio t mehr als zum Start der ablaufenden Kampagne. Für 2009/10 wird aber ein deutlicher Abbau erwartet. Zwar haben die Londoner Fachleute ihre Bedarfsprognose zurückgenommen; es wird jedoch noch ein Anstieg des globalen Maisverbrauchs um rund 11 Mio t auf 788,3 Mio t vorausgesagt. Demnach würde sich das Defizit zur geschätzten Produktionsmenge auf mehr als 20 Mio t belaufen. Verantwortlich dafür werden im Wesentlichen die Ethanolhersteller sein; der Gesamtbedarf der Industrie an Mais soll um rund 12 Mio t auf fast 200 Mio t wachsen. Demgegenüber wird erwartet, dass die Verfütterung von Mais um 0,6 Mio t auf knapp 470 Mio t abnimmt. In den USA soll die Nachfrage der Industrie um fast 8 Mio t auf 131,7 Mio t steigen und damit erstmals höher ausfallen als die der Tierhalter, die um nahezu 4 Mio t auf 131,1 Mio t sinken soll. Die US-Maisbestände werden dem IGC zufolge um fast 15 Mio t auf lediglich noch 25,7 Mio t fallen. In China, dem zweitgrößten Maiserzeuger der Welt, sollen die Bestände nur um etwa 1 Mio t auf 58,5 Mio t sinken. Ihre Prognose für die chinesische Maisproduktion 2009 hoben die Experten in London um 2 Mio t auf 160 Mio t an; im Vorjahr waren in der Volksrepublik 165,5 Mio t Mais erzeugt worden. Die Erwartung für die Maisernte in der EU wurde vom Getreiderat um 0,8 Mio t auf 57,8 Mio t gesenkt; die Ernte 2008 belief sich auf 62,9 Mio t. Ausgehend von einem normalen Vegetationsverlauf wird die brasilianische Maiserzeugung 2009/10 auf 53 Mio t veranschlagt, verglichen mit der diesjährigen Ernte von 49,9 Mio t. (06.07.2009)

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