Home

Frankreich und Deutschland für stärkeres Eingreifen am Milchmarkt

BRÜSSEL. Angeführt von Frankreich und Deutschland drängen insgesamt acht EU-Mitgliedstaaten gemeinsam auf mehr staatliches Eingreifen am Milchmarkt. Das geht aus einem Brief hervor, den Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse A i g n e r , ihre Amtskollegen aus Frankreich und Österreich, Bruno L e M a i r e und Nikolaus B e r l a k o v i c h , sowie die Agrarressortchefs aus fünf kleineren EU-Mitgliedstaaten an EU-Agrarkommissarin Mariann F i s c h e r B o e l gerichtet haben. "Es müssen Überlegungen in Bezug auf die Verstärkung und Anpassung der gegenwärtigen Instrumente angestellt werden, damit diese der jeweiligen Marktsituation besser gerecht werden und Preisschwankungen im Laufe der Zeit abgemildert werden können", heißt es dort zu den von der Kommission gemachten Markteingriffen. Angesichts der zunehmenden Volatilität der Preise müssten diese Maßnahmen dauerhaft, wirkungsvoll und auch flexibler sein. Mit Blick auf die Wettbewerbsstrukturen im Milchsektor fordern die Minister, "die Schaffung kollektiver Strukturen" zu vereinfachen. Diese sollen zu mehr Marktstabilität beitragen und Risiken auf die Grundlage der Gegenseitigkeit stellen. Mit ihrem Schreiben bereiten die acht Minister den Boden für die am 7. September beim nächsten EU-Agrarministerrat bevorstehende Debatte zum Milchmarkt. Dort dürfte die deutsch-französische Initiative auf den Widerstand von marktliberal orientierten Ländern wie Großbritannien, skandinavischen Staaten und den Niederlanden stoßen.

Interventionspreis und Exporterstattungen prüfen
Zu den Unterstützern Deutschlands, Frankreichs und Österreichs gehören bislang Griechenland, Lettland, Litauen, die Slowakei und Slowenien. Damit fehlen auch Länder wie Irland, die mehr Einflussnahme der EU-Kommission auf dem Milchmarkt fordern. Das liegt im Fall Irlands daran, dass der "Brief der acht" sich dafür ausspricht, ein Einfrieren der Milchquotenerhöhung zu prüfen. Das ist aber nicht im Sinne Irlands. Agrarminister Brendan S m i t h schickte daher einen eigenen Forderungskatalog nach Brüssel. Einverstanden ist Smith hingegen sicherlich mit der Forderung Deutschlands und Frankreichs, eine Erhöhung des Interventionspreises sowie eine Aufstockung der Exporterstattungen zu prüfen. Begrüßt wird in dem Schreiben, an dem Aigner beteiligt ist, die Aufstockung der Finanzmittel für Marketingmaßnahmen von Milchprodukten. Hier dürfte für Deutschland aber nichts zu holen sein, denn seit dem Ende der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) fehlt es bislang an interessierten Organisationen, die Absatzfördergeld aus Brüssel für Deutschland einwerben.

Aigner bekennt sich zum Milchquotenausstieg
Die acht der insgesamt 27 EU-Agrarminister kritisieren in ihrem Schreiben an Fischer Boel, dass die im Milchmarktbericht enthaltenen Vorschläge bei weitem noch nicht ausreichten. Die Kommission dürfe ihren Ehrgeiz nicht auf einen Maßnahmenkatalog beschränken, der auf die Verantwortung und die Instrumente der Mitgliedstaaten verweise. "Wir brauchen einen umfassenden Ansatz, der kurzfristige Maßnahmen mit Überlegungen zu einer mittelfristigen Strategie kombiniert, um das Auslaufen der gegenwärtigen Milchquotenregelung zu begleiten", heißt es in dem Schreiben. Damit bekennt sich auch Aigner zum Milchquotenausstieg. Ihre Partei sieht das anders. In einem Wahlaufruf, den die CSU Mitte Juli in Nürnberg beschloss, bekräftigt die Partei ihre Forderung nach einer "preisstabilisierenden Milchmengensteuerung", für die man sich in der laufenden Legislaturperiode des Europaparlaments einsetzen werde.

Palette an Eingriffen
Die bisher wegen der Milchmarktkrise von der EU-Kommission ergriffenen Maßnahmen umfassen neben Exportsubventionen im wesentlichen die staatlichen Ankäufe von Butter und Magermilchpulver, die nach Erreichen der Interventionsobergrenze weiterlaufen und auch im Herbst fortgesetzt werden sollen. Mittlerweile befinden sich mehr als 250 000 t Magermilchpulver und über 82 000 t Butter in den staatlichen Lägern. Darüber hinaus lagern mehr als 117 000 t Butter mit Zuschüssen in privaten Kühlhäusern. Die Beihilfen für die private Lagerhaltung wurden vor kurzem von Mitte August bis Ende Februar 2010 verlängert. Zudem sind bei den Exporterstattungen für Milchprodukte mittlerweile die zuvor notwendigen Mindestpreise für Käse abgeschafft worden. Die Kommission rechnet in ihrem Ende Juli vorgestellten Milchmarktbericht mit Kosten von mehr als 600 Mio Euro für die Marktstützung.

DBV pocht auf weitere Absatzmaßnahmen
Als einen dringend notwendigen Schritt zur wirksamen Entlastung des Milchmarktes wertete der Deutsche Bauernverband (DBV) die Vorschläge der acht Minister. Eine Anhebung der Interventionspreise für Butter und Magermilchpulver rechtzeitig vor dem Listungsgespräch der Molkereien mit dem Lebensmitteleinzelhandel könnte relativ schnell auch eine allgemeine Anhebung der Marktpreise nach sich ziehen, betonte der DBV und begrüßte auch die Forderung nach einer Erhöhung der Exporterstattungen. Diese müssten vor allem Lieferungen in die öl- und rohstoffexportierenden Länder unterstützen. Der EU-Agrarrat sollte am 7. September darüber hinaus weitere Maßnahmen zur Ankurbelung des Absatzes beschließen. Besonders sollten die Beihilfen für Bäckerbutter, Speiseeis und für Sozialhilfeeinrichtungen wieder ermöglicht werden. Auch könne über die Wiedereinführung der Verfütterungsbeihilfe für Milchpulver eine schnelle und nachhaltige Marktentlastung herbeigeführt werden. Ebenso sollten Vorruhestandsregelungen nicht von vornherein ausgeschlossen sein. Vier weitere EU-Mitgliedstaaten unterstützen laut DBV-Angaben den Aufruf der acht Länder, lehnen aber das Einfrieren der Quote ab. Der DBV hatte stets die marktwidrige Erhöhung der Quote im Rahmen des Health Check abgelehnt. AgE
(10.08.2009)

« Vorige | Nächste »

ImpressumDatenschutzerklärungTeamMediadatenKontaktSitemapFehler melden
Diese Seite DruckenVersenden – Bookmarken Artikel in Webnews aufnehmen Artikel in Mister Wong ablegen Artikel in del.icio.us ablegen Artikel in yigg ablegen

© Copyright 2000 – 2012 raiffeisen.com GmbH & Co. KG

Börsenfenstervr.de

Weizen Tendenz: fallend
Mais Tendenz: fallend
Raps Tendenz: steigend
Sojaschr. Tendenz: fallend
Schweine Tendenz: stabil
Kartoffeln Tendenz: stabil
USD/€ Tendenz: fallend

Schlußkurs: 09.02.

Landapp

Agrardepot anlegen

Landapp
Börsen-Newsletter bestellen

Börsenspiel

Spieler
Depotwert
Teilnehmer: 518
Zum Spiel

Mein Wetter Landapp

sonnig, wolkenlos

Frankfurt

Max / Min: -5 / -10°C
Regen: 0mm mehr…

Wetterlage
Hoch 'Dieter' über Nordwestrussland bringt überwiegend trockenes und teils freundliches Wetter nach Deutschland.

Newsletter/Fax


Infos Abmelden

Top-Video

   

Frage der Woche

In welchen Bereichen Ihres Betriebes macht Ihnen der Frost Probleme?


Teilnehmer: 469   

Archiv

App der Woche

Bayer Krankheiten
LandApps Weitere Apps finden Sie unter
LandApps.de
MIt den Krankheiten-Bestimmer aufs Feld