Stimmen gegen Aufgabe der Blauzungen-Impfpflicht mehren sich
BERLIN. Aus dem Bundestag mehren sich die Stimmen gegen die von der Mehrheit der Bundesländer beabsichtigte Aufhebung der Impfpflicht gegen die Blauzungenkrankheit. In der vergangenen Woche sprach auch der agrarpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Michael G o l d m a n n , von einem „Fehler“. Die Erfahrungen in anderen europäischen Ländern zeigten, dass die Blauzungenkrankheit nur dann dauerhaft in den Griff zu bekommen sei, wenn für mindestens drei oder vier Jahre an der Impfpflicht festgehalten werde, mahnte der Liberale. Auch das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) empfehle die Fortsetzung des bisherigen Impfprogramms. Im Interesse der Tiergesundheit sei es zudem nicht hinnehmbar, dass künftig die Impfungen auch durch Nicht-Tierärzte verabreicht werden sollten, sagte Goldmann. Der Bundesrat sollte nach Ansicht des FDP-Politikers seine Haltung überprüfen und den bisherigen Kurs zur Bekämpfung der Blauzungenkrankheit fortsetzen. Die CSU-Bundestagsabgeordneten Marlene M o r t l e r und Dr. Max L e h m e r wiesen darauf hin, dass mit der Impfung von Rindern, Schafen und Ziegen gegen den Virustyp 8 der Blauzungenkrankheit (BTV 8) die Zahl der Neuausbrüche im Jahr 2008 gegenüber 2007 um etwa 85 % habe reduziert werden können. Im diesem Jahr seien bislang nur neun BTV-8-Neuausbrüche festgestellt worden. Unter Verweis auf das FLI warnten auch Mortler und Lehmer, dass die Einstellung der Impfpflicht ein großes Risiko für die Tiergesundheit darstelle und weitreichende ökonomische Folgen mit sich bringen würde. „Wir sind von der Pflichtimpfung aufgrund der Argumente des FLI überzeugt. Nur auf Basis der erzielten Erfolge bei der Bekämpfung ist eine Keimeliminierung möglich“, so Mortler und Lehmer. Sie gaben außerdem zu bedenken, dass eine solche Entscheidung für den Fleischexport ebenfalls ein großes Problem darstelle. Beispielsweise importiere Italien nur geimpfte Tiere. Außerdem müssten die Landwirte darauf hingewiesen werden, dass freiwillige Impfungen selbst zu bezahlen wären. Die Aufgabe der Impfpflicht würde also insgesamt eine Abkehr von einer breit mitgetragenen, erfolgreichen Seuchenbekämpfungsmaßnahme bedeuten, stellten die CSU-Politiker fest. AgE (14.12.2009)
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