EU-Zuckerexport bleibt beschränkt
BRÜSSEL. Die Europäische Kommission hat Forderungen der Zuckerwirtschaft, zusätzliche Zuckermengen aus EU-Produktion auf den Weltmarkt zu lassen, abgelehnt. In der Brüsseler Behörde verwies man vergangene Woche auf die bereits im vergangenen Oktober getroffene Entscheidung, angesichts einer außergewöhnlich guten Ernte die zulässige Exportmenge, die nicht von Ausfuhrerstattungen profitiert, für die laufende Kampagne von 0,65 Mio t auf 1,35 Mio t mehr als zu verdoppeln. Dadurch wird die von der Welthandelsorganisation (WTO) vorgegebene Schwelle von 1,37 Mio t annähernd ausgeschöpft. Der Zugang zum Welt-Zuckermarkt ist für EU-Ware auch ohne Exporterstattungen beschränkt, weil die WTO grundsätzlich sämtlichen EU-Zucker als subventioniert und damit potentiell handelsverzerrend betrachtet. Mit einer Überschreitung der Obergrenze würde die EU gegen internationale Verpflichtungen verstoßen, hieß es. Kommissionsmitarbeiter räumten ein, dass der Weltmarktpreis auf Rekordniveau liege und sich für 2009/10 ein globales Zuckerdefizit abzeichne. Die internationalen Bestände seien aber ausreichend, um die Lücke zu füllen. Ferner erwarteten Handelsexperten eine weniger angespannte Situation für 2010/11; sogar ein leichter Überschuss sei möglich. Die Weltmarktpreise für Weißzucker bewegten sich zwar seit einiger Zeit oberhalb des EU-Referenzpreises von 404,40 Euro/t, lägen aber nach wie vor unter dem zwischen Juni und September beobachteten EU-Mittel von 550 Euro/t bis 560 Euro/t. An der Londoner Warenterminbörse LIFFE schloss der Märzkontrakt für Weißzucker am vergangenen Donnerstag bei 732,30 $/t (500,60 Euro/t).
Einschränkung der Anbaufläche möglich
Industrievertreter beharrten gegenüber dem Presse- und Informationsdienst AGRA-EUROPE darauf, dass ein „Nein“ nicht das letzte Wort der Kommission sein könne. Die Zuckerwirtschaft steht auf dem Standpunkt, EU-Erzeuger sollten einen defizitären Weltmarkt ohne physische Reserven auch über die WTO-Schwelle hinaus bedienen können. Die Unterdeckung des Weltmarkts wird auf 5 Mio t bis 6 Mio t veranschlagt. Angesichts der guten EU-Ernte rechnet man vor diesem Hintergrund mit zusätzlichen Exportmöglichkeiten von 0,7 Mio t bis 1 Mio t beziehungsweise einem Umsatzpotential von mehreren hundert Millionen Euro. Laut Schätzungen der Kommission beläuft sich die EU-Zuckerproduktion im Wirtschaftsjahr 2009/10 einschließlich des Übertrags vom Vorjahr auf 16,9 Mio t. Das wären 3,8 Mio t mehr als unter der Quote erzeugt werden darf; ein Jahr zuvor betrug der Überschuss lediglich 2,9 Mio t. Seitens der Industrie wird deshalb die Einschränkung der Anbaufläche 2010/11 und damit eine weitere Verringerung der EU-Zuckerproduktion befürchtet. Als Nebeneffekt könne dies in anderen Bereichen zu zusätzlichem Preisdruck führen - je nachdem, auf welche Kulturen die Landwirte auswichen. Ferner wurde das Argument aufgeworfen, dass eine Entlastung der angespannten Weltmarktlage durch EU-Lieferungen auch zuckerimportierenden Entwicklungsländern zugute komme. AgE
(13.01.2010)
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