Schweinepreise 2009 deutlich gesunken
DAMME. Die Schlachtschweinepreise sind in der Europäischen Union 2009 deutlich hinter dem Niveau des Vorjahres zurückgeblieben. Darauf hat die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) vergangene Woche hingewiesen. Gemäß ihren Berechnungen lagen die Preise in Spanien, Deutschland, Polen, den Niederlanden, Frankreich und Dänemark, den sechs größten Schweinefleischerzeugern in der Gemeinschaft, im Jahresvergleich um 6 Cent bis gut 16 Cent beziehungsweise 4 % bis 11 % niedriger. In diesen sechs Ländern wurden 2009 rund zwei Drittel aller Schweine in der EU gehalten. Im vorigen Jahr fiel das Preishoch in den Sommermonaten nach Angaben der ISN um etwa 10 Cent geringer aus als 2008. Der Durchschnittspreis in den sechs EU-Ländern belief sich 2009 auf 1,36 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht (SG); im Jahr davor waren es 1,47 Euro/kg SG gewesen. Zwar habe der Rückgang der Futterkosten die Schweinehalter etwas entlastet; jedoch habe dies die Preiseinbußen kaum kompensiert, erklärte die Interessengemeinschaft. Die Differenzen der ausländischen Notierungen zur deutschen korrigierten Notierung hätten sich im Vergleich zu 2008 halbiert. Eine Ausnahme bilde Spanien, dort habe sich der Abstand zu Deutschland deutlich vergrößert, und zwar um 8,5 Cent. Allerdings habe Spanien unter den Vergleichsländern mit 4 % die moderateste Preisverschlechterung verzeichnet. Die deutsche Notierung bewegte sich 2009 laut ISN auf Platz zwei in der Preisskala. Mit einem Minus von 14,5 Cent oder 10 % gegenüber 2008 sei das Niveau hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der Auszahlungspreis pro Mastschwein sei bei einem Durchschnittsgewicht der Schlachttiere von etwa 94 kg um mehr als 13 Euro gesunken.
Spanien wieder vorn
Wie die ISN weiter feststellte, hatte sich Polen im Jahr 2008 beim Schweinepreisvergleich noch auf den ersten Platz katapultiert. Im vergangenen Jahr habe Spanien seine europäische Spitzenposition jedoch wieder zurückerobern können und Deutschland sowie Polen auf den zweiten und dritten Platz verwiesen. Die deutsche und die polnische Notierung lagen 2009 laut ISN mit einem Unterschied von nur 0,4 Cent sehr dicht beieinander. Der polnische Zloty habe im Vergleich zum Euro wegen der Finanzmarktkrise im vergangenen Jahr 20 % an Wert verloren. Damit erkläre sich auch die Verschiebung in der Preisskala auf den dritten Platz: Die polnische Notierung habe mit einem Minus von 11 % am kräftigsten verloren. Während Polen in den ersten Wochen des vergangenen Jahres noch die Nase bei diesem Schweinepreisvergleich vorn gehabt habe, habe anschließend die Aufholjagd Spaniens begonnen. Die korrigierte spanische Notierung sei an der polnischen vorbeigezogen und bis in den Herbst hinein mit deutlichem Abstand vorn geblieben. Im Herbst sei dann die spanische Notierung stärker als die übrigen fünf Notierungen gesunken. Der landestypische, saisonale Rückgang sei aber nicht so groß wie in den Vorjahren ausgefallen, in denen Spanien häufig das europäische Schlusslicht gebildet habe.
Deutschland nach wie vor Leitmarkt
Deutschland gibt nach Darstellung der ISN weiter die Leitnotierung in Europa vor. Wie schon in den Vorjahren habe sich insbesondere die niederländische Notierung am deutschen Niveau orientiert. Die korrigierte Notierung der Niederlande bewege sich nach wie vor um etwa 2 Cent unter der deutschen. Dadurch könnten die Schlachtunternehmen in dem Nachbarland die Auslastung ihrer Schlachthaken sichern und den Export von Schlachtschweinen nach Deutschland in Grenzen halten. Die französische Notierung habe sich 2009 wie im Vorjahr mit dem fünften Rang begnügen müssen, führte die ISN aus. Im Jahresverlauf sei deutlich geworden, dass insbesondere Frankreich und Dänemark in der sommerlichen Hochpreisphase das Nachsehen gehabt hätten. Dort habe man nur begrenzt vom Nachfrageboom profitieren können. Von Anfang September bis Mitte Dezember 2009 sei Frankreich sogar Schlusslicht im europäischen Preisgefüge gewesen. Dänemark sei dies traditionell in der übrigen Zeit. Die korrigierte dänische Notierung habe um 7,6 Cent niedriger gelegen als die deutsche und um 16,9 Cent niedriger als die spanische. Der Erlös pro Mastschwein sei 2009 in Dänemark um fast 16 Euro geringer ausgefallen als in Spanien. Der Abstand zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Preisniveau habe sich gegenüber 2008 nochmals vergrößert. Der starke Einfluss des dänischen Schlachtkonzerns Danish Crown auf die Erzeugerpreise bleibe unumstritten, denn der Wechselkurs zwischen dänischer Krone und Euro sei stabil geblieben.
Selbstversorgungsgrad von 110 Prozent
Zur Entwicklung des heimischen Schlachtschweinemarktes im neuen Kalenderjahr erklärte die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, dass dieser 2010 voraussichtlich einen Selbstversorgungsgrad von 110 % erreichen und damit stärker denn je auf den Export angewiesen sein werde. EU-weit werde in diesem Jahr mit einer Schweinefleischproduktion auf hohem Niveau gerechnet, stellte die ISN weiter fest. Insofern sei Deutschland als Nettoexporteur von Schweinefleisch auf Ausfuhren nach Drittstaaten angewiesen. Die Exporte nach Russland dürften im Januar voraussichtlich zwar geringer als in den Vormonaten ausfallen; ab Februar werde jedoch wieder mit einem Anstieg auf das bisherige Niveau gerechnet. In Russland könne der gewachsene Konsum an Schweinefleisch wahrscheinlich nicht durch die eigene Produktion gedeckt werden. AgE
(22.01.2010)
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