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WESTFLEISCH errechnet erstmals „CO2-Fußabdruck“ für Schweinefleischproduktion

Verbraucher können zukünftig erfahren, wie viel CO2-Belastung entstanden ist, bis das Schnitzel oder die Bratwurst in den Einkaufskorb wandert. Diese Kennziffer erweckt in Zeiten des Klimawandels als Argument bei aufgeklärten Konsumenten zunehmend mehr Interesse und gehört bei einer steigenden Anzahl von Produkten zu den Auswahlkriterien.

Nachhaltigkeit ist für die Westfleisch eG, dem drittgrößten Fleischvermarkter in Deutschland, keine Modewort, sondern gelebtes Leitbild aus Verantwortung gegenüber der Umwelt, der Gesellschaft, den Kunden und den Mitarbeitern. Ihr Rechnung zu tragen, hat sich die Genossenschaft schon seit längerem auf die Fahnen geschrieben, z.B. mit der durch die SGS auditierten „Qualitätspartnerschaft Westfleisch“. Darin werden neben klar überprüfbaren Standards für die Qualität auch Umwelt- und Tierschutz sowie soziale Aspekte, wie z.B. ein Mindestlohn, mit den Geschäftspartnern vereinbart.

Am Freitag vergangener Woche hat Westfleisch als erstes deutsches Fleischunternehmen darüber hinaus als Teilbereich eines zukünftig umfassenden Nachhaltigkeitsberichtes und im Rahmen einer Ökobilanz eine systematische CO2-Bilanz, den sogenannten Carbon Footprint, für die gesamte Schweinefleischproduktion abschließend fertiggestellt. Darin werden alle Treibhausgase der Schweineproduktion von der Erzeugung der Ferkel, der Mast der Schlachtschweine bis zum Fleischverkauf nachvollziehbar und überprüfbar erfasst und ausgewertet. Betrachtet wurden dabei die fünf Fleischcenter-Standorte des Unternehmens, vor allem aber die westfälischen Landwirte mit ihrem heimischen Futterbau und ihrer Schweinehaltung.

Erstmals gesamte Erzeugungskette betrachtet
Basis dieser umfassenden CO2-Bilanz ist die DIN ISO 14040. Sie legt fest, wie die systematische Analyse von Umweltwirkungen von geschlossenen Produktionsprozessen zu erfolgen hat. Die Ermittlung der Daten erstreckt sich dabei auf den gesamten Lebensweg eines Produktes. Westfleisch hat sich für die Erarbeitung der Ökobilanz die Expertise der BASF SE aus Ludwigshafen gesichert, die mit bereits über 400 Ökoeffizienz-Analysen einen großen Erfahrungsschatz mitbringt.

Westfleisch konnte sich auch auf die Zuar­beit von Experten der Landwirtschaftskammer NRW sowie der AGRAVIS AG aus Münster als Futtermittelher­steller stützen. Beide trugen umfangreiches Datenmaterial zur Beurteilung der Schweinefleischerzeugung bzgl. der Futterzusammensetzung und -beschaffung, aber auch Produktionsdaten zu Aufzucht und Mast der Schweine beim Landwirt bei. Ergebnisse neutral auditiert

Zu unterscheiden war dabei nach den direkten Emissionen der eigenen Unternehmensstandorte (dem sogenannten „Scope 1“) und den indirekten Emissionen („Scopes 2 und 3“) aus vor- und nachgelagerten Bereichen wie der Schweinemast oder der Fleischverarbeitung, dem Transport bis zur Fleischtheke oder der Entsorgung von Restmüll, Abfallstoffen und Verpackungsmaterialien.

Westfleisch hat auf über 50 verschiedenen Erhebungsbögen Originaldaten pro Standort erfasst. Die regionale Datenbasis wurde mit Hilfe von verfügbaren Datenbanken eingeordnet und in Berechnungsmodelle der Ökoeffizienz-Aanalyse-Gruppe der BASF SE eingesetzt. Das erarbeitete Ergebnis wurde Mitte Januar mit einem externen Prüfbericht durch die renommierte SGS gewürdigt und gilt seitdem in der Ökobilanz als „third party audited“.

Die Carbon Footprints zeigen, dass Westfleisch jährlich insgesamt 1,83 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente in der Schweinefleischproduktion emittiert. Der Anteil der Tierproduktion, also Aufzucht und Mast, bildet dabei im Vergleich zu den Produktionsschritten im Schlacht- und Zerlegebetrieb den entscheidenden Einfluss der landwirtschaftlichen Produktion ab.

Der Carbon Footprint je Kilogramm erzeugtem Schweinefleisch liegt bei Westfleisch bei 3,2 Kilogramm CO2-Äquivalent.

Im Vergleich mit anderen Produkten zeigt sich: Die Herstellung von 1 kg Schweinefleisch bei Westfleisch belastet die Umwelt in etwa so stark wie der Konsum von 40 Tassen Kaffee, 35 Stunden Fernsehen (mittlere Bildschirmgröße) oder 20 Kilometer Autofahrt mit einem Mittelklassewagen. Damit wird die Fahrt des Endverbrauchers - ob mit Auto oder z. B. dem Fahrrad - bei einer Entfernung von gut 10 km zum nächsten Supermarkt mit einem gut sortierten Frischfleischangebot die vielleicht wichtigste Verhaltensentscheidung beim Einkauf einer Fleischportion für eine mehrköpfige Familie.

Genaues Hinsehen liefert Ansätze für Verbesserungen
Für Westfleisch ist der Carbon Footprint elementarer Bestandteil eines umfassenden Nachhaltigkeitsberichtes nach den Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI). Auf diese Weise werden nachprüfbar Status Quo, Defizite, aber auch Verbesserungen in Sachen Umweltschutz, Sozialstandards und gesellschaftlicher Verantwortung belegt. So zeigt die Analyse auch, dass sich beispielsweise Strom- und Erdgasverbräuche weiter vermindern lassen, Schlachtabfälle besser zu nutzen sind, oder das Verpackungsmaterial weiter optimiert werden kann. Westfleisch möchte durch die Qualitätspartnerschaft mit den Landwirten die Emissionen auf den landwirtschaftlichen Betrieben weiter optimieren.

„Unser Ziel ist eine standardisierte und damit für unsere Kunden und den Handel nachvollziehbare Darstellung der ökonomischen, ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Leistung von Westfleisch“, hatte Dr. Helfried Giesen, geschäftsführender Vorstand der Westfleisch eG, im Herbst bereits auf der ANUGA angekündigt. Ein erster großer Schritt ist damit getan.

Im Rahmen des Geschäftsberichtes 2009 der Unternehmensgruppe wird Mitte 2010 erstmals ein umfassender Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Konsequenzen daraus werden im Mittelpunkt vieler Kundengespräche im laufenden Jahr stehen.

„Fleisch gehört zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung“ erklärte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner anlässlich der Grünen Woche 2010. Westfleisch will daher einen argumentativen Beitrag in der aktuellen Klimaschutzdebatte leisten. (02.02.2010)

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