Forscher sehen Biogas-Einspeisung deutlich unter staatlichen Zielen
Potential in Höhe von 7 Milliarden Kubikmetern bis 2030 errechnet - Dagegen hat die Bundesregierung eine Zielmarke von 10 Milliarden Kubikmetern gesetzt - Hemmnisse zu überwinden - Abschlussbericht zum Verbundprojekt „Biogaseinspeisung“ vorgelegt
OBERHAUSEN. Das jährliche Einspeisepotential von Biogas ins deutsche Erdgasnetz liegt 2020 bei knapp 4 Mrd cbm und 2030 bei ungefähr 7 Mrd cbm. Das geht aus dem Abschlussbericht des Verbundprojektes „Biogaseinspeisung“ hervor, den das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in der vergangenen Woche vorgestellt hat. Danach können mit der Einspeisung im Jahr 2020 Emissionsminderungen in Höhe von 6 Mio t bis 17 Mio t CO2-Äquivalenten realisiert werden, je nach gewähltem Nutzungspfad, etwa Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), Fahrzeugkraftstoff oder Wärmeerzeugung. Für das Jahr 2030 erwarten die Forscher von dieser Art der Biogasnutzung potentielle Emissionsreduktionen in Höhe von knapp 10 Mio t bis 30 Mio t CO2-Äquivalenten. Voraussetzung dafür ist Institutsangaben zufolge die Verwertung von Wirtschaftsdüngern als Substrat in Biogasanlagen. Ansonsten reduziert sich die erzeugbare Menge Biogas bis 2030 auf 6,4 Mrd cbm. Mit dem errechneten Einspeisepotential bleiben die Resultate der Forscher deutlich hinter den Zielen der Bundesregierung zurück, die sich das Ziel gesetzt hat, 6 Mrd cbm Biogas bis 2020 und zehn Jahre später rund 10 Mrd cbm ins Gasnetz einspeisen zu lassen. Hierfür wurden im April 2008 die Gasnetzzugangsverordnung novelliert und die Bedingungen für die Biogaseinspeisung verbessert.
Ernten an Niederrhein und in der Altmark herangezogen
Für die Berechnung des jährlichen Einspeisepotentials wurde UMSICHT zufolge eine georeferenzierte Datenbank (GIS) entwickelt. Damit hätten die Forscher die Biomasseerträge auf Basis real existierender Flächen in zwei Projektregionen in der Altmark und am Niederrhein ermittelt, erläuterte das Institut. Die Transportberechnungen habe man auf aktuellen routingfähigen Daten durchgeführt. Die Biogasmengen, die zur Einspeisung bereitstünden, seien in Abhängigkeit von der Biogasmodellanlage, dem Standort und dem dort verfügbaren Potential berechnet worden. Randbedingungen dafür seien zum Beispiel maximale Transportradien für Mais und Wirtschaftsdünger von 25 km beziehungsweise 5 km sowie maximale Gaseinspeiseentfernungen von 10 km gewesen, heißt es in dem Bericht. Außerdem seien alle landwirtschaftlichen Flächen aus dem Flächenpool, dem sämtliche transportwürdigen Marktfrüchte angehörten, mit Mais belegt worden. Darüber hinaus habe man für die Ermittlung des Biogaseinspeisepotentials einen Grenzkostenansatz von 10 Cent/kWh frei Einspeisestelle unterstellt. Damit seien Anlagen, die zu noch höheren Kosten produzierten, nicht mehr berücksichtigt worden. Schließlich lägen der Analyse die Nachhaltigkeitskriterien aus der Leitstudie „Ausbaustrategie Erneuerbare Energien“ zugrunde, die das Bundesumweltministerium im Jahr 2007 veröffentlicht hat.
Substratversorgung absichern
Die Autoren kommen ferner zu dem Ergebnis, dass infrastrukturelle, technische, rechtliche oder ökonomische Hemmnisse bei der Erschließung des deutschlandweiten Biogaspotentials nicht existieren beziehungsweise durch eine sorgfältige Planung zu überwinden sind. Beispielsweise seien für den wirtschaftlichen Erfolg einer Biomethaneinspeiseanlage „dauerhaft moderate Substratpreise“ notwendig, schreiben die Wissenschaftler. Daher sollte auf partnerschaftliche Modelle zur Absicherung der Substratversorgung mit den Lieferanten gesetzt werden. Das Vorhaben wurde durch das Bundesforschungsministerium gefördert und zusammen mit der Alta4 Geoinformatik AG in Trier, der E.ON Ruhrgas AG, dem Leipziger Institut für Energetik und Umwelt, dem Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie sowie den Hochschulen Magdeburg und Bochum durchgeführt. (www.biogaseinspeisung.de) AgE (23.02.2010)
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