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Weltweite Mais- und Weizenbestände größer als bisher erwartet

WASHINGTON/CHICAGO. Die Baisse an den internationalen Getreideterminmärkten hält an. Die an der Leitbörse in Chicago seit Jahresbeginn tendenziell rückläufigen Notierungen gerieten nach der Veröffentlichung des März-Berichts vom US-Landwirtschaftsministerium zur weltweiten Getreidebilanz weiter unter Druck. Händler werteten den Report als „bearish“. Der vordere Futterweizenkontrakt zur Abrechnung noch in diesem Monat kostete in Chicago am Mittwoch zum Handelsschluss knapp 4,71 $/bu (127 Euro/t); dies bedeutete ein Minus von fast 7 % binnen fünf Handelstagen. Auch der Maiskomplex blieb in der US-Metropole unter Druck: Für den betreffenden März-Future waren am Mittwoch mit etwa 3,56 $/bu (103 Euro/t) gut 5 % weniger anzulegen als eine Woche zuvor. Das Washingtoner Agrarressort korrigierte in seinem aktuellen Bericht die weltweite Produktion für Mais deutlich und für Weizen leicht nach oben. Die Schätzung der Weizenerzeugung 2009/10 wurde gegenüber Februar um 0,6 Mio t auf 678,0 Mio t angehoben, womit die vorjährige Spitzenernte nur um knapp 5 Mio t oder 0,7 % verfehlt worden wäre. Beim Mais gehen die US-Fachleute jetzt von einem Rekordaufkommen von 803,7 Mio t aus, gegenüber 794,5 Mio t in der vorherigen Saison. Entsprechend angepasst wurde die Vorhersage zu den Maisbeständen, die bei weitem nicht so stark abgebaut werden dürften wie bisher angenommen: Statt 134,0 Mio t werden nun 140,2 Mio t Mais erwartet; zum Saisonstart waren es 146,4 Mio t. Dazu gesellen sich sehr umfangreiche Weizenvorräte: Das US-Ministerium rechnet hier mit einer Zunahme um gut 31 Mio t auf fast 197 Mio t; das wäre der höchste Stand seit 2001/02. Zu Buche schlug, dass die Schätzung der Anfangsbestände hier um 1,5 Mio t angehoben wurde. In nur zwei Jahren hat sich demnach beim Weizen die Relation von Beständen zu Verbrauch von knapp 20 % auf mehr als 30 % verbessert.

Marktanteilsverluste der USA beim Weizen
Einen kräftigen Aufbau der Weizenbestände erwartet das US-Agrarministerium unter anderem für das eigene Land, wo eine eher schwache Inlandsnachfrage und ein gleichzeitig sehr schleppender Exportverlauf den Markt belasten. Kalkuliert wird für das laufende Wirtschaftsjahr gegenwärtig mit einem Anstieg der Lagermengen um 9,4 Mio t auf 27,2 Mio t; das wäre die größte Menge seit 1987/88. Dabei rechnen die Washingtoner Fachleute mit einem Rückgang des heimischen Weizenverbrauchs im Vergleich zu 2008/09 um 2,7 Mio t auf 31,6 Mio t. Noch stärker wird allerdings die voraussichtliche Abnahme der Ausfuhren um 4,8 Mio t auf 22,5 Mio t zu Buche schlagen. Die Aufwertung des Dollar macht den US-Weizenexporteuren schwer zu schaffen; bei den Ausschreibungen der Importländer konnten sie zuletzt vielfach nicht mehr mithalten. Bei einem voraussichtlichen globalen Gesamtexport von 125,6 Mio t Weizen wird der Marktanteil der USA laut der Schätzung des Washingtoner Agrarressorts auf weniger als 18 % sinken. Im Haussejahr 2007/08 setzten die Vereinigten Staaten 34,3 Mio t Weizen im Ausland ab, was damals einem Marktanteil von mehr als 29 % entsprach. Seither hat vor allem Russland seine Position als Weizenanbieter gefestigt. Für die frühere Sowjetrepublik sagen die US-Marktexperten weiterhin eine nur leichte Abnahme der Exporte um 400 000 t auf 18,0 Mio t in dieser Saison voraus. Beim jüngsten Tender Ägyptens erhielten auch wieder 60 000 t russischen Weizens den Zuschlag. Angesichts der erneut hohen Erntemenge von 61,7 Mio t sollen aber auch in Russland die Bestände weiter wachsen, nämlich um 2,7 Mio t auf 13,2 Mio t. Für die EU-27 wird dagegen ein Abbau der Lagermengen um 1,4 Mio t auf etwa 17 Mio t erwartet. Dabei wird nach wie vor mit einem Export von 19 Mio t Weizen aus der EU gerechnet, verglichen mit 25,3 Mio t im Vorjahr.

Vom Ethanol getriebener Maismarkt
Auch beim Mais geht das US-Landwirtschaftsministerium von einer deutlichen Abnahme der Bestände in der EU-27 im Verlauf des aktuellen Wirtschaftsjahres aus, nachdem die Produktion mit 55,8 Mio t deutlich unter dem Rekordniveau von 2008/09 geblieben ist. Der Maisverbrauch soll in der Gemeinschaft um 2 Mio t auf 60 Mio t zurückgehen. Für die USA selbst erwarten die Fachleute in Washington dagegen nach wie vor eine deutliche Steigerung des Maisbedarfs um gut 23 Mio t auf mehr als 282 Mio t, die auf das Konto der Bioethanolindustrie geht. Weltweit dürfte nach der aktuellen Prognose des US-Landwirtschaftsministeriums die Rekordmenge von fast 810 Mio t verbraucht werden; das wären 32,5 Mio t beziehungsweise gut 4 % mehr als 2008/09. Gegenüber 2005/06 beträgt der Bedarfszuwachs mehr als 100 Mio t, wovon rund 70 Mio t allein auf die Bioethanolherstellung entfallen. Zum Vergleich: Der weltweite Weizenbedarf soll im aktuellen Wirtschaftsjahr um 24 Mio t über dem Niveau von 2005/06 liegen. Im internationalen Handel spielt der Mais aber nur die zweite Geige: Für die aktuelle Kampagne rechnet das US-Agrarressort jetzt mit Maisexporten von 85,1 Mio t, was gemessen an der Vorjahresmenge eine Zunahme um 1,6 Mio t bedeuten würde. Deutlich verschlechtert haben sich zuletzt aufgrund einer unerwartet starken argentinischen Konkurrenz allerdings die Ausfuhraussichten für die USA; das Ministerium nahm deshalb seine Prognose für den Maisexport des eigenen Landes um 2 Mio t auf 48 Mio t zurück, womit das Ergebnis von 2008/09 wiederholt würde. Dagegen wurde die Exportschätzung für Argentinien erneut kräftig angehoben, und zwar um 2,5 Mio t auf 12 Mio t. AgE Umrechnungskurs: 1 $ = 0,7322 Euro (19.03.2010)

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