Amflora ausgepflanzt
BERLIN. In Bütow bei Waren in Mecklenburg-Vorpommern ist vergangene Woche die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora aus dem Hause BASF auf rund 15 ha Ackerland ausgepflanzt worden. Wie eine Unternehmenssprecherin erklärte, dient der Anbau der Vermehrung der Industriekartoffel, die reine Amylopektinstärke bildet, welche für technische Anwendungen wie insbesondere für die Papierherstellung vorteilhaft ist. Ebenfalls zu Vermehrungszwecken sollten im Mai in Schweden rund 80 ha ausgepflanzt werden. Auf rund 150 ha sei in Tschechien der Anbau von Amflora geplant, und zwar für die Verwendung in Stärkefabriken. Bei den Oppositionsparteien im Bundestag sowie bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) stieß die Pflanzung der Gentechnikknolle erwartungsgemäß auf Kritik. „Die EU-Kommission hat Amflora Anfang März eine europaweite Anbauzulassung erteilt, obwohl sie Resistenzgene gegen Antibiotika enthält, es nur mangelhafte Fütterungsstudien gibt und Umweltverträglichkeitsprüfungen fehlen“, meinte Annemarie Volling von der AbL. Die ablehnenden Signale der Stärkeindustrie und der Verarbeitungsunternehmen seien eindeutig. Es gebe keinen Bedarf für Amflora. Für die BASF sei die Anbauzulassung ihrer Kartoffel ein Türöffner. Das Unternehmen habe bereits angekündigt, weitere gentechnisch veränderte Kartoffeln in den Zulassungsprozess zu bringen. Für die AbL gehört Amflora auf die Tagesordnung der Agrarministerkonferenz, die in dieser Woche im schleswig-holsteinischen Plön stattfindet.
Anbauregeln vermisst
Als Skandal bezeichnete die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Elvira Drobinski-Weiss, fehlende konkrete Anbauregelungen für die Kartoffel. Viel zu groß sei das Risiko, dass solche Kartoffeln in die Lebensmittelkette gerieten, unterstrich Drobinski-Weiss. Mehrere politische Fehlentscheidungen im Zusammenhang mit Amflora sieht der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling. Er kritisierte die EU-Kommission ebenso wie Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die auf der einen Seite den Anbau von Gentechnikmais verbiete, auf der anderen Seite aber zum Anbau der Gentechnikkartoffel schweige. Häusling befürchtet Zusatzkosten für die Wirtschaftsbeteiligten, denn durch den Anbau und die Verarbeitung kämen neue Lasten auf die Kartoffelbranche zu. Um zu gewährleisten, dass die angelieferten Kartoffeln nicht verunreinigt seien, müsse in Zukunft auf Gentechnikverunreinigungen getestet werden. AgE
(27.04.2010)
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