EU stellt mögliche Nachfolgeregelung für TSE-Roadmap vor
VDF, 23.07.2010 - Die Europäische Kommission billigte am 16.07.2010 den
Vorschlag eines Strategiepapiers für die Bekämpfung der TSE im Zeitraum von 2010
bis 2015. Diese sog. „Roadmap 2“ (deutscher Titel: „Zweiter Fahrplan für die
TSE-Bekämpfung“) stellt Überlegungen dazu an, wie die mittelfristigen
TSE-Bekämpfungsvorschriften aussehen sollten, nachdem sich in der ganzen EU die
tiergesundheitliche Lage in Bezug auf TSE signifikant gebessert hat. Das Papier
unterstreicht vorneweg, dass bei jeglicher Änderung das hohe Niveau des
Gesundheitsschutzes für Mensch und Tier sowie der Lebensmittelsicherheit
erhalten bleiben muss und dass die Änderungen auf fundierten wissenschaftlichen
Erkenntnissen beruhen müssen.
Die neue Roadmap, die ein entsprechendes Papier aus 2005 ablösen soll, stellt
sechs Bereiche, in denen die derzeitigen TSE-Maßnahmen geändert werden könnten,
zur öffentlichen Diskussion:
Spezifiziertes Risikomaterial: Die SRM-Liste der EU könnte an die
internationalen Normen der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) angepasst
werden.
Verfütterungsverbot: Es könnte ein gewisser Toleranzwert für verarbeitete
tierische Proteine eingeführt werden. Die Vorschriften, nach denen die
Verfütterung bestimmter verarbeiteter tierischer Proteine an Tiere wie Schweine,
Geflügel und Fische (d.h. Nicht-Wiederkäuer) verboten ist, könnten aufgehoben
werden, nicht aber das bestehende Verbot der Verfütterung an ein und dieselbe
Tierart (z. B. dürften Tiermehl von Geflügel an Schweine und Tiermehl von
Schweinen an Geflügel verfüttert werden, nicht aber Tiermehl von Schweinen an
Schweine).
Überwachung: Die Überwachung könnte durch die schrittweise Anhebung der
Altersgrenzen für Tests oder durch verschiedene Testverfahren gezielter
gestaltet werden.
Maßnahmen zur Tilgung von Scrapie: Diese könnten mit den neuesten
wissenschaftlichen Erkenntnissen in Einklang gebracht werden, was unter anderem
bedeuten könnte, dass die Maßnahmen gegen atypische Scrapie angepasst werden.
Voraussetzung ist allerdings der Nachweis, dass dieser Scrapie-Stamm nicht
ansteckend ist. Außerdem könnte die genetische Eindämmung der Seuche bei Schafen
durch spezielle Zuchtprogramme weiter gefördert werden.
Kohortenkeulung: Da die Anzahl der BSE-positiven Tiere 2009 auf Null gesunken
ist, könnte die systematische Kohortenkeulung beendet werden. Die Tiere könnten
für den Verzehr freigegeben werden, vorausgesetzt, sie werden mit negativem
Ergebnis getestet, bevor sie in die Lebensmittelkette gelangen.
Schlachttier- und Schlachtkörpertests: Wenn Schlachttiertests verfügbar werden,
könnten die Tests an lebenden Tieren durchgeführt werden. Dies wäre insbesondere
für die Zwecke der Bestandszertifizierung bei kleinen Wiederkäuern sinnvoll. (06.08.2010)
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