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Agrarverbände zahlen Belohnung für Ergreifen der Hähnchenstall-Brandstifter

HARBURG/BERLIN/HANNOVER. Zwischen radikalen Tierschützern und der klassischen Landwirtschaft ist nach dem Brandanschlag auf einen fast fertiggestellten neuen Hähnchenstall mit 30 000 Mastplätzen in Sprötze im Landkreis Harburg eine tiefe Kluft aufgebrochen. Für die Ermittler der Polizei steht fest, dass der Neubau einer Brandstiftung zum Opfer fiel, denn Brandbeschleuniger wurden an mehreren Stellen der Halle nachgewiesen. Eine heiße Spur gebe es bislang nicht, die Ermittlungen liefen in alle Richtungen, teilte die Polizei mit. Gegen die Mastanlage, mit der sich ein Junglandwirt eine Existenz aufbauen wollte, hatte es in den vergangenen Monaten Proteste und eine Mahnwache von radikalen Tierschützern gegeben. Für Hinweise, die zur Verurteilung des oder der Täter führen, wurde am vergangenen Donnerstag eine Belohnung von 21 000 Euro ausgelobt, die zu jeweils rund einem Viertel von der Polizeidirektion Lüneburg sowie vom Kreisverband Lüneburger Heide des niedersächsischen Landvolkes stammt. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) steuert 10 000 Euro bei. Die bisherigen Ermittlungen brachten laut Angaben der Polizeiinspektion Harburg bis zum Freitag vergangener Woche keine konkreten Hinweise auf die Täter.

Neue Dimension erreicht
Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) sieht durch den Brandanschlag „eindeutig die Grenze einer sachlichen Auseinandersetzung überschritten“. Einem jungen Landwirt sei die Existenzgrundlage genommen worden, betonte ZDG-Präsident Gerhard W a g n e r . Die polizeilichen Ermittlungen würden klären, inwieweit militante Tierschützer an dem Anschlag beteiligt gewesen seien. „Wir beobachten seit langem eine immer unsachlicher werdende Diskussion zum Thema Hähnchenhaltung“, beklagte Wagner. Klar sei, dass mit einer solchen Brandstiftung eine neue Dimension erreicht sei, die mit Tierschutz nichts mehr zu tun habe. Tierschutz sei in der Hähnchenhaltung in Deutschland von großer Bedeutung. Im europäischen Vergleich nehme Deutschland eine Vorreiterrolle ein. Mit der Aufnahme der Hähnchenhaltung in die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung im Juni 2009 seien die Vorgaben zur Hähnchenaufzucht in Deutschland schärfer umgesetzt worden als in der EU-Richtlinie vorgesehen. Ähnlich äußerte sich der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Dr. Helmut B o r n : „Gerade wegen dieser hohen Tierschutzanforderungen können wir jeden neu gebauten Hähnchenstall hier in Deutschland und die damit geschaffenen Arbeitsplätze nur begrüßen.“

Fleischbedarf decken
Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Astrid G r o t e l ü s c h e n bekannte sich ebenfalls zum weiteren Ausbau der Geflügelhaltung im Nordwesten. „Es gibt einen Bedarf an Fleisch, der von unseren Landwirten auf hohem Qualitätsniveau bedient wird. Es ist richtig, weitere Ställe zu bauen“, betonte die CDU-Politikerin gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen. Sie sieht viele Anzeichen dafür, dass der Protest gegen Mastanlagen radikaler wird. Dabei verwies sie auf Protest im Internet. Den Brand bei Harburg bezeichnete sie als Katastrophe. Es wäre furchtbar, wenn jetzt Landwirte davor zurückschrecken würden, neue Anlagen in Betrieb zu nehmen.

Kritik an Grotelüschen
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) kündigte ihrerseits an, der bundesweite Widerstand des „Netzwerks Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ gegen unsinnige Fleischüberschüsse und den Bau von Agrarfabriken werde weitergeführt. Es sei bisher nicht erwiesen, dass der Brand in Sprötze wirklich durch Tierschutzaktivisten gelegt worden sei. Gleichzeitig warnte die AbL die niedersächsische Landesregierung davor, durch ihre „massive Förderung und Beschönigung agrarindustrieller, nicht artgerechter Haltungsformen in unverantwortlicher Weise zur weiteren Eskalation“ beizutragen.

Berufsstand unterstützt betroffenen Familienbetrieb
Mit Bestürzung reagierte DBV-Generalsekretär Born auf den Anschlag. „Sollte sich der Verdacht erhärten, dass diese Zerstörungswut Resultat einer immer aggressiveren Stimmungsmache im Bereich ‚Tierschutz-Aktivisten’ ist, so erleben wir eine außerordentlich alarmierende Entwicklung, die es jetzt zu stoppen gilt“, forderte Born. Eine baldige Aufklärung und ein hartes Durchgreifen gegen die Täter seien dringend geboten. Mit dem neu gebauten Hähnchenstall hätte die Existenzgrundlage der Landwirtsfamilie weiter gefestigt werden können. Der Betrieb habe in vier Wochen die ersten Hähnchenküken einstallen wollen, so der DBV. Stattdessen stehe die Familie nun vor einem Sachschaden von einer halben Million Euro. Bei dem betroffenen Unternehmen handelt es sich dem DBV zufolge um „einen grundsoliden landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit Ackerbau und Legehennenhaltung“. Bewirtschaftet werde er von den Eltern mit ihren beiden Söhnen. Die Eier würden von der Familie größtenteils selbst vermarktet. AgE (11.08.2010)

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