EU-Getreideernte 2010 wird wohl durchschnittlich ausfallen
BRÜSSEL. Die extremen Witterungsbedingungen in diesem Jahr haben sich offenbar insgesamt nicht negativ auf die Getreideerzeugung in Europa ausgewirkt. Das Gesamtaufkommen dürfte 2010 in etwa dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre entsprechen. Wie die Europäische Kommission am vergangenen Mittwoch unter Bezug auf Prognosen ihrer Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) weiter mitteilte, wird ein Rückgang der gesamten Anbaufläche durch einen Anstieg des Hektarertrags wieder wettgemacht. Das Wirtschaftsjahr sei durch ungewöhnliche punktuelle Wetterereignisse gekennzeichnet gewesen, von viel zu geringen Niederschlägen bis hin zu Überschwemmungen. Die Vorfälle hätten sich jedoch regional unterschiedlich ausgewirkt. Im Allgemeinen habe Europa einen harten Winter mit Perioden außergewöhnlich niedriger Temperaturen im Dezember, Januar, Februar und auch März erlebt, wodurch sich der Beginn der Pflanzsaison verzögert habe, beispielsweise nach Schneefall in Spanien. Im Frühjahr und Frühsommer seien die Niederschläge in Großbritannien, Westfrankreich, den Benelux-Ländern, Norddeutschland, Ostpolen und Griechenland viel zu gering ausgefallen. Für Polen, Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Rumänien berichtete die Kommission von Überschwemmungen. Während es in Spanien und Italien im Frühjahr willkommene reichliche Regenfälle gegeben habe, seien die Monate Juni und Juli in den Benelux-Ländern und Deutschland sehr warm mit geringen Niederschlägen ausgefallen.
Weichweizenertrag gestiegen
Die von der Kommission veröffentlichte Vorausschau, die auf Satellitenfernerkundung und mathematischen Modellen zur Simulation des Pflanzenwachstums beruht, enthält Ertragsschätzungen für Getreide, Sonnenblumen- und Rapssaat, Kartoffeln und Zuckerrüben. Sie unterscheiden sich nur geringfügig von den Zahlen, die von der Generaldirektion Landwirtschaft berechnet und wenige Tage zuvor im Verwaltungsausschuss vorgestellt worden waren. Für Getreide wird im EU-Mittel ein Ertrag von 5,1 t/ha erwartet; das wären 0,7 % mehr als 2009 und sogar 5,0 % mehr als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Gleichzeitig wurde die für Getreide genutzte Gesamtfläche im Vergleich zu Vorjahr um schätzungsweise 3 % eingeschränkt. Der Gesamtertrag von Weichweizen dürfte über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt liegen, so die Kommission, auch wenn die jüngsten trockenen und heißen Witterungsbedingen in den beiden großen Erzeugerländern Frankreich und Deutschland Ertragseinbrüche erwarten ließen. Etwas besser habe sich dort die Wintergerste behauptet: Die Erträge lägen zwar um 4 % unter dem Vorjahrsniveau, aber noch nah am Fünf-Jahres-Mittel. Für Spanien rechnen die Statistiker mit einer sehr guten Sommergerstenernte, während die Hartweizenproduktion dagegen unter den übermäßigen Winterregenfällen gelitten habe. Italien, das Haupterzeugerland von Hartweizen, dürfte einen Durchschnittsertrag verbuchen. Für Russland prognostiziert das JRC angesichts sehr kritischer Witterungsbedingungen - heiß und trocken - eine stark beeinträchtigte Getreideernte, insbesondere an der Wolga.
Gute Wintergerstenernte möglich
Wie aus dem JRC-Bericht selbst hervorgeht, schätzen die Forscher den diesjährigen Weichweizenertrag in der Bundesrepublik auf 7,3 t/ha; das wären 2,7 % weniger als im Fünf-Jahres-Durchschnitt. Hartweizen dürfte 5,3 t/ha bringen, 1,9 % unter dem Vergleichswert. Der Rapsertrag soll bei 3,8 t/ha liegen, die Leistung von Wintergerste bei 4,7 t/ha, was jeweils nah am mehrjährigen Mittel läge. Ein Plus um 2,8 % auf 6,6 t/ha erwarten die JRC-Wissenschaftler für Wintergerste. Der Maisertrag in Deutschland wird von den Rechenmodellen auf 9,7 t/ha veranschlagt, was einem Zuwachs um 4,4 % entspräche. Was an Zuckerrüben vom Feld geholt werden kann, dürfte mit 62,3 t/ha gegenüber dem Vorjahr annähernd unverändert bleiben, während die Kartoffelernte mit 41,3 t/ha um 1,2 % schlechter ausfallen dürfte. Ein Einbruch um 12,8 % auf 2,0 t/ha wird für Sonnenblumensaat prognostiziert. Das JRC berücksichtigt dabei die Hitzewelle Anfang Juli, die sich besonders im Westen und Norden der Republik bemerkbar gemacht habe. Dadurch seien besonders Getreidearten wie Weizen und Sommergerste, die zu diesem Zeitpunkt ihre Kornfüllungsphase noch nicht abgeschlossen hätten, betroffen gewesen. AgE
(10.08.2010)
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