Heftige Turbulenzen am Weizenmarkt
FRANKFURT/PARIS. Die Preisausschläge an den internationalen Weizenmärkten werden immer heftiger. Am vergangenen Donnerstag mussten für neuerntigen Matif-Weizen in der Spitze 236 Euro/t bezahlt werden - fast 100 Euro/t mehr als noch vor sechs Wochen. Das neue Jahreshoch wurde in Paris markiert, nachdem das dürregeplagte Russland Minuten zuvor einen befristeten Exportstopp verkündet hatte. An diesem Handelstag wurden quer durch alle Laufzeiten fast 75 000 Weizenkontrakte gedreht, was einer physischen Menge von 3,75 Mio t entspricht. Keine 24 Stunden später sind die Weizenpreise dann regelrecht unter die Räder gekommen: Der am Freitagmittag einsetzende Preisrutsch konnte beim November-Weizen erst durch die Schlussglocke bei 209,50 Euro/t gestoppt werden. Als Auslöser für den Crash haben Marktbeobachter diesmal das benachbarte Kasachstan ausgemacht, wo man verlauten ließ, sich dem Moskauer Exportstopp zumindest vorerst nicht anschließen zu wollen. Rätsel gibt bisher die Exportpolitik der Ukraine auf. Sollten die Weizenausfuhren entgegen den Beteuerungen der Kiewer Regierung demnächst doch beschränkt werden, könnte dies den nächsten Höhenflug beim Matif-Weizen auslösen.
FAO rechnet nicht mit Weizenverknappung
Zu Wochenbeginn hatte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) noch vergeblich versucht, die überhitzten Weizenmärkte zu beruhigen. Die UN-Organisation hatte darauf hingewiesen, dass man nicht mit einer Verknappung beim weltweit wichtigsten Nahrungsgetreide rechnet. Am späten Freitagabend ist der an der Welt-Leitbörse von Chicago gehandelte Futterweizen ins „Limit Down“ gegangen. Das ist das größtmögliche Tagesminus, bei dem der Handel zur Marktberuhigung vorrübergehend ausgesetzt wird. Das lässt Analysten zufolge am Montag keine freundliche Eröffnung an der europäischen Leitbörse Matif erwarten. Gemessen am Weizen waren die Kursausschläge bei den an der Frankfurter Eurex gelisteten Kartoffel-Futures minimal. Verarbeitungsware zur Andienung im April 2011 verbilligte sich unter dem Strich um 20 Cent auf 20,40 Euro/dt, wobei die psychologisch wichtige 20-Euro-Marke zwischenzeitlich nach unten durchbrochen worden war.
Schlachtschweinemarkt im Lot
Die an der Frankfurter Eurex gelisteten Schlachtschweinefutures haben zum Monatswechsel quer durch alle Laufzeiten seitwärts tendiert. August-Schweine verbilligten sich während der Berichtswoche um einen halben Cent auf 1,52 Euro/kg Schlachtgewicht (SG). Beobachter berichten von einem ausgeglichenen Markt, weshalb der für die Kassavermarktung maßgebliche Vereinigungspreis am Freitag unverändert bei 1,50 Euro/kg SG belassen wurde. Nach wochenlangem Hitzestress sind die Schlachtgewichte niedrig, da die Schweine wenig gefressen haben. Die Fleischnachfrage im Inland ist ferienbedingt ruhig, was durch steigende Lebendexporte Richtung Osteuropa kompensiert werden kann. Durch die katastrophale Hitze könnte Russland im Herbst einen erhöhten Importbedarf bei Schweinefleisch haben. Ein solches Szenario ist bisher noch nicht bei den Eurex-Schweinen eingepreist: Oktober-Schweine konnten an der Eurex zuletzt im Wochenvergleich unverändert für 1,37 Euro/kg SG gekauft werden. Bei den ebenfalls in Frankfurt gelisteten Terminferkeln tendieren die späteren Liefertermine schwächer. Ein 25-kg-Tier zur Einstallung im September verbilligte sich während der Berichtswoche um 80 Cent auf 39 Euro glatt. Für Ferkel zur sofortigen Einstallung mussten an der Eurex zuletzt unverändert 42 Euro pro Stück bezahlt werden.
Preisdruck bei der Eurex-Butter
Etwas unter Druck stand vergangene Woche auch der Butter-Terminmarkt. An der Eurex wurde am Donnerstag für Ware zur Abrechnung im Oktober 3 575 Euro/t gezahlt; das entsprach gegenüber dem Abrechnungspreis eine Woche zuvor einem Abschlag von 25 Euro/t oder 0,7 %. Am Freitag stand bezogen auf eine Tonne Butter einem Geldkurs von 3 450 Euro ein Briefkurs von 3 700 Euro gegenüber. Groß fiel auch der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufsgebot bei Magermilchpulver aus: Hier war ein Käufer am vergangenen Freitag bereit, 2 150 Euro/t zu zahlen, während der Anbieter 2 350 Euro/t forderte. Am Donnerstag war der Oktober-Kontrakt auf Magermilchpulver für 2 250 Euro/t abgerechnet worden; das waren 75 Euro/t oder 3,4 % mehr als eine Woche vorher. Russland ist nach wochenlanger Dürre und Hitze auf Magermilchpulverimporte angewiesen, wodurch sich die Nachfrage am Weltmarkt belebt hat. AgE
(12.08.2010)
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