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Moskau schließt Verlängerung des Getreideausfuhrstopps nicht aus

MOSKAU. Während die Nachbarländer Ukraine und Kasachstan von einer Einschränkung ihrer Getreideexporte zumindest vorerst nichts wissen wollten, könnte Russland seinen bis Ende 2010 verhängten Ausfuhrstopp möglicherweise sogar verlängern. Das hat Ministerpräsident Wladimir P u t i n zu verstehen gegeben. Die Entscheidung darüber oder eine wohl ebenfalls denkbare Aufhebung der Maßnahme solle in Abhängigkeit vom Ernteergebnis getroffen werden, erklärte Putin bei einer Sitzung des Regierungspräsidiums Anfang vergangener Woche. Angesichts der extremen Trockenheit dürften in Russland lediglich 65 Mio t, schlimmstenfalls sogar nur 60 Mio t Getreide eingebracht werden, während in der Vorwoche noch von 70 Mio t bis 75 Mio t ausgegangen worden war. Gleichwohl könne der 2010/11 bei 78 Mio t liegende Binnenbedarf des Landes an Getreide gedeckt werden, da es über bedeutende Vorräte verfüge, zu denen Interventionsbestände in Höhe von 9,5 Mio t und weitere Übergangsvorräte von 21 Mio t gehörten. Das Exportverbot, so Putin, diene also eher dem Ziel, eine Sicherheitsreserve für das kommende Wirtschaftsjahr zu gewährleisten, zumal auch die Ernte 2011 durch die im laufenden Jahr außerordentlichen Witterungsverhältnisse beeinträchtigt werden könnten. So könnten die Landwirte in mehreren bedeutenden Erzeugerregionen aus diesem Grund mit der Aussaat von Wintergetreide nicht rechtzeitig beginnen. Wenn die Behinderungen weiter andauerten, sollten die dadurch bedingten Ernteausfälle teilweise durch eine Ausweitung des Anbaus von Sommergetreide ausgeglichen werden, versicherte Landwirtschaftsministerin Jelena S k r y n n i k dem Ministerpräsidenten.

Exporteure nicht im Stich lassen
Staatspräsident Dmitrij M e d w e d e w hat die Regierungen in Moskau und den Regionen aufgefordert, den Preissteigerungen bei Getreide sowie Mischfutter und Nahrungsmitteln effizient entgegenzuwirken. Schon jetzt gebe es Anzeichen für Versuche der Händler, die aktuelle Situation zu ihren Gunsten auszunutzen, erklärte Medwedew bei einer am vergangenen Donnerstag in der südrussischen Provinz Rostow am Don einberufenen zentralen Beratung zur Lage am heimischen Getreidemarkt. Zugleich verlangte er von seinem Ministerkabinett, zum Schutz der Exporteure als juristische Begründung des Lieferstopps einen Force-Majeur-Umstand gelten zu lassen, teilte der Pressedienst des Präsidialamts mit. Den Gesellschaften solle dies die verlustfreie Kündigung von nicht ausgeführten Verträgen ermöglichen. Medwedew will zudem die Stundung der Agrarkredite in den von der Dürre betroffenen Regionen veranlassen und dies persönlich mit den Leitern der zwei wichtigsten Kreditgeber, Landwirtschaftsbank und Sber-Bank, besprechen. Nach Angaben des Staatspräsidenten hat die diesjährige Dürre in Russland Getreidebestände auf etwa einem Viertel der gesamten Anbaufläche vernichtet. Angesichts enormer Ernteausfälle stünden mehrere Landwirtschaftsbetriebe kurz vor dem Bankrott. Trotz staatlicher Beihilfen sei lediglich ein Fünftel der Bestände landwirtschaftlicher Kulturen versichert, räumte Medwedew ein. Das nationale Agrarversicherungssystem habe vor dem Hintergrund der Naturkatastrophe gewaltige Schwächen aufgewiesen und müsse nun endlich funktionsfähig gemacht werden.

Ägypten fordert Vertragseinhaltung
Der für die Agrar- und Ernährungswirtschaft zuständige erste stellvertretende Ministerpräsident Russlands, Viktor S u b k o w , hat die Regierungen einiger Exportländer über die Situation am heimischen Getreidemarkt informiert und die damit verbundene Entscheidung über den Ausfuhrstopp erläutert. Laut dem Regierungspressedienst hat Subkow bei dieser Angelegenheit mit den zuständigen Ministern in Ägypten sowie der Türkei und Israel telefoniert. Dabei wies er sie darauf hin, dass die Exporteinschränkungen vorübergehend seien und dass Russland seine Position als eines der führenden Anbieter von Getreide am Weltmarkt in den kommenden Jahren behaupten wolle. Unterdessen hat Ägypten Russland aufgerufen, die Verträge für die Lieferung von 540 000 t Weizen auszuführen, die von der staatlichen Getreideagentur GASC bei Ausschreibungen vor dem Verhängen des Ausfuhrstopps im Exportland geschlossen worden waren, berichtete das Moskauer Consulting- und Forschungszentrum für Agrarökonomie (Sovecon). Die Lieferungen sollten zu den damals vereinbarten Preisen erfolgen. Zugleich soll die ägyptische Seite erklärt haben, sie unterbreche den Abschluss neuer Lieferverträge für Getreide sowohl aus Russland als auch aus den beiden anderen wichtigen Exportländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), der Ukraine und Kasachstan.

Getreideunion will Lockerungen
Angesichts des Exportstopps hat die Russische Eisenbahngesellschaft RZD die Annahme von Getreide für die Beförderung zu den Exporthäfen seit dem 7. August eingestellt. Unterdessen hat die Russische Getreideunion für eine Anpassung des Exportverbots an die aktuelle Situation auf dem Binnenmarkt plädiert. Sinnvoll wäre aus Sicht der Mitglieder eine Verschiebung des Inkrafttretens der Maßnahme um zwei Wochen, erklärte der Pressesprecher der Organisation, Anton S c h a p a r i n . Er begründete das Anliegen mit großen Warenumfängen, die sich in den Häfen angehäuft hätten beziehungsweise noch auf dem Weg dorthin seien. Außerdem ersuchte die Getreideunion laut Schaparin darum, Mehl vom Exportstopp auszunehmen. Dessen Ausfuhren aus Russland seien bislang nicht zu umfangreich gewesen, im vergangenen Wirtschaftsjahr nur rund 387 000 t. Derartige Mengen seien für die russische Getreidebilanz von keiner großen Bedeutung. Zudem handle es sich um eine ziemlich spezifische Ware, bei der die Gewinnung von neuen Absatzmärkten sehr mühsam sei. Daran habe die russische Mühlenwirtschaft vier Jahre lang gearbeitet. Erst vor Kurzem sei eine Vereinbarung über die Aufnahme der Mehllieferungen nach Indonesien getroffen worden, das als ein anspruchsvoller, aber perspektivreicher Markt gelte. AgE (20.08.2010)

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