Agrarexport im ersten Halbjahr um knapp 7 Prozent gestiegen
Starkes Wachstum der milchwirtschaftlichen Ausfuhren ausschlaggebend - Fleischlieferungen dagegen unterdurchschnittlich gewachsen - Diese hatten sich aber auch in der Krise robust gezeigt - Holland bleibt wichtigster Handelspartner für die Land- und Ernährungswirtschaft - Leicht gegenläufige Entwicklung im Güteraustausch mit Frankreich
BERLIN. Deutschlands Defizit im Außenhandel mit Gütern der Land- und Ernährungswirtschaft hat sich im bisherigen Jahresverlauf leicht verringert. Wie aus vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, stiegen die Agrarausfuhren von Januar bis Juni 2010 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 6,9 % auf 24,59 Mrd Euro. Gleichzeitig erhöhte sich der Wert der Importe lediglich um 3,6 % auf 29,17 Mrd Euro. Das Außenhandelsdefizit sank damit um fast 1 Mrd Euro auf 4,58 Mrd Euro. So steuert die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr wieder auf mehr als 50 Mrd Euro an Exportwert im Agrar- und Ernährungsbereich zu. Weil die endgültigen Außenhandelszahlen in der Regel gegenüber den vorläufigen Daten deutlich nach oben korrigiert werden, dürfte diese Marke aller Voraussicht nach klar genommen werden. Ausschlaggebend für die dynamische Entwicklung im ersten Halbjahr ist der milchwirtschaftliche Export mit überdurchschnittlichen Zuwachsraten bei den Käse-, Butter- und Frischproduktelieferungen. Auf hohem Niveau gefestigt hat sich der Fleischexport, der im ersten Halbjahr wertmäßig um 2,4 % auf 3,59 Mrd Euro und damit unterdurchschnittlich wuchs. Zu bedenken ist dabei, dass sich die Exporte an Fleisch und Fleischwaren während der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr relativ stabil gezeigt hatten, andere Sparten wie die Milchwirtschaft dagegen schon wegen des Preisverfalls an den Märkten deutliche Abstriche machen mussten.
Aufschwung am Milchmarkt
Im einzelnen stiegen die Käseausfuhren Deutschlands im ersten Halbjahr 2010 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 13,0 % auf 1,46 Mrd Euro, während die Butterexporte ausgehend von niedrigem Niveau um fast zwei Drittel auf 184 Mio Euro kletterten. Andere Milchprodukte wurden im Wert von 1,89 Mrd Euro exportiert, das waren 16 % mehr als im ersten Halbjahr 2009. Auch die milchwirtschaftlichen Importe legten - vor allem preisbedingt - teilweise kräftig zu, allerdings weniger stark als die Ausfuhren. Auf der Einfuhrseite schlugen in Deutschlands Agrarhandelsbilanz zudem Fleisch und Fleischwaren mit einem Wert von 2,71 Mrd Euro stark zu Buche, Backwaren mit 1,09 Mrd Euro, Frischgemüse mit knapp 2 Mrd Euro und Südfrüchte mit mehr als 1 Mrd Euro.
Hohes Handelsdefizit mit Holland
Wichtigster Partner Deutschlands blieben die Niederlande, wobei sich Deutschlands Agraraußenhandelsdefizit hier leicht vergrößerte. Während die land- und ernährungswirtschaftlichen Exporte der Holländer in die Bundesrepublik um 8,6 % auf 5,82 Mrd Euro zulegten, wuchsen Deutschlands Ausfuhren um 7,9 % auf 3,33 Mrd Euro. Mehr als jeden sechsten Euro im Deutschland-Export verdienten die Niederländer mit Zierpflanzen, wo im Berichtszeitraum ein Plus von 12,9 % auf einen vorläufigen Ausfuhrwert von 1,02 Mrd Euro registriert wurde. Zweitgrößter Posten blieb für die Holländer der Fleischexport mit einem Zuwachs von gut 5 % auf 544 Mio Euro. Die Käseausfuhren der Niederlande nach Deutschland stiegen wertmäßig um 14 % auf 385 Mio Euro. Im Gegenzug erhöhten sich die Käselieferungen der Bundesrepublik ins Nachbarland um 36 % auf 159 Mio Euro. Die Fleischexporte Deutschlands nach Holland wuchsen wertmäßig um mehr als 4 % auf 492 Mio Euro.
Österreicher machen Boden gut
Deutlich aufgeholt hat Österreich im Agrarhandel über die Alpen. Während die Ausfuhren Deutschlands in das Nachbarland lediglich um 1,7 % auf 1,69 Mrd Euro stiegen, kletterten die österreichischen Exporte wertmäßig um 10,7 % auf 1,08 Mrd Euro. Wichtigste Güter der Österreicher blieben dabei Milch- und Fleischprodukte sowie Backwaren. Nahezu ausgeglichen ist der Güteraustausch Deutschlands mit den Italienern. Während Deutschlands Ausfuhren der Land- und Ernährungswirtschaft im ersten Halbjahr 2010 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 2,5 % auf 2,46 Mrd Euro zulegten, erhöhte sich andererseits der Importwert vom Apennin um 2,6 % auf 2,29 Mrd Euro. Einbußen mussten hingegen die Franzosen verbuchen, da ihre Agrarlieferungen über den Rhein zuletzt um 1 % auf einen Wert von 2,53 Mrd Euro sanken. Dabei verringerten sich die Käseexporte um knapp 3 % auf 281 Mio Euro. Andererseits erhöhten sich die deutschen Ausfuhren nach Frankreich insgesamt um 4,6 % auf 2,46 Mrd Euro. AgE
(23.08.2010)
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