Sojabohnen trotz guter Ernteaussichten relativ teuer
Die Terminnotierungen für Sojabohnen in Chicago halten sich auch nach der US-Rekordernteschätzung deutlich oberhalb der Marke von 10 Dollar - Weiterer Anstieg der chinesischen Sojabohnenimporte erwartet - Die Volksrepublik überflügelt mittlerweile die Vereinigten Staaten als größter Verarbeiter dieser Ölsaat
CHICAGO/WASHINGTON. Die Sojafarmer in den Vereinigten Staaten können dieses Jahr sowohl mit dem bisherigen Witterungsverlauf als auch mit der Marktentwicklung mehr als zufrieden sein. Ungeachtet guter Ernteaussichten sind die Notierungen für die weltweit wichtigste Ölsaat in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Der Sojamarkt profitierte dabei zuletzt von der Rallye auf dem internationalen Weizenmarkt. Die fundamentalen Daten dieses Marktes hätten nicht für einen weiteren Anstieg der Sojabohnenpreise gesprochen, so Analysten in den USA. Am Dienstagvormittag vergangener Woche wurde der September-Kontrakt in Chicago für knapp 10,4 $/bu (296 Euro/t) anzulegen, was verglichen mit dem Preisniveau von Ende Juli ein Plus von gut 2 % und gegenüber der Notierung von Ende Juni eine Verteuerung um fast 14 % bedeutete. Die landeseigene Ernte 2010 veranschlagt das US-Landwirtschaftsministerium auf 93,44 Mio t; das wären 2,0 Mio t mehr als im Rekordjahr 2009. Die August-Schätzung ist die jährlich erste, die auf einer repräsentativen Umfrage bei den Landwirten fußt. Weltweit rechnen die Washingtoner Fachleute aktuell allerdings insgesamt mit einem Rückgang der Sojabohnenerzeugung, und zwar von schätzungsweise etwa 260 Mio t im Wirtschaftsjahr 2009/10 auf 253,7 Mio t in der Kampagne 2010/11.
Ungebrochener Hunger Chinas
Trotz des voraussichtlichen Produktionsrückgangs dürfte die Verarbeitung von Sojabohnen nach der jüngsten Vorhersage des US-Landwirtschaftsministeriums in der mit Oktober beginnenden Kampagne 2010/11 zunehmen, und zwar im Vergleich zum geschätzten Volumen von 2009/10 um 12,1 Mio t oder 6 % auf 219,8 Mio t. Exportiert werden soll die Rekordmenge von 91,1 Mio t Sojabohnen; das wären 1,5 Mio t beziehungsweise knapp 2 % mehr als für 2009/10 geschätzt. Dabei wird für die USA selbst eine Abnahme der Sojabohnenausfuhren um 950 000 t oder gut 2 % auf 39,05 Mio t vorausgesagt. Der alles entscheidende Faktor auf der Nachfrageseite ist China. Von Januar bis Juli 2010 importierte die Volksrepublik 30,8 Mio t Sojabohnen; das bedeutete gegenüber der Vorjahresperiode eine Zunahme um gut 16 %. Und der Appetit des „Reichs der Mitte“ auf diese Ölsaat soll weiter zunehmen: Die US-Fachleute erwarten, dass China in der kommenden Saison 52,0 Mio t Sojabohnen einführen wird, verglichen mit geschätzten 49,5 Mio t in der laufenden Kampagne. Dabei geht das US-Agrarressort von einer Steigerung der Sojabohnenverarbeitung in der Volksrepublik um mehr als 15 % auf 55,8 Mio t aus. In der noch bis Ende September dauernden Saison 2010/11 dürften in China erstmals mehr Sojabohnen als in den USA verarbeitet werden, nämlich schätzungsweise etwa 48,5 Mio t gegenüber 47,6 Mio t. Für die EU-27 wird eine nahezu unveränderte Verarbeitungsmenge von 12,4 Mio t vorhergesagt. Die Sojabohnenimporte der Gemeinschaft sollen sich 2010/11 um 400 000 t auf 12,6 Mio t verringern.
Kräftige Bestandserholung in den USA erwartet
Spürbar entspannt hat sich nach den Angaben des Washingtoner Landwirtschaftsministeriums die globale Lage bei den Sojabeständen. Zum bevorstehenden Abschluss der Saison 2009/10 dürften sich weltweit etwa 63,5 Mio t dieser Ölfrucht auf Lager befinden und damit 19,6 Mio t beziehungsweise 44 % mehr als Ende 2008/09. In den Vereinigten Staaten fand jedoch trotz der Rekordernte nur ein vergleichsweise geringer Bestandsaufbau statt: Hier wird mit einer Lagermenge von 4,3 Mio t Sojabohnen zu Beginn des Wirtschaftsjahres 2010/11 gerechnet; das wären lediglich 580 000 t mehr als am Anfang der laufenden Kampagne. In der nächsten Saison sollen die Sojabestände aber auch in den Vereinigten Staaten deutlich steigen, und zwar um 5,5 Mio t oder 125 % auf 9,8 Mio t am Ende der Kampagne. Global betrachtet rechnet das US-Landwirtschaftsministerium aber nur mit einem Anstieg der Lagermengen im Verlauf des Vermarktungsjahres 2010/11 um 1,2 Mio t auf 64,7 Mio t. Über die umfangreichsten Sojabohnenbestände verfügt Argentinien, wo diese 2010/11 um 3,4 Mio t auf 21,6 Mio t zurückgeführt werden sollen.
Flächeneinschränkung in Argentinien?
Aus Sicht des Handels noch relativ wenig an Informationswert bieten derzeit die Flächen- und Ernteschätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums zu Südamerika, da die Aussaat zur Ernte 2010/11 dort erst im Oktober beziehungsweise November beginnt. Die Fachleute im Washingtoner Agrarressort erwarten, dass die argentinischen Farmer den Anbau von Sojabohnen nach vorheriger Rekordfläche etwas einschränken werden, nämlich um 600 000 ha oder gut 3 % auf 18,0 Mio ha. Dies wäre eine Konsolidierung auf hohem Niveau, denn vor zehn Jahren wurden Sojabohnen in Argentinien erst auf 10,4 Mio ha angebaut. Entsprechend der erwarteten Flächeneinschränkung wird für das kommende Jahr ein Rückgang der Erntemenge um 4,5 Mio t auf 50 Mio t prognostiziert. Auch für Brasilien sagen die Washingtoner Fachleute nach dem diesjährigen Rekordergebnis von 69 Mio t eine Abnahme der Sojabohnenproduktion voraus, nämlich um 4 Mio t. Es wird allerdings von einer unveränderten Anbaufläche von 23,5 Mio ha ausgegangen. Demgegenüber erwarten Beobachter in Brasilien selbst eine weitere Ausweitung der Sojafläche zu Lasten des Maisanbaus, und zwar auf den Rekordumfang von 24 Mio ha. Dies würde bezogen auf die vergangenen zehn Jahre einer Zunahme um mehr als 10 Mio ha entsprechen. AgE
Umrechnungskurs: 1 $ = 0,7779 Euro
(25.08.2010)
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