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Gemischte Ernteprognosen aus den Bundesländern

Schleswig-Holstein meldet Getreide- und Rapserträge auf dem Niveau des mehrjährigen Mittels - Sachsen-Anhalt und Thüringen verzeichnen vor allem beim Weizen deutliche Ertragsminderungen - In Niedersachsen und Brandenburg enttäuscht die Roggenernte am stärksten - Weizendrusch in vielen Teilen Deutschlands noch nicht abgeschlossen - Sorge um die Qualitäten der noch auf dem Feld stehenden Bestände - Die Lage auf dem Weltmarkt und Spekulationen treiben Preise in die Höhe

TÜTTENDORF. Während der Deutsche Bauernverband (DBV) von einer insgesamt vergleichsweise „mageren“ Bilanz der diesjährigen Getreideernte ausgeht (vgl. LÄNDERBERICHTE 1 i.d.Ausg.), wird diese von regional recht unterschiedlichen Ergebnissen untermauert. Allerdings kommen aus den Bundesländern zum Teil auch optimistischere Ernteprognosen. So sprachen in Schleswig-Holstein Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane R u m p f , Landwirtschaftskammerpräsident Claus He l l e r und Landesbauernpräsident Werner S c h w a r z am vergangenen Mittwoch von voraussichtlich überwiegend zufriedenstellenden Getreide- und Rapserträgen auf dem Niveau des mehrjährigen Mittels. Wie Rumpf hervorhob, wurde bei Winterweizen mit Erntemengen von durchschnittlich 90 dt/ha in dieser Saison bisher ein guter Wert erzielt. Ein Großteil der Bestände stehe aber noch auf den Feldern. Die Ernte werde aufgrund der aktuellen Niederschläge wohl in den September hinein verzögert. Bei Wintergerste und Winterraps betrugen die Hektarerträge Rumpf zufolge im Mittel 82 dt und 42 dt. Der Landesbauernverband Sachsen-Anhalt berichtete von einer durchwachsenden Ernte 2010. Der Drusch der Wintergerste sei mit Ergebnissen von durchschnittlich 75 dt/ha unproblematisch verlaufen. Bei Raps hätten die Hektarerträge mit mittleren 40 dt/ha sogar gut im Mittel der vergangenen Jahre gelegen. Bei Winterweizen, von dem am vergangenen Donnerstag landesweit 85 000 ha beziehungsweise 25 % der gesamten Produktionsfläche noch nicht abgeerntet gewesen seien, könne aber mit durchschnittlich nur 72 dt/ha gerechnet werden. Das wären etwa 11 % weniger als im Vorjahr.

Noch ein Drittel auf dem Halm
Das Landwirtschaftsministerium in Thüringen geht beim Getreide von Hektarerträgen von durchschnittlich 64 dt aus. Das wären 5 % weniger als im Mittel der Jahre 2004 bis 2009. Bei Winterweizen, der noch auf mehr als 100 000 ha stehe, müsse mit bis zu zweistelligen Rückgängen gegenüber dem langjährigen Mittel gerechnet werden, berichtete das Agrarressort. Dagegen sei der Hektarertrag an Wintergerste mit rund 72 dt etwa 5 % höher ausgefallen als das durchschnittliche Ernteergebnis aus den Jahren 2004 bis 2009. Nach Mitteilung des Landvolkes Niedersachsen sind die Ernteeinbußen in dem Bundesland bei Roggen mit einem Rückgang von 25 % gegenüber dem Vorjahr in diesem Sommer besonders ausgeprägt. Triticale habe mit einem Minus von 20 % abgeschlossen. Beim Winterweizen, von dem landesweit noch etwa ein Drittel auf dem Halm stehe, habe man 7 % weniger als im Vorjahr gedroschen, bei Wintergerste 5 % weniger. Auch in Brandenburg enttäuschen laut Landesbauernverband in diesem Jahr vor allem die Erträge der meistangebauten Kultur Roggen, dessen durchschnittlicher Ertrag von 35,5 dt/ha etwa 13 % hinter dem langjährigen Mittel und sogar 27 % hinter dem Vorjahresergebnis zurückblieb. Winterweizen und -gerste sowie Trticale erreichten dagegen mit Hektarerträgen von 59,7 dt und 57,4 dt beziehungsweise 42,8 dt fast das Mittel der Jahre 2005 bis 2009, ebenso wie Raps mit einem aktuellen Ertrag von 35,4 dt/ha. Darüber hinaus wies der Verband darauf hin, dass landesweit noch etwa 89 000 ha Weizen, Triticale und Roggen auf die Beerntung warteten.

Nur noch als Futterweizen zu verkaufen
Wie der Landvolkverband betonte, machen sich die Landwirte in Niedersachsen zunehmend Sorgen um die Qualität des noch stehenden Getreides. Die feuchtwarme Witterung versetze die Körner bereits in der Ähre in Keimstimmung. Die noch zu erwartende Ernte sei daher nur noch als Futtergetreide mit Preisabschlägen zu verwerten. Auch der Roggen habe überwiegend keine Backqualität mehr. Ferner trete als Folge der zuvor extremen Trockenheit vermehrt Kümmerkorn auf. Das thüringische Landwirtschaftsministerium geht davon aus, dass bei den noch zum Drusch anstehenden Beständen an Winterweizen, der in dem Bundesland überwiegend in den Qualitätsstufen E und A angebaut wird, die Standards bei Rohprotein und Fallzahl nicht mehr erreicht werden. Schleswig-Holsteins Getreidebauern holten laut Rumpf bis zum Einsetzen der Niederschläge in den zurückliegenden Wochen bei der Hauptfrucht Weizen gute Brotweizenqualitäten ein. Es sei jedoch zu befürchten, dass die jetzt noch zu erntenden Bestände deutlich geringere Qualitäten aufwiesen und dann nur noch als Futterweizen zu vermarkten seien. Darüber hinaus habe man das Getreide oft nass dreschen müssen, weshalb den Landwirten zusätzliche Trocknungskosten entstanden seien.

Spekulationen Einhalt gebieten
Auch in Sachsen-Anhalt hat ein großer Teil des geernteten Weizens dem Landesbauernverband zufolge keine Brotgetreidequalität. Das führe zu deutlichen Preisminderungen und damit zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Während für 1 Dezitonne Brotgetreide derzeit etwa 19 Euro gezahlt würden, liege der Preis für Futtergetreide etwa 5 Euro niedriger. Die gebotenen Preise seien insgesamt gut, betonte der Verband. Die Landwirte profitierten von den Preisaufschlägen nach oben aber nur begrenzt, weil etwa ein Drittel der Mengen schon vor der Ernte auf niedrigerem Niveau vertraglich gebunden worden sei. Auch in diesem Jahr zeige sich, dass Marktschwankungen teilweise größere Auswirkungen hätten als das ackerbauliche Können oder die Witterung. Die Landwirte beobachteten besorgt, wie immer häufiger Spekulanten auf den Biomasserohstoffbereich einwirkten und weniger die Marktsituation oder die Nachfrage Preisschwankungen verursachten, stellte der Verband fest und begrüßte Mahnungen, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Biomassen dürften keine Spekulationsobjekte sein. Nur dann könnten die Landwirte den Anforderungen zur Sicherung von Rohstoffen für die menschliche Ernährung, Versorgung der Tiere und Herstellung von Bioenergie nachkommen.

Kein Grund für teurere Brötchen
In Schleswig-Holstein erklärte Kammerpräsident Heller, beim Gerstenpreis hätten die heimischen Betriebe in diesem Sommer von den Ernteausfällen in der Schwarzmeerregion profitieren können. Aufgrund ausbleibender Exporte aus der Ukraine und Russland sei Gerste für Lieferungen in Richtung Saudi-Arabien gesucht worden. Teilweise habe man Gerste für mehr als 20 Euro/dt gehandelt. Für Weizen seien Preise von bis zu 21 Euro/dt möglich gewesen. Mittlerweile habe sich die Lage am Weltmarkt wieder etwas beruhigt, hob Heller hervor. Die höheren Getreidepreise würden gerne zum Anlass genommen für Preiserhöhungen anderer Produkte. So habe das Bäckerhandwerk bereits eine Preiserhöhung für Brot und Brötchen angekündigt. Dabei gelte es aber zu bedenken, dass der Rohstoffanteil von Getreide im Brötchen bei lediglich 2 Cent liege. Es seien also andere Faktoren wie Lohnerhöhungen und höhere Energiekosten, die für eine Preiserhöhung sprächen, unterstrich der Kammerpräsident. Mit den höheren Getreidepreisen stiegen aber die Preise für Mischfuttermittel. Dabei bleibe die Frage, ob der Preisanstieg derzeit nur aus der Situation am Weltmarkt und durch Spekulation begründet oder nachhaltig sei.

Finanzielle Stabilität fördern
Schleswig-Holsteins Bauernverbandspräsident Schwarz sieht die Preisaufschläge zu etwa 70 % den Spekulationen geschuldet. Eine Verknappung des Angebotes drohe nicht. Im Vergleich zur Saison 2007/2008 mit Lagerbeständen von 124 Mio t liege man heute bei ungefähr 187 Mio t und „damit auf der sicheren Seite“. Allerdings zeige sich, dass der Getreidepreis hohen Schwankungen abseits wetterbedingter Kapriolen unterliege. Die finanzielle Stabilität habe für Landwirte in den zurückliegenden Jahren an Bedeutung gewonnen, erklärte Schwarz und wiederholte die Forderung seines Verbandes nach einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage. Der Landwirt als letztes Glied der Kette müsse Instrumente an die Hand bekommen, um sich gegen Extreme absichern zu können. Daher seien auch die europäischen Direktzahlungen an die Landwirtschaft beizubehalten. AgE (02.09.2010)

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