Deutscher Milchmarkt in Stichworten
Anlieferungen an die Molkereien wahrscheinlich saisonal weiter gesunken - Vorjahreslinie wird nach wie vor deutlich überschritten - Milchauszahlungspreise in Bayern auch im Juli gestiegen - Erlöse für Butter stabil - Käsenotierungen in Kempten mit einer Ausnahme unverändert - Uneinheitliche Tendenzen an den Milchpulvermärkten halten an
BONN. Die Milchanlieferungen an die Molkereien in Deutschland dürften insgesamt saisonal bedingt weiter zurückgegangen sein, entwickelten sich regional jedoch uneinheitlich. Wie die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen am vergangenen Freitag mitteilte, sank das Rohstoffaufkommen zwischen Ems und Elbe in der Woche zum 22. August 2010 gegenüber der Vorwoche um 0,3 %. Das entsprechende Vorjahresniveau wurde gleichzeitig um 6,2 % übertroffen. Für Nordrhein-Westfalen meldete die dortige Landesvereinigung eine saisonal marginale Zunahme der Liefermenge um 0,04 %; die Vorjahreslinie wurde um 9,4 % überschritten. In Rheinland-Pfalz verringerte sich das Milchaufkommen in der Berichtsperiode um 3,4 %. Bundesweit hatten die Anlieferungen in der Woche zum 15. August saisonal um 0,6 % abgenommen, dabei in den alten Bundesländern um 0,5 % und in Ostdeutschland um 1,2 %. Die von den Molkereien erfasste Milchmenge lag in Deutschland zur selben Zeit um 3,2 % höher als in der betreffenden Vorjahreswoche. Ausschlaggebend für das kräftige Plus war im Wesentlichen die Entwicklung im Westen, wo ein Anstieg von 3,9 % registriert wurde. Dagegen erhöhte sich das Milchaufkommen in den neuen Ländern lediglich um 0,7 %. Derweil konnten sich die Milchbauern zumindest in Bayern über nochmals bessere Erlöse freuen: Laut Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB) erhöhte sich der durchschnittliche Nettoauszahlungspreis der Molkereien im Freistaat für das Kilogramm Standardmilch im Juli gegenüber dem Vormonat um 1,07 Cent auf 32,4 Cent. Demgegenüber hatte das Kieler Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswirtschaft (ife) kürzlich berichtet, dass der von ihm berechnete Rohstoffwert für Milch mit 3,7 % Fett- und 3,4 % Eiweißgehalt im Juli erstmals seit 15 Monaten gesunken sei, und zwar um 1 Cent/kg auf 31,2 Cent/kg. Der Rohstoffwert leitet sich aus den Marktpreisen für Butter und Magermilchpulver ab.
Stetiger Butterabsatz
Die Butterproduktion wurde von den meldenden Betrieben in der Bundesrepublik während der Woche zum 15. August saisonal um 5,0 % und im Vergleich zur Menge der entsprechenden Vorjahreswoche um 10,3 % ausgeweitet. Die Süddeutsche Butter- und Käse-Börse berichtete von einem stetigen Absatz. Die Notierungen wurden in Kempten erneut nicht geändert: Lose Ware kostete gemäß der Preisfeststellung am 25. August weiterhin zwischen 3,60 Euro/kg und 3,80 Euro/kg, geformte Markenbutter zwischen 3,84 Euro/kg und 3,90 Euro/kg. Auch in Hannover gab es keine Änderung der Notierungen; die dort für jeweils ein Kilogramm amtlich ausgewiesenen Erlöse für lose Butter reichten von 3,65 Euro bis 3,78 Euro und für geformte Ware von 3,85 Euro bis 3,90 Euro. Berichtet wurde in der niedersächsischen Hauptstadt von einer verbesserten Nachfrage nach Stückware und einer abwartenden Tendenz bei Blockbutter. Laut Mitteilung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) befanden sich am 22. August in Deutschland insgesamt 17 026 t Butter in der privaten Lagerhaltung; das waren 1 188 t mehr als eine Woche zuvor, aber 20 902 t weniger als vor Jahresfrist.
Normale bis gute Käsenachfrage
Die meldepflichtigen deutschen Käsereien schränkten ihre Produktion in der Woche zum 15. August insgesamt saisonal um 2,2 % und gemessen an der Herstellungsmenge der vergleichbaren Vorjahreswoche um 0,7 % ein. Die Nachfrage nach den einzelnen Käsesorten gestaltete sich je nach Sorte zuletzt normal beziehungsweise gut. Der Süddeutschen Butter- und Käsebörse in Kempten zufolge konnte Hartkäse in größerer Menge vermarktet werden. Weichkäse werde normal nachgefragt, und auch Schnittkäse gehe in normalem Umfang in den Markt, stellte die Käsebörse außerdem fest. In Hannover wurde mit Blick auf den Schnittkäsebereich von einem ausgeglichenen Markt berichtet. Die Käsenotierungen in Kempten blieben am vergangenen Mittwoch mit einer Ausnahme unverändert: Für Allgäuer Emmentaler in Stücken ab 10 kg wurde das Preisband am unteren Ende um 0,10 Euro/kg auf 4,50 Euro/kg bis 5,30 Euro/kg zurückgenommen. Edamer mit einem Fettgehalt von 40 % notierte stabil zwischen 3,15 Euro/kg und 3,45 Euro/kg, Gouda von 3,30 Euro/kg bis 3,50 Euro/kg, während für Tilsiter zwischen 3,20 Euro/kg und 3,50 Euro/kg zu zahlen waren.
Vollmilchpulverpreise unter Druck
Erneut sehr uneinheitlich entwickelte sich der deutsche Milchpulvermarkt. Vollmilchpulver tendierte wiederum schwächer: Die Preise für Sprühware mit einem Fettgehalt von 26 % sanken um 0,05 Euro/kg auf 2,60 Euro/kg bis 2,75 Euro/kg. Binnen fünf Wochen rutschte die Notierung um 0,20 Euro/kg. Demgegenüber zeigte sich der Magermilchpulvermarkt in der Berichtswoche stabil. Ware in Lebensmittelqualität erlöste unverändert zwischen 2,10 Euro/kg bis 2,30 Euro/kg. Auch die Preise für Magermilchpulver zu Futterzwecken behaupteten sich mit 1,96 Euro/kg bis 2,02 Euro/kg auf dem Niveau der Vorwoche, obwohl hier von einem ruhigen Geschäftsverlauf berichtet wurde. Die Magermilchpulverherstellung war von den meldepflichtigen Unternehmen im Bundesgebiet während der Woche zum 15. August saisonal um 7,6 % und verglichen mit dem Vorjahresaufkommen um 6,9 % gedrosselt worden. Die öffentlichen Marktordnungsbestände beliefen sich in Deutschland am 22. August unverändert zur Vorwoche auf 63 763 t; das waren 5 185 t mehr als vor Jahresfrist. In weiterhin fester Verfassung zeigte sich der heimische Süßmolkenpulvermarkt: Die Durchschnittsnotierung für Futtermittelware wurde am 25. August von zuvor 0,66 Euro auf 0,675 Euro/kg angehoben; die Preise für Lebensmittelqualitäten zogen im Mittel um 0,025 Euro auf 0,745 Euro/kg an. AgE (02.09.2010)
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