Globale Agrartechniknachfrage weiterhin auf Höchstniveau
Allein in der Europäischen Union stieg der Umsatz der Branche in diesem Jahr um 15 Prozent auf rund 24 Milliarden Euro - Das weltweite Produktionsvolumen für Landtechnik wird auf etwa 72 Milliarden Euro geschätzt - 2012 könnte es sogar eine Steigerung um bis zu 8 Prozent geben - Landwirte haben nach guten Ernten wieder Geld für Reinvestitionen zur Verfügung - Rekorderlöse in Deutschland erzielt
FRANKFURT. Während die Aussichten für die Weltwirtschaft zusehends trüber werden, blickt die Agrartechnikindustrie optimistisch auf das Jahr 2012. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich die wichtigsten Märkte für Landmaschinen und Traktoren auf dem gegenwärtigen Höchstniveau halten werden. Das wurde beim vierten Treffen von Konjunkturfachleuten der weltweit größten Landtechnikverbände deutlich, das im Dezember auf der Fachmesse EIMA Agrimach im indischen Neu-Delhi stattfand. Gerd W i e s e n d o r f e r , Marktreferent des Fachverbandes Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und Organisator der weltweiten Konjunktur-Arbeitsgruppe im Netzwerk „Agrievolution“, wies darauf hin, dass die Landwirte in den vergangenen zwei Jahren wieder gutes Geld verdient hätten; dieses werde nun zum Großteil reinvestiert. Allein in diesem Jahr habe sich das weltweite Produktionsvolumen für Agrartechnik nach vorläufigen Schätzungen auf 72 Mrd Euro erhöht und könnte 2012 sogar um weitere 5 % bis 8 % steigen. Viele Schwellenländer arbeiteten auf einen höheren Mechanisierungsgrad ihrer Landwirtschaft hin, während in Westeuropa, das bereits sehr gut mit Technik ausgestattet sei, die Nachfrage nach neuen Technologien für das Zukunftsfeld „Precision Agriculture“ steige. Laut Wiesendorfer sehen erste Prognosen den Umsatz am Agrartechnikmarkt der Europäischen Union für 2011 bei rund 24 Mrd Euro; das wären 15 % mehr als im vergangenen Jahr. Mit diesem Ergebnis würde das bisherige Rekordvolumen des Jahres 2008 fast schon erreicht. Allein in Deutschland sei der Umsatz mit knapp 5 Mrd Euro so hoch ausgefallen wie noch nie zuvor. Auch der Ausblick der Branche auf das Jahr 2012 falle insgesamt noch sehr positiv aus, so der Marktexperte. Hier wirkten sich vor allem die guten Einnahmen aus der Ernte 2011 sowie die gestiegenen Preise für Milch aus, verbunden mit weiterhin guten Finanzierungsmöglichkeiten für neue Agrartechnik.
EU-Agrarreform als Dämpfer?
Der Fachverband Landtechnik geht davon aus, dass sich einige Landtechnikmärkte nach dem überdurchschnittlichen Wachstum in diesem Jahr ungeachtet der optimistischen Aussichten in den kommenden Monaten wieder etwas rückläufig entwickeln werden. Dazu könnte auch der deutsche Markt gehören. Frankreich als zweites Schwergewicht innerhalb Europas könnte sich nach aktuellen Einschätzungen durchaus auf dem jetzigen Niveau halten. Eine Fortsetzung des derzeitigen Abschwungs zeichne sich hingegen für den italienischen Markt ab. Der Fachverband zeigte sich davon überzeugt, dass in den kommenden zwei Jahren die Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik ab 2014 eine gewisse Rolle für Investitionen in Agrartechnik spielen wird. Ob es aufgrund der für Westeuropa erwarteten Kürzung der Zahlungen ab 2014 zu Vorzieheffekten bei den Investitionen kommen werde oder ob eine Unsicherheit zur Zurückhaltung der Kunden führe, bleibe abzuwarten. Klarer scheine dagegen das Szenario für den östlichen Teil der Europäischen Union: Die neuen Mitgliedstaaten hätten noch einen anhaltend hohen Investitionsbedarf für Technik und dürften auf die mittelfristig leicht steigenden Subventionen pro Hektar zählen. Damit blieben die Erwartungen an die Verkäufe neuer oder gebrauchter Technik hoch.
Hohe Zuwachsraten in Schwellenländern
Auch die aufstrebenden Märkte in den Schwellenländern konnten nach Angaben des Fachverbandes zuletzt beeindruckende Zuwachsraten am Landtechnikmarkt verzeichnen. So habe der chinesische Agrartechnikmarkt 2010 ein geschätztes Volumen von 15 Mrd $ (11,52 Mrd Euro) erreicht und damit sein Wachstum mit zweistelligen Raten fortgesetzt. Für 2012 rechne der chinesische Agrartechnikverband mit einem Plus von 10 %. Getragen werde diese Entwicklung allerdings von einer deutlich ausgeprägten staatlichen Stützung. In Brasilien spielten vor allem die großen Expansionspotentiale der Landwirtschaft eine Hauptrolle bei der Steigerung der Nachfrage nach Traktoren und Anbaugeräten, berichtete der Fachverband weiter. Die Anzahl der verkauften Großtraktoren sowie der Mähdrescher habe 2011 um 10 % beziehungsweise 17 % über dem Vorjahresniveau gelegen. Der brasilianische Landtechnikverband erwarte für 2012 einen Zuwachs von 10 %. Es sei berichtet worden, dass die nationale Entwicklungsbank ihre günstigen Kreditkonditionen für den Sektor aufrechterhalte.
Inder kaufen heimische Agrartechnik
In seinem Blick auf die internationalen Märkte geht der Fachverband Landtechnik davon aus, dass der indische Absatzbereich auch mittelfristig von den lokalen Bedürfnissen für die einzusetzende Technik geprägt sein wird. Da die Strukturen der Landwirtschaft fast ausschließlich kleinflächig seien, werde Großtechnik zunehmend von einzelnen Investoren oder Maschinengemeinschaften nachgefragt, die die Parzellen ganzer Dorfgemeinschaften bewirtschafteten. Zudem dürfte Indien auf absehbare Zeit ein Markt bleiben, der im Wesentlichen Technik beziehe, die im Land selbst hergestellt werde. In Südkorea haben sich dem Fachverband zufolge die Verkäufe von Agrartechnik nach einem sehr starken Jahr 2010 in den letzten zwölf Monaten wieder verringert. Für 2012 werde mit einem Marktvolumen von 1,5 Mrd $ (1,23 Mrd Euro) gerechnet, was einem Plus von 7 % entspreche. Eine besondere Dynamik sei hingegen derzeit in der Türkei zu beobachten, so der Fachverband. Nach einer einschneidenden Rezessionsphase in den Jahren 2008 und 2009, die neben der allgemeinen Wirtschaftsflaute auch auf die damalige Trockenheit zurückzuführen sei, würden nun wieder Rekordmarken beim Verkauf neuer Agrartechnik gesetzt. In diesem Jahr seien in der Türkei schätzungsweise rund 60 000 Traktoren verkauft worden; für 2012 werde aber von einer leichten Abkühlung des Marktes ausgegangen. Ein leichtes Wachstum könnte es nach anhaltend schwierigen Verkäufen von Landmaschinen wieder in Japan geben, erklärte der Fachverband. Die Prognose für den Traktormarkt in 2012 weise ein Wachstum von 7 % aus. Aufgrund der Aufwertung des Yen seien Importe derzeit attraktiv, während die japanischen Exporteure über geringere Margen auf dem Weltmarkt klagten. AgE
Umrechnungskurs: 1 $ = 0,7679 Euro
(29.12.2011)
Diese Seite Drucken – Versenden – Bookmarken
© Copyright 2000 – 2012 raiffeisen.com GmbH & Co. KG











