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Lettland – zwei Betriebe sehr gegensätzlich und Muckefuck

Hannes-Friedrich Böse, Landwirt aus Hespe in Niedersachsen hat einen Blick über den Tellerrand gewagt. Wie läuft Landwirtschaft in Nord- und Osteuropa im Vergleich zu Deutschland ab? Seine Reise hat er in Dänemark begonnen und zahlreiche Abenteuer in Schweden und Estland erlebt. Auf seiner Tour hat er Land und Leuten kennengelernt. Nun möchte er seine Erlebnisse mit Ihnen teilen und den Blick dafür schärfen, dass sich Weitblick lohnen kann.

Ein relativ schneller Sprung für mich Richtung Süden. Aufgrund von anhaltend schlechtem Wetter in Finnland, habe ich das Land zügig durchquert.

In Westlettland habe ich Ernst Glindemann getroffen, ein ehemaliger Bekannter aus der Nähe meines Lehrbetriebs in Gifhorn. 2003 hat er in Deutschland keine Perspektive mehr in der Landwirtschaft gesehen und hat einen Betrieb in der Nähe von Talsi übernommen. Trotz sehr starker Niederschläge, dadurch anhaltende Ernte und gestoppter Aussaat, begrüßte Ernst mich mit einem Strahlen und guter Laune. „Höhere Gewalt, das Wetter kann ich sowieso nicht ändern.“ Ernst ist für mich das absolute Gegenteil der Betriebsleiter, die ich bis jetzt im Baltikum kennen gelernt habe. Expandieren und Flächenbeschaffung ist bei den meisten erstes Ziel, Erträge und Bestandsführung meist zweitrangig. Ernst hingegen setzt auf Feldhygiene, integrierten Pflanzenschutz und achtet durch regelmäßige Kalkung auf den pH-Wert seiner Flächen.

Auf rund 300 Hektar betreibt er Ackerbau und auf rund 80 Hektar Forstwirtschaft, hat Weizenerträge von bis zu 80 dt/ha. Die Passion zur Jagd ist Ernst in die Wiege gelegt, vielleicht daher auch die Lebensfreude? Rotwild und Schwarzwild satt, in atemberaubender Landschaft sind sein Ausgleich. Mehrmals nahm er mich mit zur Jagd und gewährte mir atemberaubende Anblicke auf kapitale Rothirsche, stellte mir ein Bett und reichte mir etwas zu Essen. Endlich mal wieder eine Nacht nicht auf dem Rücksitz des Autos.

Aufgrund der Niederschläge und der hohen Feuchtigkeit im Boden wird hier das Getreide in diesem Jahr mit über 30 Prozent Restfeuchte geerntet und anschließend kostspielig getrocknet.











Abbildung 1: Betrieb Ernst Glindemann – mit 300 Hektar relativ klein für die Region aber mit einem effizienten Management

Weiter auf dem Weg Richtung Süden, habe ich bei Volker Höppner Halt gemacht, ein alter Bekannter von meiner Baltikum-Reise vor vier Jahren. Volker ist Verwalter auf einem knapp 3.000 Hektar Betrieb namens Biagro (der Name bildet sich aus der Planung eines Gemischtbetriebes aus Bio und konventioneller Landwirtschaft) in der Nähe von Kuldiga. In seinem Anbauplan stehen Winterweizen, Winterraps, Bohnen und sogenannte Zichorien. Auf diese interessante Frucht möchte ich später gerne näher eingehen. Auch Volker hat mit den Niederschlägen und dem kurzen Zeitfenster in Lettland zu tun. Meist beginnt die Vegetation erst Ende April, zum 20. September müssen die späten Früchte wie Bohnen geerntet werden und alle Winterfrüchte ausgedrillt sein, denn meist beginnen dann solch Niederschläge, dass die Aussaatbedingungen schlecht sind. Im letzten Jahr hat Volker in ein eigenes Labor investiert, in dem alle relevanten Parameter wie zum Beispiel Trockensubstanzgehalt und Fallzahl von Getreide analysiert werden können. Schon vor der Ernte werden Proben genommen, um den optimalen Erntetermin zu bestimmen. Anders als gewöhnlich in Deutschland ist der entscheidende Faktor nicht die Restfeuchte, sondern die Qualität. Das Zeitfenster sei so kurz, dass ein Großteil des Getreides grundlegend getrocknet wird, erklärt Volker. Warum soll man dann nicht so ernten, dass die Qualitäten erhalten bleiben und die Restfeuchte bei den Ernteterminen als Faktor in den Hintergrund gestellt wird.










Abbildung 2: Die Fallzahlbestimmung wird im eigenen Labor gemacht

Weiter zu den Zichorien, sie sind auch als die „Gemeine Wegwarte“ bekannt und wachsen in Deutschland meist an den Straßenrändern. Die Pflanze besitzt eine tiefreichende Pfahlwurzel, welche ähnlich wie bei der Rübe den Rohstoff liefert. Nach der Blüte sieht der Bestand aus wie ein gewöhnlicher Rübenbestand, auch die Wurzel ähnelt einer Rübe, ist nur ein wenig kleiner. Der Anbau und die Ernte laufen ab wie bei der Zuckerrübe. Hintergrund des Anbaus ist ein Kaffeeersatz Produkt - der sogenannte Muckefuck.

Die Zichorien werden geerntet, anschließend gesäubert und in kleine Schnipsel geschnitten. In einem Trocknungsofen verlieren sie 75 Prozent ihrer Feuchtigkeit und werden dann drei Monate lang gelagert. Anschließend werden sie bei einer Temperatur von 120 bis 140 Grad geröstet. Während des Prozesses karamellisiert der in der Wurzel enthaltene Saft. Dadurch entsteht ein kaffeeähnlicher Geschmack. Die abgekühlten, gerösteten Wurzeln werden anschließend zu einem feinen Pulver gemahlen und mit Speiseölen und Karbonaten sowie Zucker vermischt.












Abbildung 4: Muckefuck als Kaffeeersatz
Für mich geht es nun weiter Richtung Süden, ich freue mich Sie an meinem Erlebnis teilhaben zu lassen.

Viele Grüße Hannes-Friedrich Böse

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.skwp.de und unter http://www.duengerfuchs.de (11.10.2017)

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