| 1. Rohproteingehalt Ein hoher Rohproteingehalt wirkt sich
positiv auf die Brotbackeigenschaften des Weizens aus. Er kann in hohem Maße durch das
Klima, den Boden, die Sorte und die Düngung, besonders durch den Stickstoff, beeinflußt
werden. Für das Segment Keksweizen werden Sorten mit niedrigen Protein- und
Glutengehalten bevorzugt. Für den Roggen ist die Kenntnis des Rohproteingehaltes
gewünscht, jedoch weniger backqualitätsbestimmend.
Nach dem Standardverfahren zur Rohproteinbestimmung nach Kjeldahl wird das Protein mit
konzentrierter Schwefelsäure in Gegenwart eines Katalysators zum Reaktionsprodukt
Ammoniumsulfat aufgeschlossen. In einem zweiten Schritt wird das Ammonium mit Wasserdampf
destilliert und anschließend titriert. Aus diesem ermittelten Stickstoffgehalt wird durch
Multiplikation mit dem Faktor von 5,7 für Weizen und 6,25 für alle anderen Getreidearten
der Rohproteingehalt errechnet und nach Ermittlung des Feuchtegehaltes der Probe auf den
Trockensubstanzgehalt bezogen. Neben dieser Standardmethode haben sich die indirekte
Methode der Nah-Infrarotspktroskopie (NIR-S) und das Dumas-Verfahren etabliert.
Die gewünschten Proteinwerte einer Handelspartie für Weizen sind in gewissem Grade
marktabhängig. Es werden aber in der Regel für Eliteweizen mehr als 14 % i.TM, für
Aufmischweizen etwa 13 % i.TM und für normalen Backweizen 12 % i.TM gefordert. Für
Roggen werden im Handel keine Proteingehalte angegeben, jedoch zeigt sich, daß mit sehr
niedrigen Proteinwerten (< 9 %) die Backqualität sinkt.
| Rohproteingehalt (in % TM) |
Weizen |
Roggen |
| niedrig |
10,5 |
8,0 |
| mittel |
12,5 |
10,5 |
| hoch |
16,5 |
14,5 |
2. Fallzahl nach der Methode Hagberg-Perten
Die Höhe der Fallzahl von Weizen und Roggen wird vor allem durch die Witterung im
Reife- und Erntezeitraum bestimmt. Durch Auswuchs entstehen niedrige Fallzahlwerte.
Mittlere Fallzahlen ergeben die besten Gebäckqualitäten.
Die Fallzahlmethode wird zur Qualitätsbestimmung von Schrot, Mehl und anderen
stärkehaltigen Produkten angewandt. Aus ihr lassen sich Rückschlüsse auf den
Polymerisationsgrad der Inhaltsstoffe, auf den enzymatischen Zustand der Probe, auf das zu
erwartende Backvolumen und auf den Auswuchsgrad ziehen. Dieses viskosimetrische
Meßverfahren basiert auf einer schnellen Verkleisterung der Inhaltsstoffe (7g Schrot/25
ml Wasser). Eine zerkleinerte Probe wird in einer Glasröhre in einem kochenden Wasserbad
60 s gerührt. Nachdem er ausgeklinkt wird, wird die Sinkgeschwindigkeit des Rührers
gemessen. Diese hängt ab von der Aktivität der Amylasen, die den Kleister verflüssigen.
Eine Fallzahl setzt sich aus 60 s Rührzeit und der Fallzeit des Rührers zusammen. Die
Fallzahl 60 wäre dann eine Fallzeit von 0 s und damit das untere Maß der
Bestimmungsmethode. Fallzahlen über 300 werden ungenau und sind nicht genügend
reproduzierbar. Handelspartien des Roggens müssen Fallzahlen von etwa 100 und die des
Weizens etwa 220 aufweisen.
| Fallzahl |
Weizen |
Roggen |
| niedrig |
<150 |
<100 |
| mittel |
250 |
160 |
| hoch |
300 |
250 |
3. Sedimentationstest nach Zeleny von Weizenmehl zur orientierenden Bestimmung der
Backqualität
Gluten bzw. Kleber ist das Reserveprotein des Weizens und bestimmt überwiegend die
Backqualität.
Der Sedimentationstest ist eine indirekte Methode zur Bestimmung der Glutenmenge und der
Glutenqualität in Weizen, er wird für Roggen nicht angewendet. Die Quellung der
Glutenteilchen in Milchsäurelösung beeinflußt die Sedimentationsgeschwindigkeit einer
Mehlsuspension. Der Sedimentationswert ist das nach 5 Minuten sedimentierte Volumen an
gequollenen Mehlteilchen, er wird dimensionslos angegeben. Die Sedimentationswerte liegen
zwischen 8 bei kleberarmen Mehlen mit niedrigem Proteingehalt und 78 bei kleberstarken
Mehlen mit sehr hohem Proteingehalt. Sowohl ein höherer Glutengehalt als auch eine
bessere Glutenqualität führen zu langsamer Sedimentation und folglich zu höheren
Sedimentationswerten.
| Sedimentationswert |
Weizen |
| sehr hoch |
> 50 |
| gut |
35 |
| befriedigend |
20 |
4. Brabender-Amylogramm
Der Brabender-Amylograph ist ein Rotationsviskosimeter. Mit dem aufgenommenen
Amylogramm werden die wichtigsten Verkleisterungseigenschaften der Quellstoffe und vor
allem der Stärke in Verbindung mit den Hydrolasen ermittelt. Dieses beschreibt
maßgeblich das Backverhalten von Roggen. Aus dem Amylogramm werden die Viskosität im
Verkleisterungsmaximum in Amylogrammeinheiten (AE) und die Temperatur in Grad Celsius
(°C) im Verkleisterungsmaximum abgelesen, d.h. entscheidend ist der Punkt, bei dem die
Verkleisterung der Suspension ihr Maximum erreicht. Beeinflußt wird dies vor allem durch
die Aktivität der Enzyme und durch die Beschaffenheit und das Wasseraufnahmevermögen der
Pentosane. In der Regel werden Schrotamylogramme aufgenommen (90 g Schrot/450 ml Wasser).
Eine niedrige Viskosität und Temperatur sind die Folge von hoher Enzymaktivität und/oder
niedrigpolymerer Inhaltsstoffe (Auswuchs oder feuchte, kalte Sommer) und deuten auf eine
unelastische Brotkrume und ein insgesamt schlechtes Backverhalten hin. Eine hohe
Viskosität und Temperatur im gemessenen Amylogramm (heiße, trockene Sommer) würde
ebenfalls zu schlechten Backeigenschaften führen, in diesem Fall sind
Teigverbesserungsmittel anzuwenden. Der Roggen der Handelsklasse Brotroggen
sollte mindestens 200 AE und 63 °C im Verkleisterungsmaximum ausweisen.
| Amylogramm |
Verkleisterungsmaximum
AE |
Temperatur im
Verkleisterungsmaximum
°C |
| niedrig |
200 |
62 |
| mittel |
400 |
63 |
| hoch |
600 |
64 |
5. Feuchtglutengehalt im Weizenmehl
Die Backfähigkeit des Weizens - sie bewirkt ein voluminöses, lockeres, gleichmäßig
geportes, mit elastischer fester Krume hergestelltes Brot - wird vor allem durch das
Gluten geprägt. Das Feuchtgluten, auch als Kleber bezeichnet, ist eine
plastisch-elastische Substanz, die durch mechanisches Auswaschen der Stärke aus einem
Weizenteig und Entfernen des anhaftenden Wassers gewonnen wird. Für die Bestimmung wird
ein Mehl der Type 550 verwendet. Der Glutengehalt ist bezogen auf einen Mehlfeuchtegehalt
von 14 %. Im Feuchtgluten werden etwa 85 % der teigbildenden Weizenproteine erfaßt, die
aus dem hochmolekularen, wenig dehnbaren, elastischen Glutenin und dem
niedermolekulareren, dehnbaren, wenig elastischen Gliadin besteht. Dieses Gluteneiweiß
des Weizens nimmt unter allen Reserveproteinen eine Sonderstellung ein, weil es ein
enormes Wasserbindevermögen hat, sowie die Eigenschaft besitzt, begrenzt quellende,
elastisch -plastische Gele zu bilden. Diese funktionellen Eigenschaften weisen die
Proteine des Roggens nicht auf. Die Glutenqualität ist zum überwiegenden Teil genetisch
determiniert, wird aber durch die Düngung, vor allem mit Stickstoff und Schwefel, das
Klima und den Boden beeinflußt.
| Feuchtglutengehalt (in %) |
Weizen |
| gering |
< 20 |
| niedrig |
20 - 23 |
| mittele |
24 - 27 |
| hoch |
> 28 |
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