BASF will Zulassung auch für GVO-Frittenkartoffel
BERLIN. Nach der EU-Anbaugenehmigung für die gentechnisch veränderte Industriekartoffel Amflora ist die BASF optimistisch, in einigen Jahren auch die Zulassung für eine gentechnisch veränderte Kartoffel zu bekommen, die auf dem Teller der Verbraucher landet. Wie eine Unternehmenssprecherin vergangene Woche gegenüber dem Presse- und Informationsdienst AGRA-EUROPE erklärte, will der Konzern spätestens im nächsten Jahr auf EU-Ebene einen Antrag auf Anbauzulassung für die Frittenkartoffel Fortuna stellen. Die Kartoffel sei mit Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule ausgestattet. Diese Eigenschaft sei in die Pflanze aus dem Erbgut von Wildkartoffeln aus Lateinamerika eingebaut worden. Bereits auf dem Wege der konventionellen Züchtung habe man versucht, europäische Kartoffelsorten mit der Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule auszustatten, habe jedoch hohe Ertragseinbußen hinnehmen müssen. Dies soll bei Fortuna nicht der Fall sein. Die BASF rechnet damit, dass mit dem konventionellen Anbau der Fortuna ab 2015 begonnen werden kann. Bei Feldversuchen seien ein Abstand von 10 m zu konventionellen Kartoffeln eingehalten und eine sichtbare Trennlinie gezogen worden. Für den kommerziellen Anbau gebe es in diesem Punkt noch keine Regeln. Die Sprecherin betonte aber, dass bei Kartoffeln die Vermehrung über die Knolle erfolgt und man sich nicht zuletzt deshalb mit Blick auf mögliche Vermischungen für gewappnet hält.
Positives Signal
Die Zulassung der Stärkekartoffel Amflora nach 13-jährigem Zulassungsmarathon stimmt die BASF optimistisch, dass es künftig einfacher ist, eine Genehmigung für den Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in der EU zu erhalten. „Wir hoffen, das hat ein Signal gesetzt“, betonte die Sprecherin. Noch verfrüht sei es, zum erwogenen Kompetenzzuwachs der EU-Mitgliedstaaten bei der GVO-Zulassung Stellung zu nehmen. Verbraucherschutzkommissar John D a l l i habe gesagt, er wolle eine Diskussion anstoßen. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, meinte die Sprecherin (vgl. EU-NACHRICHTEN 1 i.d.Ausg.). Bestärkt in den positiven Signalen für den Gentechnikanbau sieht sich die BASF im Koalitionsvertrag von Union und FDP, in den die Amflora namentlich Eingang fand und Unterstützung für deren Anbau zugesagt wird. In diesem Jahr soll Amflora in Deutschland auf rund 20 ha zur Saatgutvermehrung angebaut werden.
Nächster Zulassungsantrag schon bald
Mit der langen Zulassungs-Vorgeschichte von Amflora erklärt sich auch, dass die BASF mittlerweile schon eine zweite Gentechnik-Kartoffel in Planung hat, die nur Amylopektin-Stärke bildet. Wie Amflora soll auch sie für industrielle Anwendungen dienen, die Pülpe allerdings auch als Tierfutter herhalten können. Den Zulassungsantrag für diese Kartoffel will BASF laut eigenen Angaben in den nächsten Monaten einreichen. Feldversuche zu beiden Linien, Fortuna und der noch namenlosen Stärkekartoffel, laufen laut Angaben der BASF-Sprecherin seit 2006. Das Vorgehen sei das gleiche wie bei Amflora; ein Gen sei „ausgeschaltet“ worden, erläuterte die Sprecherin zur GVO-Eigenschaft der neuen Stärkekartoffel. Die neue Linie sei zudem mit einer verbesserten Resistenz gegen Nematoden ausgestattet und habe einen höheren Ertrag als Amflora. AgE
(11.03.2010)
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