Wir verwenden Cookies, um eine individuelle Nutzung dieser Webseite zu erlauben und Werbung auf Webseiten von raiffeisen.com und Dritten anzuzeigen. OK Mehr erfahren

Brexit

No-deal-Szenario für deutsche Agrarbranche weniger schmerzhaft

Weitersagen: Facebook Twitter Mail
 
Copyright: Shutterstock
Ein "harter" Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union wird sich auf die deutsche Agrarwirtschaft nicht so gravierend auswirken wie bislang angenommen. Zu dieser Einschätzung kommen Wissenschaftler des Thünen-Instituts (TI) nach neuesten Berechnungen. "Im Licht der jetzigen Entwicklung ergeben unsere Berechnungen, dass sich der Agrarüberschuss Deutschlands bei einem harten Brexit nur um circa 1 Mrd Euro verringert", erklärte Prof. Martin Banse vom TI für Marktanalyse heute in Braunschweig. Zuvor war noch mit einer fast doppelt so hohen Verringerung bei einem No-deal-Szenario gerechnet worden.


Der Grund für die neue Schätzung ist laut Banse, dass vor dem 13. März 2019 noch davon ausgegangen werden musste, dass das Vereinigte Königreich bei einem No-Deal-Szenario die gleichen Zölle anwenden würde, wie sie die EU eingeführt habe. Mit den Zöllen, die die britische Regierung nun angekündigt habe, fielen die Schutzmaßnahmen jedoch deutlich moderater aus. Für Getreide, Obst und Gemüse, Zucker, Getränke und Tabak würde London weiterhin zollfreie Einfuhren zulassen. Für Reis, Fleisch und Wurstwaren fielen Zölle an, die geringer seien als im bislang zugrundegelegten Meistbegünstigungs-(MFN)-EU-Szenario.
Nach dem aktuellen Szenario sei zu erwarten, dass die deutsche Agrarproduktion bis 2027 als Folge des Brexit um insgesamt 190 Mio Euro zurückgehen werde, führte Banse aus. Somit würden die Produktionseffekte nicht so schwerwiegend sein, wie zunächst mit etwa 1,2 Mrd Euro in dem MFN-EU-Szenario abgeschätzt worden sei. Die deutsche Produktion werde in kaum einer Warengruppe um mehr als 0,5 % sinken. Ausnahmen bildeten die Schweine- und Geflügelzucht sowie Schweine- und Geflügelfleisch, wo mit einem Rückgang um 1,2 % gerechnet werde. Für Weizen, Zucker, Rindfleisch und Milch würden sogar Produktionszuwächse von 0,1 % bis 0,8 % erwartet.

Im Jahr 2017 exportierte Deutschland landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von 4,8 Mrd Euro in das Vereinigte Königreich, während die Importe 1,6 Mrd Euro betrugen. Das brachte für Deutschland einen Überschuss von etwa 3,2 Mrd Euro - so hoch wie bei keinem anderen Land. Die TI- Wissenschaftler waren 2018 zu dem Schluss gekommen, dass sich dieser Überschuss bei einem harten Brexit um rund 1,9 Mrd Euro verringern würde. AgE (15.07.2019)
Weitersagen: Facebook Twitter Mail
 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehrwertsteuerpauschalierung
Geltende Regelung laut Bundesfinanzministerium mit EU-Recht vereinbar
12.08.2019 — Das Bundesfinanzministerium hält die aktuelle Regelung zur Mehrwertsteuerpauschalierung für Landwirte mit dem bestehenden EU-Recht für vereinbar.
Afrikanische Schweinepest
FAO warnt vor Seuchenzug in Asien
11.08.2019 — Vor einem Jahr ist erstmals die Afrikanische Schweinepest (ASP) in einem chinesischen Nutzschweinebestand nachgewiesen worden; seitdem hat sich die hochansteckende Tierseuche in fünf weitere Länder der Region verbreitet.
Fleischsteuer
Thünen-Präsident empfiehlt Grundsatzdiskussion
09.08.2019 — In der Diskussion um eine Fleischsteuer hat der Präsident des Thünen-Instituts (TI), Prof. Folkhard Isermeyer, empfohlen, stattdessen zunächst eine Grundsatzdiskussion über die Entwicklung der deutschen Tierhaltung zu führen. "Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wird kein Schwein glücklicher machen", erklärte Isermeyer heute.
Acker24
Ackerschlagkartei und Nährstoffmanagement
Sie möchten den Arbeitsaufwand mit Ihrer Ackerschlagkartei minimieren? Neben der Schlagkartei bietet Acker24 dem Landwirt auch die Möglichkeit, sein Nährstoffmanagement gesetzeskonform zu dokumentieren. Eine Schnittstelle zu zahlreichen Raiffeisen-Genossenschaften vereinfacht die Dokumentation für Schlagkartei und Stoffstrombilanz erheblich.
Share Deals
Bundeslandwirtschaftsministerium für schärfere Neuregelung
02.08.2019 — Das Bundeslandwirtschaftsministerium will im weiteren parlamentarischen Verfahren zur Neuregelung der "Share Deals" beim Transfer von Grundstücken noch auf schärfere Bestimmungen drängen. Dabei wird es nach Aussage einer Ministeriumssprecherin entscheidend darauf ankommen, ob es gelingt, die Finanzminister von weitergehenden Lösungen zu überzeugen

xs

sm

md

lg

xl