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Milchtankstelle

So fühlt sich die Kuh pudelwohl

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Am Ortseingang von Gerolsbach grüßt ein riesiges blaues Schild: "Frische Landmilch
rund um die Uhr von Wintermayr's Milchtankstelle". Und das ist kein leeres Versprechen.
Sogar, wenn jemand mitten in der Nacht feststellt, ich habe Heißhunger auf frische Milch - bekommt er sie auf dem Hof der Wintermayr's problemlos - Tag und Nacht. Mitten im Dorf liegt der Hof der Wintermayr's, der einzige Landwirt, der hier noch Milch produziert.Auf diesem Hof sind auch Theresa und Magdalena zuhause.
Die beiden Schwestern, acht und fünf Jahre alt, sind die Jüngsten der Familie. Ihre Eltern bewirtschaften seit 2006 den Hof mit 80 Fleckviehkühen plus Nachzuchten. Es ist ein
richtiges Familienunternehmen – alle arbeiten mit auf dem 90 Hektar großen Betrieb.
Ein Drittel davon ist Grünland, etwa zwei Drittel Acker mit 8 ha Wald. "Weizen liefern wir
an die Mühle, Futtergerste und Silomais benötigen wir für das Vieh", erläutert Vater Wintermayr. Im Laufe der Jahre wurde der alte Milchviehstall zu klein. "Wir haben lange
überlegt, ob wir den alten Stall umbauen oder einen neuen errichten", so Theresa's
Mutter. Letztlich entschied die viele Arbeit über den Stallneubau. "Weil wir immer gemeinsam melken mussten, blieb einfach zu wenig Zeit für die Familie und andere Arbeiten auf dem Hof", erläutert Vater Christian. Deshalb setzt die Familie jetzt auf ein vollautomatisches Melksystem mit Melkrobotern. 2013 fiel der Startschuss für den Neubau und bald war es soweit, dass die Milchkühe in ihr neues Zuhause umziehen konnten. Mit dem neuen Stall wurden die sehr positiven Veränderungen für Mensch und Tier schnell sichtbar.
Da ist zunächst die Arbeitsweise der Melkroboter: jetzt entscheiden die Kühe selbst, wann sie zum Melken kommen. Um die Kühe, die keine Lust auf Roboter haben, kümmert sich Theresa: "Auf dem Bildschirm kann man sehen, welche Kühe überfällig sind. Die Nummern schreibe ich auf und hole dann die Kühe." Jede Kuh erhält beim Melken eine festgelegte Kraftfutterration. Je nachdem, wieviel Milch sie gibt, wird diese Menge auf zwei bis vier Melkvorgänge verteilt. Die Kuh weiß also, dass sie immer Futter erhält, egal, wann sie kommt. So hat jede Kuh ihren eigenen Rhythmus und wenig Stress. Dafür sorgt auch ein großzügiger Wartebereich vor dem Eingang zu den beiden Melkrobotern. "Erstaunlicherweise kommen viele Kühe zwischen 22 und 2 Uhr in der Nacht zum Melken", weiß Christina Wintermayr zu berichten. Die Computersteuerung sorgt dabei für eine perfekte Überwachung: sie erkennt jede Kuh, erfasst ihre Milchleistung, verteilt die Futterrationen über den Tag und steuert den Zugang zu den beiden Boxen mit den Melkrobotern. Das vollautomatische Melken ist sehr sanft für die Tiere. Das kann man daran erkennen, wie ruhig die Tiere im Melkstand stehen. Euter und Zitzen werden über Sensoren und Kamera erfasst, gereinigt, durch den Roboterarm angesetzt und dann gemolken. Ist die Kuh ausgemolken, nimmt der Roboter das Melkzeug wieder ab und die Kuh kann die Melkbox verlassen. Für die Familie bleibt das wichtige Beobachten und Kontrollieren der Kühe. Das ist aber genauso notwendig wie das Melken selbst, wissen alle. Denn Tiergesundheit und Tierwohl stehen immer im Mittelpunkt. Außerdem arbeitet das Computersystem nur so gut, wie es mit Informationen vom Menschen "gefüttert" wird.
Zu den üblichen "Melkzeiten" morgens und nachmittags kümmert sich die Familie
hauptsächlich um den Nachwuchs: Damit die Kälber sofort die frische Milch ihrer Mütter bekommen. Vater Christian vermisst das Melken zwar - für ihn war es immer die schönste Arbeit – er und die Familie wissen aber die vielen Vorteile der neuen Technik zu schätzen. Der Melkroboter arbeitet sehr zuverlässig und so können sich beide Elternteile abwechseln. "Jetzt kann ich auch mal mit zu Familienfeiern oder in die Schule, wenn Elternabend ist", freut sich der Vater. Passieren kann nichts, denn Kontroll- und
Fehlermeldungen über die Melkroboter bekommt der Landwirt per SMS vom Computer aufs Handy. Im neuen Stall haben es die Kühe auch sonst gut. Er ist sehr hell und die Tiere liegen in ihren Boxen auf Stroh. Die Stallwände lassen sich an allen Seiten
herunterfahren, so ist die Belüftung zu regulieren und die Kühe stehen quasi wie im Freien. Die Wintermayr’s sind richtig froh, diesen Schritt gegangen zu sein, obwohl
die Kosten schon enorm hoch sind. Aber Wintermayr’s tun (fast) alles für ihre Kühe, die sich jetzt "pudelwohl" fühlen. Und der Familie bleibt mehr Zeit für gemeinsame Aktivitäten.
Milch tanken für Selbstbediener

Theresa und ihre Eltern erklären geduldig jedem der staunenden Neukunden, wie die Milchtankstelle funktioniert und wie einfach es ist, ohne fremde Hilfe und jederzeit frische Milch mit nach Hause zu nehmen. "Man wirft einfach 1 Euro oben in den Schlitz des Automaten. Dann stellt man eine Glasflasche unter den Ausschank, drückt den Start-Knopf", erklärt Theresa. Und schon läuft die Milch in die Flasche. Eine super Sache, so eine Milchtankstelle. Natürlich auch für die Familie des Hofes, denn dadurch erhält sie
einen kleinen Teil des fairen Milchpreises.


Den gesamten Artikel zum Ausdrucken findet ihr hier.


(17.06.2019)
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