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Fleischwirtschaft

Eingeschränkte Schlachtung in Sögel wieder möglich

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Unter strengen Auflagen hat die zur Tönnies-Gruppe gehörende Weidemark Fleischwaren GmbH den Betrieb des Schlachthofs in Sögel heute wieder aufnehmen dürfen. Wie der Landkreis Emsland mitteilte, verständigten sich beide Seiten auf eine Vorgehensweise. Das vorgelegte Konzept zum Wiederbetrieb sei aus infektiologischer Sicht tragfähig. "Insofern kann die Arbeit unter den veränderten Rahmenbedingungen wieder anlaufen, wenn auch in eingeschränktem Maß", erklärte Landrat Marc-André Burgdorf.
Tönnies hatte Klage gegen die Schließung des Werks eingelegt und auf die rückläufigen Infektionszahlen bei den Mitarbeitern verwiesen. Gleichzeitig wurde ein umfassendes Hygienekonzept vorgelegt, das nach Prüfung akzeptiert wurde. Kernidee des Konzepts ist die Arbeitsquarantäne der Mitarbeiter in den Bereichen der Zerlegung, Verpackung, Kommissionierung und Versand. "Vorerst dürfen sich diese Mitarbeiter nur zwischen Wohnort und Arbeitsort bewegen", erläuterte Weidemark-Geschäftsführer Christopher Rengstorf.
Der Betrieb startet heute laut Tönnies wieder in der Verwaltung, der Technik und der Schlachtung. Die Kernbereiche der Produktion folgen am Dienstag mit verringerter Mitarbeiterzahl. So wird in der Zerlegung beispielsweise nur mit rund einem Drittel der 600 üblichen Kräfte gearbeitet. Alle Mitarbeiter der vorerst bis Ende Oktober bestehenden Arbeitsquarantäne werden weiter täglich getestet, sowohl mit dem PCR-Test als auch mit dem Antigenschnelltest. Als weiteren Baustein hat die Konzernspitze dem Landkreis zufolge den sofortigen Einbau von Hepa-Spezialfiltern in sämtlichen gekühlten Bereichen realisiert. Zudem müssen alle Produktionsmitarbeiter auf dem Werksgelände FFP2-Masken tragen.
Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) begrüßte, dass eine "fachlich orientierte Lösung gefunden wurde, um den Schlacht- und Zerlegebetrieb in Sögel zumindest reduziert weiterlaufen zu lassen, ohne den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter zu vernachlässigen". Wichtige Weichen für einen Abbau des "Schweinestaus" seien auch am vergangenen Freitag beim Branchengipfel Fleisch gestellt worden. Dazu zählten eine enge Abstimmung der Beteiligten zur Optimierung der Schlacht- und Zerlegekapazitäten, temporäre Ausnahmegenehmigungen für das Schlachten an Sonn- und Feiertagen und die Erstellung eines Leitfadens zum Umgang mit Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben. Allerdings sei "der Weg zur Lösung des Schweinestaus noch weit", betonte die ISN.
In Niedersachsen hat unterdessen ein Tweet des ehemaligen Landwirtschaftsministers Christian Meyer zur Wiederaufnahme der Produktion in Sögel für Empörung gesorgt. In diesem kritisiert er, dass "ein paar Proteste von Schweinebauern und Tönnies" ausreichten, und schon würden CDU, Landkreis und Gesundheitsministerin Carola Reimann "einknicken" und aus dem ursprünglich verfügten 22-tägigen Stillstand würden nur wenige Stunden. Der CDU-Fraktionschef im Landtag, Dirk Toepffer, warf Meyer daraufhin angesichts der Not der Schweinehalter fehlende Empathie und Realitätsverweigerung vor. "Während die Landwirte nicht wissen, wie sie die täglich neu hinzukommenden Ferkel tiergerecht versorgen sollen und vor Sorge nicht mehr schlafen können, betreibt Christian Meyer Symbolpolitik im Stil der 80er-Jahre", kritisierte Toepffer. AgE (13.10.2020)
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