Ernährungssicherheit

Ägypten lässt inzwischen Mehl strecken

Weitersagen: WhatsApp Facebook Twitter Mail
 
Copyright: pixabay.com
Die Sorge um die Versorgungssicherheit der eigenen Bevölkerung und die innenpolitischen Folgen einer möglichen Nahrungsmittelknappheit lässt die ägyptische Regierung zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen. Wie die dänische Jyske-Bank in ihren Erntekommentar berichtet, wurden die vom Staat subventionierten ägyptischen Mühlen aufgefordert, den Anteil von Weizenkleie im Mehl auf 6,0 % zu erhöhen. Kairo verspricht sich davon eine Reduzierung des Weizenverbrauchs bei der Vermahlung und damit eine Senkung des Importbedarfs um immerhin 500 000 t pro Jahr.


Der traditionelle Brotfladen ist das wichtigste Grundnahrungsmittel der ägyptischen Bevölkerung. Zugleich ist das Land stark von Weizenimporten abhängig; es bezog dabei im vergangenen Jahr rund 80 % seines Bedarfs aus dem Schwarzmeerraum. Nachdem Russland die ukrainischen Häfen blockiert hatte, brach somit auch die wichtigste Versorgungslinie Ägyptens bei Weizen weg. Dennoch weigerte sich das Land, von Russland Getreide abzunehmen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit aus den besetzten ukrainischen Gebieten stammt.
Gleichwohl treibt die Kairoer Regierung die Furcht vor einem neuen "arabischen Frühling" um: 2011 waren die Menschen in vielen arabischen Autokratien mit der Forderung nach "Brot, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit" auf die Straße gegangen; teilweise eskalierte der zunächst friedliche Protest und es kam zu gewaltsamen Aufständen. In Syrien folgte ein Aufstand, den Machthaber Baschar Hafiz al-Assad mit militärischer Hilfe durch Russland brutal niederstreckte.
Nachdem die russische Invasion und die Blockade der Ukraine für eine Preisexplosion an den internationalen Getreidebörsen gesorgt hatten, deckelte die ägyptische Regierung im März die Preise für Brot, um solche sozialen und politischen Folgen zu vermeiden. Fraglich bleibt jedoch, wie lange dieser Zustand fortgesetzt werden kann. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) veranschlagt die Weizenimporte Ägyptens im jetzt zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr 2021/22 auf 11,75 Mio t. AgE (29.06.2022)
Weitersagen: WhatsApp Facebook Twitter Mail
 

Das könnte Sie auch interessieren

Destatis-Ernteschätzung
Halmgetreideaufkommen knapp unter Vorjahresniveau erwartet
05.08.2022 — Die diesjährige Halmgetreideproduktion in Deutschland wird die Menge von 2021 nach amtlicher Vorhersage knapp verfehlen, während die Erzeugung von Winterraps wahrscheinlich etwas höher ausgefallen ist. Wie aus der jetzt veröffentlichten, ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervorgeht, die noch auf Erhebungen von Ende Juni fußt, ist mit 37,46 Mio t Getreide ohne Körnermais und Corn-Cob-Mix (CCM) zu rechnen.
Ukraine
Erstes Frachtschiff mit ukrainischem Getreide am Bosporus angekommen
03.08.2022 — Der am Montag von Odessa abgefahrene Getreidefrachter ist ohne Zwischenfälle in türkischen Hoheitsgewässern angekommen. Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums liegt der mit 26 000 t beladene Transporter "Razoni" seit gestern Abend an der Mündung des Bosporus und soll noch heute von türkischen Behörden inspiziert werden. Es handelt sich um die erste Lieferung von ukrainischen Seehäfen seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Getreideernte
Verhaltene Aussichten für den Südwesten
02.08.2022 — Die ersten amtlichen Schätzungen zur diesjährigen Getreideernte in den südwestlichen Bundesländern sind nicht übermäßig optimistisch ausgefallen. Das Getreideaufkommen in Baden-Württemberg soll voraussichtlich höher als im Vorjahr ausfallen, während in Rheinland-Pfalz mit einem spürbaren Rückgang gerechnet wird.
Versicherungen
Ertragsschadenversicherung (EVT)
Der Schutz vor finanziellen Einbußen bei größeren Tierbeständen. Fälle wie die Afrikanische Schweinepest machen deutlich: Seuchenprophylaxe auf dem eigenen Hof ist wichtig. Wie schnell sind Sie jedoch indirekt von einer Seuche betroffen und z. B. mit einem Vermarktungsverbot belegt! Dann übernimmt eine Ertragsschadenversicherung den finanziellen Ausfall.
Ernteprognose
Spanien rechnet offiziell mit einem Viertel weniger Wintergetreide
27.07.2022 — In Spanien wird die Wintergetreideernte in diesem Jahr um fast ein Viertel kleiner ausfallen als in der vorherigen Saison. Das schätzt aktuell das Landwirtschaftsministerium in Madrid, allerdings auf der Basis von Daten der Autonomen Gemeinschaften vom 31 Mai. Zwischenzeitlich ist Südeuropa aber von einer heftigen Hitzewelle heimgesucht worden, weshalb die Ertragseinbußen noch höher ausfallen könnten.

xs

sm

md

lg

xl