Dritte DRV-Ernteprognose

Trockenheit im Norden und Osten lässt die Ertragserwartungen schrumpfen

Weitersagen: WhatsApp Facebook Twitter Mail
 
Copyright: Shutterstock
Wegen der regional sehr trockenen Witterung hat der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) seine Prognose zur diesjährigen Getreide- und Ölsaatenernte zurückgenommen. In seiner heute vorgelegten dritten Ernteschätzung beziffert der Verband die Getreideproduktion auf 42,9 Mio t und das Rapsaufkommen auf 3,8 Mio t. Im April hatte der DRV noch mit 43,6 Mio t Getreide und 3,9 Mio t Raps gerechnet. Dennoch würde auch die neueste Schätzung noch einem durchschnittlichen Ergebnis entsprechen.


"Wenn in den kommenden Tagen insbesondere in Ostdeutschland keine ergiebigen Niederschläge fallen, sind spürbare Ertragseinbußen wahrscheinlich", erläuterte DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler die aktuelle Bestandssituation. Nach seinen Angaben ist im Osten Deutschlands teilweise seit fünf Wochen kein nennenswerter Regen mehr gefallen. Die Wasservorräte im Oberboden seien daher nahezu aufgebraucht. Auch im Norden und Westen Deutschlands werde das Wasser langsam knapp, so Seedler. Im Süden sei die Wasserversorgung in der Summe hingegen noch befriedigend bis gut.
Kritisch bewertet der DRV die globale Entwicklung. Die ersten weltweiten Prognosen für die neue Getreideernte beinhalteten ein Defizit von etwa 30 Mio t. Maßgeblich für diese schlechten Aussichten seien in erster Linie die zu erwartenden Ernteausfälle in der Ukraine. Das Defizit könnte sich nach Einschätzung des DRV sogar noch ausweiten, denn in den Versorgungsbilanzen werden noch erhebliche Getreideexporte aus der Ukraine berücksichtigt. "Ob die Mengen tatsächlich auf den Weltmarkt gelangen, ist aufgrund des andauernden Krieges mehr als fraglich", betonte Seedler. So werde täglich weitere Transportinfrastruktur zerstört; zudem intensiviere Russland die Angriffe auf den wichtigen Umschlaghafen Odessa.
Der DRV-Marktexperte weist darauf hin, dass auch die Ernten in anderen wichtigen Anbauregionen der Welt trockenheitsbedingt geringer ausfallen könnten als prognostiziert. In Indien, weiten Teilen der USA, aber auch in europäischen Staaten wie Frankreich herrsche Wasserknappheit. Ungeachtet dessen erwartet Seedler für Deutschland und Europa derzeit - abgesehen von einzelnen Produkten wie Sonnenblumenöl - keine Versorgungsprobleme. Anders sehe die Lage jedoch in Dritte-Welt-Staaten mit einem hohen Importbedarf an Getreide aus; dort bestehe die reale Gefahr von Versorgungsengpässen. AgE (12.05.2022)
Weitersagen: WhatsApp Facebook Twitter Mail
 

Das könnte Sie auch interessieren

Europa
Dürre nimmt drastische Ausmaße an
24.08.2022 — Die Dürre in Europa greift immer weiter um sich. Wie aus dem jüngsten Bericht der Europäischen Dürre-Beobachtungsstelle (EDO) hervorgeht, waren bis einschließlich 10.August 47 % der Fläche von einer Dürrewarnung betroffen; auf 17 % wurde der Zustand als alarmierend eingestuft.
Neue DRV-Ernteschätzung
Dürre vernichtet 600 000 Tonnen Körnermais
18.08.2022 — Die anhaltende Dürre hat nach Einschätzung des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) beim Körnermais massive Ertragsausfälle zur Folge. Gegenwärtig rechnet der Verband mit fast 600 000 t, die aufgrund von Hitze und Trockenheit verlorengehen dürften. "Das sind rund 15 % der ursprünglich prognostizierten Erntemenge", erklärte DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler gestern in Berlin.
Hitze und Dürre in Bayern
Heidl fordert Soforthilfen für die Landwirtschaft
04.08.2022 — Angesichts von deutlichen Hitze- und Dürreschäden auf den Äckern, Wiesen und Weiden in Bayern hat der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Walter Heidl, heute die Politik zum Handeln aufgefordert. In einem Positionspapier fordert der Verband staatliche Soforthilfen für schwer von Trockenheit und Hitze betroffene Betriebe.
Versicherungen
Ertragsschadenversicherung (EVT)
Der Schutz vor finanziellen Einbußen bei größeren Tierbeständen. Fälle wie die Afrikanische Schweinepest machen deutlich: Seuchenprophylaxe auf dem eigenen Hof ist wichtig. Wie schnell sind Sie jedoch indirekt von einer Seuche betroffen und z. B. mit einem Vermarktungsverbot belegt! Dann übernimmt eine Ertragsschadenversicherung den finanziellen Ausfall.

xs

sm

md

lg

xl