Krise am Schweinemarkt

Unternehmensberater ruft nach Ausstiegsförderung

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Eine Ausstiegsförderung für Deutschlands Schweinehalter hat Unternehmensberater Klaus-Martin Fischer von Ebner Stolz gefordert. Die Rahmenbedingungen für die Betriebe seien aktuell sehr schwierig, erklärte Fischer gestern in einem gemeinsamen Vortrag mit seinem Kollegen Christoph Havermann bei einem Netzwerkforum des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF) in Essen. Eines der Kernprobleme sei das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland, durch das der Export zusammengebrochen und der Schweinefleischpreis abgestürzt seien. Ein Ende der Entwicklung sei nicht in Sicht, betonte Fischer und prognostizierte für Ende September einen Schweinepreis von 1,15 Euro je kg.


Vorwürfe, der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) sei für den Preisrutsch verantwortlich, bezeichnete Fischer als unbegründet. Die Einkaufspreise des Handels hätten sich recht konstant gehalten. Vielmehr habe die Schlachtindustrie die Auszahlungspreise herabgesetzt, um eigene, durch den Exportstopp verursachte Verluste auszugleichen. Zugleich warnte der Unternehmensberater vor höheren Schweinefleischpreisen hierzulande. Diese würden spanische Lieferanten anlocken, die ihrerseits Absatzprobleme hätten.
Als weitere Herausforderungen der heimischen Betriebe identifizierten Fischer und Havermann die hohen Futterpreise, die regulatorischen Vorgaben zum Beispiel bei der Düngung sowie politische Vorhaben auf nationaler und europäischer Ebene, etwa den Green Deal. Hinzu kämen die Ankündigungen des LEH zur Listung von Fleisch mit hoher Haltungsstufe. Die Umsetzung sei zwangsläufig mit höheren Verbraucherpreisen verbunden, so Fischer. Bei Fleisch sei die große Mehrheit der Verbraucher aber sehr preissensibel. Für die Zukunft zu erwarten sei eine Zweiteilung des Marktes mit einem kleinen Segment an Premiumware, die sehr hohe Nachhaltigkeitsanforderungen erfülle, und einem größeren Segment mit Fleisch der Haltungsstufe zwei.
Außerdem müssten sich heimische Schweineflesicherzeuger auf die Konkurrenz aus Spanien einstellen, wo die Produktionskosten geringer seien, erklärte Fischer. Mit Blick auf Drittlandsimporte kritisierte Havermann, dass die Politik eine Antwort schuldig bleibe, wenn es um den Schutz vor Einfuhren mit geringeren Standards gehe. Langfristig überleben werden nach Einschätzung der Experten in der Schweinefleischbranche hierzulande nur solche Betriebe, die ihre Prozesse, Systeme und Organisation optimieren können, eine gute Vernetzung und Reputation haben sowie die Nachhaltigkeitsziele integrieren. Außerdem könne die integrierte Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette Vorteile verschaffen. AgE (06.09.2021)
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