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Interview mit Direktvermarktungsbetrieb Austermann

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Copyright: hofladen-austermann.de
Familie Austermann aus Warendorf bewirtschaftet über 100 ha Ackerfläche im wunderschönen Münsterland. Mit viel Engagement und Einsatz vertreiben Sie die eigenen Produkte im Hofladen und im Shop auf ihrer Webseite. Das Angebot umfasst ja nach Saison hofeigenes Obst und Gemüse, selbst hergestellte Suppen und Eintöpfe, eingelegte Gurken von den eigenen Feldern, Wurstspezialitäten und vieles mehr. Im Interview erzählt Johanna Austermann über die Gründe und Anfänge der Direktvermarktung, Chancen und Herausforderungen.
raiffeisen.com: "Wann haben Sie mit der Direktvermarktung gestartet, mit welchen Produkten und was war der innere Antrieb und die Motivation dabei?"
Johanna Austermann: Wir haben vor über 25 Jahre mit der Direktvermarktung angefangen. Meine Eltern haben mit einem saisonal geöffneten Hofladenverkauf in der Spargelzeit gestartet. Die Motivation war den Kunden direkt landwirtschaftliche Erzeugnisse zu verkaufen und nicht über den Großhandel zu gehen.
raiffeisen.com: "Inwiefern hat sich im Laufe der Zeit Ihr Ackerbau und damit verbunden auch das Sortiment im Hofladen und im Onlineshop verändert?"
Johanna Austermann: Nach einer Zeit haben wir immer mehr Gemüsesorten angebaut. Wir haben heute sogar eine kleine Apfelplantage und bauen auch Erdbeeren an. Die Gemüsefläche hat sich schnell vergrößert. Wir haben uns hierbei auf den Anbau und die Verarbeitung von Gemüse insbesondere auf Einlegegurken spezialisiert. Heute fängt unsere Saison mit Erdbeeren an, geht weiter mit Gurken sowie viele Sommergemüsesorten, über Kürbisse und schließt ab mit dem Wintergemüse wie verschiedene Kohlsorten. Aus diesem Grund haben wir unsere Spargelflächen vor einigen Jahren an einem Spargelbauern aus der Nachbarschaft abgegeben, der uns täglich beliefert. So zieht sich unsere Saison nicht das ganze Jahr. Heute haben wir einen Hofladen der ganzjährig geöffnet hat und auch einen Online Shop. Sich die Kundschaft aufzubauen, dauert eine lange Zeit.
raiffeisen.com: "Wo sehen Sie die Vorteile eines Hofladens im Vergleich zum Vertrieb der Produkte über den Lebensmitteleinzelhandel? Für Sie als Landwirte und auch für die Verbraucher? "
Johanna Austermann: Der große Vorteil ist der direkt Kontakt zum Kunden und die Unabhängigkeit. Beim Lebensmitteleinzelhandel ist man sehr auf die aktuellen Marktpreise angewiesen und oft müssen Landwirte unter den Eigenkosten in der Hochsaison ihre Produkte verkaufen. Vom LEH wird ausgenutzt, dass man verderbliche Produkte anbietet. Für den Verbraucher sind die Produkte von Hofläden frischer und haben oft eine höhere Qualität. Es gibt z.B. Erdbeersorten welche speziell für den LEH angebaut werden und sich länger halten. Hier hat man natürlich Geschmackseinbußen. Für den Hofladen baut man geschmacksintensivere Sorten an und legt hierauf mehr Wert.
raiffeisen.com: "Wie verändert sich das Verbraucherverhalten? Gibt es langfristige Trends und welche Auswirkungen hat die Corona Pandemie auf das Einkaufsverhalten im letzten halben Jahr?"
Johanna Austermann: Der Trend geht wieder zum selbst herstellen und kochen zurück. Die Gesellschaft spaltet sich. Die einen kaufen immer mehr Fertigprodukte und die anderen legen immer höheren Wert auf Lebensmittel und möchten wissen wo es herkommt. In der Corona Pandemie kochen immer mehr Menschen wieder selbst wegen Kurzarbeit, Homeoffice, geschlossener Restaurants etc. Das Kochen wird so wieder zu einem Event. Gerade regionale Lebensmittel sind in der Corona Pandemie mehr gefragt.
raiffeisen.com: "Wo liegen die alltäglichen Herausforderungen und vielleicht sogar Probleme für die Direktvermarkter? Hat es Rückschläge gegeben?"
Johanna Austermann: Wir sind darauf angewiesen, dass unsere Kunden mobil sind und noch zum Hofladen raus fahren. Gerade die Monate Januar bis März sind sehr ruhig, da es hier nicht wirklich saisonale Produkte gibt. Die Herausforderungen stammen auch oft von der gesetzlichen Lage. Von kleinen Hofläden wird das gleiche erwartet, wie von großen LEH Ketten. Die immer höhere Bürokratie und weitere Vorschriften sorgen dafür, dass immer neue Kosten entstehen. Der Aufwand lohnt sich oft für kleinere Hofläden nicht. So geben z.B. immer mehr Hofläden das Kochen von eigener Marmelade auf, da einfach die Vorschriften heutzutage immer mehr werden. Ich bedaure sehr, dass es hier den Kleineren so schwer gemacht wird. Wir müssen uns immer genau überlegen mit jeder neuen Vorschrift "Lohnt es sich noch, dieses Produkt selbst herzustellen?".
raiffeisen.com: "Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe interessieren sich für die Direktvermarktung. Was sind für Sie die wesentlichen Grundvoraussetzungen, die ein Betrieb erfüllen muss, um so ein Projekt zu starten und was wären Ihre wichtigsten Tipps für die Berufskollegen?"
Johanna Austermann: Langes Durchhaltevermögen, Spaß an Vorschriften und Bürokratie, Spaß und Freude mit dem direkten Kontakt zu Kunden.
raiffeisen.com: "Einige Ihrer Produkte bieten Sie mittlerweile unverpackt an. Wie wird diese Idee von den Verbrauchern angenommen?"
Johanna Austermann: Es wird sehr positiv angenommen. Uns und unseren Kunden ist Nachhaltigkeit wichtig. Wir gehen auch hier immer auf Kundenwünsche ein, falls bestimmte Produkte noch in unser Unverpackt Ecke fehlen. Das ist auf jeden Fall das Einkaufen der Zukunft. Selbst der LEH hat Plastiktüten verbannt.
raiffeisen.com bedankt sich für das Interview bei Johanna Austermann und der gesamten Familie!
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