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Weizen-Pilztoleranz

Pflanzenzüchter gehen bei umstrittener Genschere in die Offensive

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Um Weizen mit Hilfe der Genschere CRISPR/Cas mit einer Pilztoleranz auszustatten, haben sich fast 60 deutsche Pflanzenzüchtungsunternehmen im Forschungsvorhaben PILTON zusammengeschlossen. Beim Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) ist man zuversichtlich, dass durch die verbesserte Pilztoleranz "signifikante" Mengen an Fungiziden und damit letztlich Kosten eingespart werden können. "Mit dem Projekt wollen wir prüfen, welchen Nutzen neue Züchtungsmethoden für eine ressourcenschonende und produktive Landwirtschaft haben", erklärte die BDP-Vorsitzende Stephanie Franck heute in Berlin, wo öffentlichkeitswirksam in der Bundespressekonferenz der offizielle Startschuss für das Projekt gegeben wurde.


Konkret gehe es darum, das Potential zur Einsparung von Pflanzenschutzmitteln zu evaluieren, erläuterte Franck. Die Pflanzenzüchter wollten beispielhaft aufzeigen, dass mit neuen Züchtungsmethoden Pflanzen mit wichtigen Eigenschaften entstehen könnten, die es sonst nur, wenn überhaupt, mit erheblicher Verzögerung gäbe. Der Weizen habe sich aufgrund seiner großen ökonomischen Bedeutung für das Forschungsprojekt angeboten; der Mechanismus zur Erzeugung der Pilztoleranz könne aber grundsätzlich auf andere Kulturen übertragen werden. Die mit der verbesserten Pilztoleranz ausgestatteten Sorten werden laut Franck vom Landwirt aber nur dann gekauft, wenn unter dem Strich ein finanzieller Mehrwert verbleibt.
Um die Grenzwerte bei Pilzgiften wie Mykotoxinen einzuhalten, sind nach den Worten von Dr. Klaus Wagner vom Thüringer Bauernverband (TBV) bei einem absehbar rückläufigen Einsatz an Pflanzenschutzmitteln tolerantere Sorten unabdingbar. Der TBV-Präsident geht davon aus, dass das bestehende Sortenschutzrecht ausreichend ist, um das geistige Eigentum der Pflanzenzüchter auch im Fall des neuen Mechanismus für Pilztoleranz zu schützen. "Patente auf Pflanzen lehnen wir ab", stellte Wagner klar, der beim Deutschen Bauernverband (DBV) den Fachausschuss für Saatgutfragen leitet.
Nach Angaben von Dr. Anja Matzk vom Pflanzenzüchter KWS soll im Rahmen des über vier Jahre laufenden Projektes die Abwehrreaktion beim Weizen gegen Krankheitserreger gestärkt werden, indem ein pflanzeneigenes Regulatorgen inaktiviert wird. "Wir erwarten, dass dies zu einer breiten und dauerhaften Toleranz gegen Pilzkrankheiten wie Braunrost, Gelbrost, Septoria und Fusarium führt", erklärte Matzk, die bei KWS die Position des Head Plant Biotechnology Innovation bekleidet. Die für das Forschungsvorhaben notwendigen Arbeiten erfolgten durch den Einsatz gezielter Mutagenese mittels Cas-Endonukleasen.
Dabei würden ausschließlich einzelne, eigene Gene des Weizens gezielt bearbeitet, betonte Matzk. Darüber hinaus solle geprüft werden, wie CRISPR/Cas-Methoden von Unternehmen der Pflanzenzüchtung auch vor dem Hintergrund bestehender Schutzrechte genutzt werden könnten. Lizenzstrukturen der Anbieter und deren Anforderungen an potentielle Lizenznehmer sollten mit den Möglichkeiten der in Deutschland tätigen Pflanzenzüchtungsunternehmen abgeglichen werden. AgE (18.09.2020)
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