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Fruchtfolgen: Grundsätze und Empfehlungen

Die Gestaltung des Ackerflächenverhältnisses und der Fruchtfolgen muss sowohl wirtschaftlichen als auch acker- und pflanzenbaulichen Anforderungen gerecht werden. Trotz wechselnder natürlicher und ökonomischer Bedingungen und der dadurch notwendig werdenden Veränderungen sollte an Fruchtfolgeprinzipien festgehalten werden. Daher sind längerfristige Fruchtfolgen mit ausreichender Flexibilität einzurichten, die Veränderungen abfangen, ohne die Grundform der Fruchtfolge zu beeinträchtigen.
Folgende Gesichtspunkte sollten dabei Beachtung finden:

Standortspezifische Anbauwürdigkeit

Bodenqualität und -beschaffenheit sowie Klimabedingungen entscheiden maßgeblich über die Auswahl geeigneter Fruchtarten:

AZ unter 30
AZ ab 30
AZ ab 35
AZ ab 40
Anbau von Erbsen, Gelben Lupinen, Kartoffeln. Roggen, Mais
Wintergerste, Raps
Weizen, Zuckerrüben
Braugerste, Ackerbohnen

Bei der Auswahl der Kulturen müssen Hängigkeit, Steinigkeit und die Wasserführung berücksichtigt werden. Sehr heterogene Standortbedingungen erfordern mehrere Rotationen.

Acker- und pflanzenbauliche Forderungen

Beachtung pflanzenbaulicher Obergrenzen:
% der AF
Getreide 66
Raps (Nahrungs- und Rohstoffraps) 25
Leguminosen 20
Zuckerrüben 25
Kruziferen u. Betarüben 33
Kartoffeln 25
Silomais 33
Ackerfutter 20

Acker- und pflanzenbauliche Forderungen

Einhaltung von Anbaupausen: Raps 3 Jahre, Zuckerrüben 4 Jahre, Kartoffeln 4 Jahre (Pflanzkartoffeln 5 Jahre), Ackerbohnen 3 Jahre, Erbsen 5 Jahre, Lein 6 Jahre, Lupinen 3 Jahre (Anthraknose beachten!). Bei Vermehrungen, insbesondere für den Export (OECD-Kennzeichnung) sind die besonderen Anforderungen an die Anbaupausen zu beachten.
Vermeidung von Selbstfolgen (z.B. bei Raps, Weizen, Roggen).
Nutzung positiver Fruchtfolgeglieder (Raps - Weizen, Lupinen - Roggen, Grünbrache - Raps, Zuckerrüben - Braugerste).
Beachtung von Unverträglichkeiten (Ackerbohnen - Rotklee, das Nacheinander großkörniger Leguminosen, Hafer - Sommergerste und umgekehrt, Sonnenblumen - Raps und umgekehrt).
Vermeidung zu enger Nachbarschaften von Sommer- und Wintergerste, Raps und Vorjahresraps, Roggen und Vorjahresroggen, Kohl und Raps.
Einrichtung mehrerer Rotationen (Trennung von Raps und Rüben, Sommer- und Winterraps, Raps und Sonnenblumen, verschiedene großkörnige Leguminosen, Leguminosen und Lein).
Erosions- und Bodenschutz durch Bodenbedeckung während der Vegetationszeit (Zwischenfruchtanbau, Grünbrache, keine Schwarzbrache !).
Steigerung der Bodenfruchtbarkeit durch Gründüngungspflanzen aus dem Zwischenfruchtanbau und Nutzung der Ernterückstände (Stroh, Rübenblatt u. ä.).
Erstellung von Nährstoffbilanzen für die organische und mineralische Düngung.

Betriebswirtschaftliche und marktpolitische Aspekte

  • Bilanzierung des Grobfutterbedarfs (mengen- und zeitmäßig)
  • Vermeidung von Arbeitsspitzen durch Begrenzung von Konzentration und Spezialisierung.
  • Effektive Auslastung von Arbeitskräften und Maschinen

Die Wirtschaftlichkeit und damit Vorzüglichkeit einzelner Kulturen wird ganz wesentlich von den jeweiligen Rahmenbedingungen beeinflusst, wie:

  • aktuelle Erzeugerpreise
  • Ausgleichszahlungen und Flächenstilllegungsprämien
  • Abschneidegrenzen für Ölsaaten (1997: 19 %)
  • Regelungen zur Flächenstilllegung (Mindestanteile)
  • Zuckerrübenquoten

Acker- und pflanzenbauliche Forderungen

Fruchtartenvergleich verschiedener Marktfrüchte
Auswertung Referenzbetriebe der LFA - Durchschnitt von 1993 - 96
Rang Marktfrucht Deckungsbeitrag 2 (DM/ha)
1 Zuckerrüben 1.853
2 Winterraps 1.465
3 Winterweizen 1.430
4 Sommergerste 1.429
5 Hafer 1.217
6 Triticale 1.161
7 Futtererbsen 1.102
8 Wintergerste 1.030
9 Winterroggen 1.010
10 Kartoffeln 601

Bei der Wahl des optimalen Anbauverhältnisses sind die Anbauanteile der wirtschaftlichsten Kulturen unter Beachtung der acker- und pflanzenbaulichen Aspekte maximal auszudehnen.

Optimale Anbaustrukturen unter den ökonomischen Rahmenbedingungen
von 1995 in Abhängigkeit vom Standort (MICHEL, 1995)
Frucht-
art bzw. Fruchtarten-
gruppe
Anbau % der AF auf Standort
AZ 30 AZ 40 AZ 50
Getreide 52,0 54,2 54,2
Raps (Nahrung) 17,0 17,0 17,0
Raps (NWR) 1,0 9,0 11,6
Raps gesamt 18,0 26,0 28,6
Leguminosen 2,2 - -
Zuckerrüben - 3,1 4,7
Kartoffeln 4,7 1,6 -
Silomais 6,7 6,7 6,7
Ackerfutter 3,6 3,6 3,6
Brache 12,8 4,8 2,2

Beispiele für Fruchtfolgen

Auf Standorten mit Ackerzahlen um 30 sind allgemein fünffeldrige Folgen günstig, da der fruchtfolgebestimmende Winterraps einen geringeren Anteil einnimmt. Die Fruchtfolge kann aus den Fruchtfolgegliedern Blattfrucht-Halmfrucht und Blattfrucht-Halmfrucht-Halmfrucht bestehen. Der Blattfruchtanteil bezieht die Brache mit ein. Für die leichteren Standorte ohne weizenfähige Böden sollte die Fruchtfolgepaare Raps-Winterroggen oder Raps-Triticale bevorzugt werden.

In Betrieben mit Ackerzahlen über 35 sind vierfeldrige Fruchtfolgen vorteilhaft, um den Anbauanteil der wirtschaftlichsten Kulturen maximal auszudehnen. Die Fruchtfolge sollte mit dem Fruchtfolgepaar Raps-Weizen beginnen. Es ist zweckmäßig, die Einordnung der einzelnen Fruchtarten auf Fruchtfolgefeld 3 mit jedem neuen Umlauf zu wechseln. So kann z. B. sichergestellt werden, dass mindestens dreijährige Anbaupausen von Zuckerrüben und Raps eingehalten werden. Ein zweimaliger Weizenanbau ist nur auf besten Böden in guter Klimalage vertretbar /z.B. Klützer Winkel)

Der Anbau nachwachsender Rohstoffe auf Stilllegungsflächen hat sowohl wirtschaftliche als auch acker- und pflanzenbauliche Vorteile. Für Rohstoffraps trifft das vor allem mit zunehmender Bodengüte zu. Auf ungünstigen Standorten sollte zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit auf eine geeignete Grünbrache orientiert werden. Eine gezielte biologische Bekämpfung des Rübenzystenälchens ist z. B. durch eine gezielte Begrünung von Stilllegungsflächen mit resistentem Senf oder Ölrettich möglich.

In Abhängigkeit vom Standort haben sich folgende Beispiele für die Fruchtfolgegestaltung bewährt:

Standort: AZ um 30 Standort: AZ ab 35
Winterraps /Brache Winterraps /NWR-Raps
Wintergetreide (ZF) Wintergetreide (ZF)
Ackerfutter / Brache / Leg. Ackerfutter / Brache / Hackfr.
Wintergetreide Winter- oder Sommergetr
Winter- oder Sommergetr.

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