Wolf-Bestandsmanagement

Bundesumweltressort sieht keinen Handlungsspielraum

Weitersagen: WhatsApp Facebook Twitter Mail
 
Copyright: Shutterstock
Das Bundesumweltministerium sieht derzeit keinen Handlungsspielraum für ein regional differenziertes Bestandsmanagement des Wolfes. Die Art bleibe geschützt, weshalb Abschussquoten ausgeschlossen seien, betonte Staatssekretär Stefan Tidow am Dienstag (23.1.) auf der Grünen Woche bei einem Fachforum des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zum Wolf. Daran würden auch eine Umlistung von Anhang IV in Anhang V der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie oder das Erreichen des guten Erhaltungszustands nichts ändern.

Der von Ressortchefin Steffi Lemke auf den Weg gebrachte, beschleunigte Abschuss von Problemwölfen sei aber bereits eine Grundlage "für eine Form von regionalem Bestandsmanagement", betonte Tidow. Auch wenn das "sicherlich was anderes" sei, "als das, was Sie verstehen" unter aktivem Bestandsmanagement, so der Grünen-Politiker.

"Wolfsrissreaktionsmanagement"

Mit dieser Einschätzung lag Tidow richtig. Für den Vizepräsidenten des Landvolks Niedersachsen, Jörn Ehlers, und den Präsidenten des Deutschen Jagdverbandes (DJV), Helmut Dammann-Tamke, ist das im Koalitionsvertrag verankerte Ziel eines aktiven Bestandsmanagements bislang nicht umgesetzt. Bei dem beschleunigten Abschuss von Problemwölfen handele es sich lediglich um ein Wolfsrissreaktionsmanagement.

Günstiger Erhaltungszustand erreicht

Dabei gibt es nach Einschätzung von Dammann-Tamke "driftige" Rechtfertigungsgründe für ein aktives Bestandsmanagement, darunter die Deichpflege in Niedersachsen und die Unbezahlbarkeit des teuren Herdenschutzes. Auch Wildökologe Prof. Sven Herzog von der Technischen Universität (TU) Dresden erhob Einspruch dagegen, dass es sich bei einem beschleunigten Abschuss von Problemwölfen um ein aktives Bestandsmanagement handele. Außerdem berichtete er, dass der Wolf den günstigen Erhaltungszustand in Deutschland inzwischen erreicht habe.

Massiver Frust

Vor diesem Hintergrund plädierte Herzog für mehr aktiven Herdenschutz, durch den der Wolf seine Scheu vor dem Menschen behalten würde. Das sei wichtig, weil Wölfe sehr anpassungsfähig seien und zum Beispiel in Rumänien auch in Städten lebten. Wichtig sei außerdem, das Wissen zum Wolf zu erweitern und die jagdliche Ausbildung entsprechend zu ergänzen. Schließlich werde ein Monitoring zur Akzeptanz des Wolfes gebraucht.

Diese schwindet nach Darstellung des Umweltbeauftragten des DBV und Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd (BWV), Eberhard Hartelt. Es gebe "massiven Frust" in der ländlichen Bevölkerung, weil Herdenschutz allein keine Lösung sei und die Tierhalter mit ihren Problemen alleine gelassen würden. AgE/lu (25.01.2024)
Weitersagen: WhatsApp Facebook Twitter Mail
 

Das könnte Sie auch interessieren

Wolfsschutz
Özdemir offen für Anpassung
28.05.2024 — Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir würde sich einer Absenkung des Schutzstatus der europäischen Wölfe nicht in den Weg stellen. Das hat der Grünen-Politiker im Vorfeld des jüngsten Agrarrates durchblicken lassen. "Es ist schön, dass der Wolf wieder da ist, aber in der Landwirtschaft hat er einfach schlicht und ergreifend meines Erachtens nichts verloren", erklärte Özdemir. In Zäunen sieht er keine Lösung.
Herabstufung des Schutzstatus
Mehr Tempo gefordert
21.05.2024 — Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion pocht auf mehr Tempo bei der Herabstufung des Schutzstatus von Wölfen. Sie hat dazu einen Antrag vorgelegt. Unterdessen wurde in Hessen ein Gesetzentwurf zur Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht im Landtag nach Erster Lesung in die Ausschüsse überwiesen. In Niedersachsen beklagte das Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement einen "Rückwärtsgang" in der Wolfspolitik.
NABU-Umfrage zum Wolf
Hohe Akzeptanz in der Bevölkerung
02.05.2024 — Laut einer forsa-Umfrage freuen sich drei Viertel der Menschen hierzulande über die Rückkehr des Wolfes. Außerdem sieht die Mehrheit in dem Tier keine Bedrohung für den Menschen. Etwa 62% gehen davon aus, dass die von Wölfen ausgehenden Risiken in den Medien übertrieben dargestellt werden. Der Naturschutzbund Deutschland setzt auf Herdenschutz und fordert eine sachlichere Diskussion zum Wolf.
Rundumschutz
R+V-AgrarPolice
Im Schadenfall kann die wirtschaftliche Existenz des Betriebes und damit die Lebensgrundlage der Familie und der Mitarbeiter schnell gefährdet sein. Landwirtschaftliche Unternehmer sind kaum in der Lage, für diesen Fall ausreichend Rücklagen zu bilden. Die R+V-AgrarPolice bietet umfassenden betrieblichen Versicherungsschutz, den Sie individuell für Ihren Betrieb zusammenstellen können.en.

xs

sm

md

lg

xl